In Berlin geboren: 96-jährige Rita Paul leitet Washington Square Hotel in NYC

| Hotellerie Hotellerie

Mit Lederjacke, selbstgemachter Brosche, akkurat geföhnten silbergrauen Haaren und goldenen Ohrringen schreitet Rita Paul durch das Eingangsfoyer ihres Washington Square Hotels. «Die Bilder dort habe alle ich gemalt», sagt die 96-Jährige, «und die Kacheln da hinten sind auch alle von mir.» Dann sieht sie eine Schlüssel-Abgabebox im Eingangsbereich und schnappt sich sofort den Portier. «Die kann da so nicht stehen, das sieht nicht schön aus, bitte räume die Box sofort aus dem Weg.» 

Seit 50 Jahren leitet Paul das Hotel mitten in Manhattan und hat es gemeinsam erst mit ihrem 2014 gestorbenen Mann und später ihrer Tochter von einer renovierungsbedürftigen Absteige in eine von Stars wie Bob Dylan und den Rolling Stones bevorzugte Luxus-Herberge verwandelt. «Geschichtsträchtig» und «unkonventionell» sei das Hotel, schwärmte jüngst die «New York Times». Inzwischen hat Pauls Tochter Judy offiziell die Leitung übernommen, aber als künstlerische Leiterin ist Paul immer noch jeden Tag im Hotel, verziert jede Ecke mit ihrer Kunst und zieht alle Fäden. Ihre Mutter sei schlicht «ein Rock-Star», sagt Judy Paul.

Geboren wurde Paul 1927 als Rita Puchalski in Berlin. Ihre Eltern stammten ursprünglich aus Osteuropa und hatten zuvor in Tel Aviv gelebt, der Vater war im Immobilien-Geschäft. Sie habe nicht mehr viele Erinnerungen an die Zeit in Berlin, sagt Paul - außer, dass sie in einer großen Wohnung direkt gegenüber der Deutschen Oper gelebt hätten und dass sie einmal ihre Mutter beim Einkaufen im Kaufhaus Kadewe verloren habe und dann alleine nach Hause gelaufen sei. Aufgrund zahlreicher Krankheiten sei sie in Berlin nur kurz in der Schule gewesen und habe auch nur sehr wenig Deutsch gelernt, ihr Deutsch sei «praktisch nicht existent». Eines der wenigen Wörter, das ihr nach einigem Nachdenken noch in den Sinn kommt: «Dingsbums». 

1933 flieht die jüdische Familie vor den Nationalsozialisten, zuerst nach Paris und dann 1940 mit dem Schiff weiter nach New York - vorbei an der Freiheitsstatue, an den Moment erinnert sich Paul noch gut. Zunächst siedelt sich die Familie bei einer Tante im Süden von Brooklyn an. «Es war wie Tag und Nacht. Es war komplett anders. Das Essen, die Schule - alles.» Das Englischlernen sei ihr aber leicht gefallen. «Das hat höchstens drei Monate gedauert.» Paul schließt die Schule ab und studiert dann Mode und Design. Über das Immobilien-Business ihres Vaters, das dieser in New York wieder aufgenommen hat, rutscht sie gemeinsam mit ihrem Mann ins Hotel-Business - erst in Brooklyn und schließlich in Manhattan.

1973 kaufen Paul und ihr Mann das Washington Square Hotel, das damals noch The Earle hieß. Das Hotel liegt im legendären Szeneviertel Greenwich Village direkt am Washington Square - mit seinen Grünflächen, einem großen Brunnen und einem Torbogen seit Jahrzehnten Anziehungspunkt für eine wilde Mischung aus Spaziergängern, Hunde-Besitzern, Eltern mit kleinen Kindern, Studenten, Musikern und Drogen-Verkäufern. Als sie das Hotel kauften, sei es «eine Müllhalde» gewesen, sagt Paul. Aber die Gegend zog auch damals schon berühmte Künstler an. Schriftsteller und Dichter wie Ernest Hemingway und Dylan Thomas und Musiker wie Bob Dylan, Bo Diddley und die Rolling Stones übernachteten schon im Washington Square Hotel. Sängerin Joan Baez verewigte es sogar in ihrem Song «Diamonds & Rust»: «Now you're smiling out the window - Of that crummy hotel - Over Washington Square.»

