Mehr Storytelling, weniger Standard: So läuft es im Conrad Hamburg

| Hotellerie Hotellerie

Das Fundament steht, das Team ist eingespielt – nun geht es um die Feinjustierung. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Conrad Hamburg blickt Michael Wagner, COO der MHP Hotel AG, auf die erste Phase des „Ankommens“ zurück. Im Gespräch mit Tageskarte erläutert Wagner, warum Luxushotels einen langen Atem brauchen, wie er den Hamburger Wettbewerb erlebt und wodurch sich das Conrad-Erlebnis ganz konkret von einem klassischen Hilton unterscheidet.

Wo steht das Conrad Hamburg heute, fast 6 Monate nach der Eröffnung?

Wagner: Wir befinden uns bewusst noch in der Phase des Ankommens und Feinjustierens. Operativ läuft das Haus stabil, das Team ist eingespielt und die Rückmeldungen unserer Gäste sind ausgesprochen positiv. Gleichzeitig arbeiten wir intensiv an Themen wie Markenbekanntheit, Wiederkehrerquote und einer klaren Positionierung im Hamburger Luxusmarkt. Das Fundament steht – jetzt geht es darum, Profil zu zeigen.

Wie wichtig sind Hamburgerinnen und Hamburger für den Erfolg des Hauses – jenseits der klassischen Hotelgäste?

Wagner: Eine sehr große. Die Hamburger Wirtschaft und lokale Gäste sind für uns essenziell – im Corporate-Bereich, für Events, aber auch für GRETA OTO, unser Restaurant und unsere Bar. Gleichzeitig profitieren wir stark von nationaler und internationaler Nachfrage. Langfristig ist die Balance entscheidend: Ein gesundes Luxushotel lebt von beidem.
 

Viele neue Luxushotels brauchen Zeit, um wirklich Fuß zu fassen. Wie realistisch muss man da kalkulieren?

Wagner: Realistisch sprechen wir von ein bis zwei Jahren. Vertrauen, Wiederkehrer und Markenbindung entstehen nicht über Nacht. Entscheidend sind eine klare Haltung, konsequente Qualität und ein Team, das diese Werte täglich lebt. Genau hier sind wir bereits sehr gut aufgestellt.

Hamburg gilt als anspruchsvoller Luxusmarkt. Wie erleben Sie den Wettbewerb vor Ort?

Wagner: Hamburg ist ein anspruchsvoller, aber hochprofessioneller Markt. Der Wettbewerb ist intensiv, aber fair. Jedes Haus hat seine eigene DNA und Zielgruppe. Für uns ist das eher Ansporn als Belastung – ein starker Markt schärft das eigene Profil und motiviert zu Höchstleistungen.

Conrad ist hierzulande noch nicht so bekannt. Sehen Sie das eher als Bürde oder als Chance?

Wagner: Beides. Eine etablierte Marke bringt natürlich Vorteile. Gleichzeitig eröffnet uns die relative Unbekanntheit die Chance, Erwartungen neu zu definieren und Gäste positiv zu überraschen. Wir können die Marke Conrad in Deutschland aktiv mitprägen – das ist eine außergewöhnliche Möglichkeit.

Für viele Gäste verschwimmen die Marken innerhalb großer Hotelgruppen. Woran merkt man im Alltag ganz konkret: Das ist ein Conrad – und kein klassisches Hilton?

Wagner: Conrad steht für modernen, individuelleren Luxus. Weniger Standardisierung, mehr Persönlichkeit, mehr Storytelling. Während Hilton stark auf Effizienz und Wiedererkennbarkeit setzt, geht es bei Conrad um maßgeschneiderte Erlebnisse, emotionale Bindung und eine zeitgemäße Interpretation von Luxus.


Zurück

Vielleicht auch interessant

CIC Hospitality aus Norwegen übernimmt den Betrieb des Flightgate Munich Airport Hotel in Hallbergmoos bei München. Das Haus mit 212 Zimmern wird künftig unter der Marke Radisson Individuals geführt.

Das frühere Wyndham Grand Salzburg tritt künftig unter der Marke Radisson Blu auf. Das Haus verfügt über 262 Zimmer und 1.785 Quadratmeter Veranstaltungsfläche und positioniert sich verstärkt im Tagungs- und Geschäftsreisemarkt.

Die DSR Hotel Holding eröffnet am 6. Juli 2026 das neue Henri Hotel Garmisch-Partenkirchen mit 69 Zimmern im ehemaligen Reindl's Partenkirchner Hof. Das neue Haus ist ab sofort buchbar und erweitert das Alpen-Portfolio des Unternehmens.

Das Hotel Gut Ising am Chiemsee investiert in den Bau von zwei neuen Wohngebäuden für seine Angestellten. Bis Oktober entstehen insgesamt 37 Einheiten mit 60 Betten sowie verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen für Auszubildende und Fachkräfte.

Das Webers Hotel im Essener Ruhrturm wird künftig von Signo Hospitality betrieben und schließt sich der Accor-Gruppe an. Ab Ende 2026 sind umfassende Renovierungsarbeiten und ein Markenwechsel des Hauses mit 137 Zimmern geplant.

Eine Studie von HotellerieSuisse zeigt den anhaltend hohen Einfluss von Buchungsplattformen auf die Preisgestaltung in der Schweizer Hotellerie. Hotels berichten zunehmend über Preisunterbietungen und eingeschränkte Kontrolle im digitalen Vertrieb.

Das „Hotel am Sophienpark“ in Baden-Baden soll nach einer umfassenden Modernisierung im Frühjahr 2027 unter dem Namen „The Floris“ weitergeführt werden. Das traditionsreiche Gebäude an der Sophienstraße 14 werde derzeit revitalisiert und als Vier-Sterne-Superior-Hotel neu positioniert.

Das Hotel du Cap-Eden-Roc erweitert sein Angebot 2026 um die Yacht Millesime. Die 37 Meter lange Yacht soll exklusiv Hotelgästen für Fahrten entlang der Mittelmeerküste zur Verfügung stehen.

Mecklenburg-Vorpommern zählte im vorigen Jahr rund acht Millionen Urlauber und etwa 33 Millionen Übernachtungen. Das hohe Niveau soll mindestens gehalten werden. Aber die Branche steht unter Druck.

Die Dormero Gruppe erweitert ihre Präsenz in der Region Mittelfranken und übernimmt das bisherige NH Hotel in Fürth. Das Hotel befindet sich in zentraler Lage direkt am Stadtpark und umfasst insgesamt 118 Zimmer.