Kempinski-Chefin über Luxushotellerie: „Sie bezahlen nicht für Vanillejoghurt“

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Die Kempinski Group will künftig wieder verstärkt auf eigene Hotelimmobilien setzen. Das erklärte Konzernchefin Barbara Muckermann in einem Beitrag, der am 13. Mai 2026 auf der Internetseite des Unternehmens veröffentlicht wurde. Anlass ist unter anderem die Übernahme des Augustine Hotel Prague, das nach Angaben des Unternehmens das erste vollständig im Eigentum von Kempinski befindliche Hotel seit mehr als fünfzig Jahren ist. (Tageskarte berichtete)

Im Mittelpunkt des Beitrags steht jedoch weniger das einzelne Hotelprojekt als vielmehr die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Muckermann beschreibt darin eine bewusste Abkehr vom in der Hotellerie weit verbreiteten „Asset-light“-Modell, bei dem Hotelgesellschaften überwiegend auf Managementverträge statt auf Eigentum setzen.

„Deshalb haben wir beschlossen, genau das Gegenteil zu tun“, schreibt Muckermann. Während viele Unternehmen Hotelimmobilien verkauften und sich auf Management konzentrierten, bewege sich Kempinski „wieder stärker in Richtung Eigentum“.

Kempinski kritisiert zunehmende Vereinheitlichung in der Luxushotellerie

Muckermann stellt in dem Beitrag die These auf, dass die Trennung von Eigentum, Gestaltung und Betrieb zu einer zunehmenden Vereinheitlichung im Markt führe. Entscheidungen über Investitionen oder Positionierung müssten häufig zwischen unterschiedlichen Beteiligten abgestimmt werden.

„Kompromisse werden unvermeidlich“, schreibt sie. Diese führten zwar häufig zu effizienten Lösungen, aber selten zu etwas, „das wirklich heraussticht“. Über die Zeit entstehe dadurch „ein Meer der Gleichförmigkeit“.

Nach Darstellung der Vorstandsvorsitzenden will Kempinski dieser Entwicklung entgegenwirken. Wohlhabende Gäste seien bereit, für individuelle Angebote zu bezahlen. „Sie bezahlen nicht für Vanillejoghurt“, heißt es wörtlich im Beitrag.

Die Kontrolle über die Immobilie sei aus Sicht des Unternehmens entscheidend, um ein Hotel vollständig gestalten zu können. „Ein unverwechselbares Erlebnis entsteht nicht durch zusätzliche Annehmlichkeiten oder feinere Markenstandards“, schreibt Muckermann. Entscheidend sei „die Freiheit, ein Hotelerlebnis in seiner Gesamtheit zu formen“.

Eigentum soll langfristige Entscheidungen und regionalen Fokus erleichtern

Das Augustine Hotel Prague beschreibt Kempinski als exklusives Beispiel für diese Strategie. Das Haus befindet sich in einem historisch und architektonisch sensibel restaurierten Kloster aus dem 13. Jahrhundert im Prager Stadtteil Malá Strana. Dieses Objekt verfügt über tief verwurzelte kulturelle Grundlagen, bietet zugleich jedoch erhebliches ungenutztes Potenzial für eine maßgeschneiderte, regionale Differenzierung im hart umkämpften tschechischen Luxussegment. (Tageskarte berichtete)

Laut Muckermann gehe es dabei nicht um punktuelle Renovierungen, sondern um eine umfassende Neuausrichtung des Gästeerlebnisses. Dafür seien langfristige Weichenstellungen notwendig.

„Wenn man Eigentümer ist, kann man Entscheidungen mit einer langfristigen Perspektive treffen – und schneller handeln, statt jeden einzelnen Schritt neu verhandeln zu müssen“, schreibt sie.

Gleichzeitig verweist die Konzernchefin offen darauf, dass ein eigentumsbasiertes Modell nicht immer der kapitaleffizienteste Ansatz ist. Es erfordert ein hohes Maß an geduldigem Kapital, um den Verlockungen eines schnellen, aber potenziell markenverwässernden Wachstums konsequent zu widerstehen. Dennoch sieht Kempinski darin langfristige Vorteile. „Wenn wir erfolgreich sind, verbessern wir nicht nur die Performance, sondern schaffen langfristigen Wert – sowohl für die Immobilie als auch für die Marke.“

Abgrenzung von rein renditeorientierten Finanzinvestoren

Als privates Unternehmen profitiert Kempinski von langfristig orientiertem Kapital und muss sich im Gegensatz zu börsennotierten Mitbewerbern nicht an kurzfristigen Quartalsergebnissen messen lassen. Dies beeinflusst auch die strategische Bewertung von Hoteltransaktionen.

Muckermann gibt zu bedenken, dass die weltweit profiliertesten Luxushotels selten primär von einer reinen Finanzrendite geleitet würden. Vielmehr stünden die Leidenschaft für die jeweilige Destination und der langfristige Wert des Hotelbetriebs im Vordergrund. Während klassische Immobilieninvestoren primär auf kurzfristige Ertragsraten und standardisierte Kennzahlen achten, berücksichtige Kempinski die ganzheitliche Wertschöpfung der Marke.

Im Beitrag verweist Muckermann zudem auf Parallelen zur Ultra-Luxus-Kreuzfahrtbranche und ihre frühere Tätigkeit bei Silversea Cruises. In diesem Marktsegment wurden die Schiffe vollständig in Eigenregie entwickelt, gebaut und betrieben. Diese lückenlose operative Kontrolle über das Produkt ermöglichte eine präzise Abstimmung des Gästeerlebnisses auf den weltweiten Routen und exklusiven Destinationen. Dieses bewährte Prinzip der vollständigen Kontrolle soll nun als strategisches Fundament für die Hotelimmobilien von Kempinski dienen.


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