Die Pauls renovieren das Hotel und leben rund zwölf Jahre lang sogar selbst dort. «Wundervolle Jahre» seien das gewesen, sagt Paul, die inzwischen in einer kleinen Wohnung um die Ecke lebt, aber trotzdem die meiste Zeit im Hotel verbringt und auch oft in dessen Restaurant isst. Das Hotel sei ihre «Galerie», sagt Paul, die auch auf ihrem Handy oft an Kunst arbeitet. «Ich hatte nie eine reguläre Galerie - vielleicht weil ich nicht genug Kunst hergestellt habe, oder vielleicht weil niemand Interesse hatte. Aber hier hält mich keiner auf.» Jede Wand, jede Säule, jede Tür hat Paul in ihrem «eklektischen Stil» bunt bemalt oder verziert. Einen sehr «individuellen Charakter» habe das Hotel so bekommen, sagt Paul - gerade in einer Stadt wie New York mit sehr vielen Kettenunterkünften.

Das Hotel heute zu führen sei nicht leicht, sagen Rita und Judy Paul. Durch die Pandemie seien sie mit staatlichen Hilfen gerade so durchgekommen, inzwischen seien die rund 150 Zimmer auf 9 Stockwerken wieder gut gebucht, aber die Unterhaltskosten seien gestiegen. «Kopfschmerzen, Kopfschmerzen», sagt Judy Paul. «Aber wir schaffen es.» Ans Aufhören habe sie nie gedacht, sagt Rita Paul. «Mein Mann und ich haben das hier geschaffen und ich liebe alles daran. Wenn man so etwas machen kann, dann hat man Glück.»

Ihr Geheimnis, wie sie mit 96 Jahren noch so fit und aktiv sein könne? «Darauf gibt es eine sehr einfache Antwort: 80, 90 oder mehr Minuten jeden Tag auf dem Laufband mit der "New York Times".» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

In Bayreuth ist es laut Polizei zu mehr als 100 auffälligen Hotelbuchungen über ein Online-Portal gekommen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts des Betrugs.

Patrizia hat für das Holiday Inn Express in Augsburg einen neuen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen. Die The Chocolate on the Pillow Group übernimmt den Betrieb des Hotels mit 136 Zimmern.

Der Mainzer Stadtrat hat die Einführung einer Bettensteuer beschlossen. Kurz vor der Abstimmung hatte der DEHOGA Rheinland-Pfalz erneut versucht, die Entscheidung zu stoppen und für einen Gästebeitrag geworben.

Das aktuelle „mrp hotels quarterly“ sieht aktives Asset Management als zentrale Steuerungsfunktion für Hotelimmobilien. Vertreter aus Finanzwirtschaft und Hotellerie diskutierten steigende Kosten, veränderte Nachfrage und Unterschiede zwischen den Hotelsegmenten.

Marriott International meldet für das erste Quartal 2026 ein RevPAR-Wachstum von 4,2 Prozent und eine Rekord-Pipeline von fast 618.000 Zimmern. Trotz steigender Managementgebühren sank der Nettogewinn leicht auf 648 Millionen US-Dollar.

Novum Hospitality eröffnet mit dem Holiday Inn – the niu Quay in Hamburg-Harburg sein erstes Hotelprojekt in der kombinierten Rolle als Eigentümer und Betreiber. Das Haus umfasst 166 Zimmer und ist Teil des Projekts Aqua²dock am Harburger Binnenhafen.

Klarna und Minor Hotels kooperieren ab sofort in 13 europäischen Ländern, um Reisenden flexible Zahlungsmodelle anzubieten. Kunden können Hotelbuchungen künftig sofort oder in zinsfreien Raten begleichen.

Das Romantik Hotel Zell am See nimmt am 13. Mai nach umfassenden Renovierungsarbeiten den Betrieb für die Frühjahrssaison wieder auf. Die Umbaumaßnahmen betrafen vor allem die Optik und Ausstattung des Vier-Sterne-Hauses.

Das Hotel Taschenbergpalais Kempinski Dresden verzeichnet seit der Wiedereröffnung im Februar 2024 insgesamt 14.000 Gäste im Veranstaltungsbereich. Das Haus setzt bei seinem Angebot auf eine Kombination aus historischen Räumlichkeiten und regionalen Ausflugszielen.

Die MHP Hotel AG bringt ihre Eigenmarke Mooons erstmals nach Deutschland. Dafür wurde nun ein langfristiger Pachtvertrag mit der Rock Capital Group für einen Standort in Frankfurt am Main unterzeichnet.