Minimalbetrieb: Wie das Hotel Rebstock in Würzburg mit der Krise umgeht

| Hotellerie Hotellerie

Die momentane Lage ist für viele Branchen eine völlig neue Herausforderung. Auch das Hotel Rebstock in Würzburg muss umdenken und den täglichen Ablauf neu strukturieren. Inhaber Christoph Unckell bleibt zuversichtlich: „Wir sind optimistisch und hoffen, dass der Staat jetzt schnell hilft und wir bald wieder für unsere Gäste da sein können.“ Aber wie läuft eigentlich ein Hotel im Minimalbetrieb? „Unsere Rezeption ist von 8 bis 16 Uhr besetzt, beim Frühstück haben wir noch einen Mitarbeiter im Einsatz. Alle zwei Tage kommt eine unserer Reinigungskräfte, kümmert sich um die belegten Zimmer und lüftet auch die freien Zimmer regelmäßig durch. In der Verwaltung wird die Buchhaltung am Laufen gehalten, dort arbeiten wir an der nächsten Lohnzahlung und dem Antrag auf Kurzarbeit. Nach 16 Uhr kommen unsere Gäste durch den elektronischen Zugang ins Haus, sollten sie dann ein akutes Anliegen haben, bin ich in zehn Minuten vor Ort“, so Unckell.

Hotelaufenthalte in Zeiten der Krise

Viele Hotels haben ihren Betrieb komplett eingestellt, da Reisen aus touristischen Gründen nicht mehr erlaubt sind. Wie ist es, als einer der wenigen Gäste noch in einem Hotel zu übernachten, in dem normalerweise hoher Betrieb herrscht? „Meine Frau wird derzeit aufgrund eines chronischen Leidens hier in der Klinik behandelt. Ich bin vor allem dankbar, dass das Hotel Rebstock geöffnet hat und ich hier weiterhin bleiben kann“, so ein Gast. „Momentan können wir noch nicht nach Hause fahren, deshalb ist ein Hotelaufenthalt die beste Alternative. Es ist zwar deutlich ruhiger als sonst, aber es wird sich sehr gut um uns gekümmert.“

Kreative Lösungen sind gefragt

Seit vergangener Woche stellt Christoph Unckell seine Hotelzimmer außerdem als Homeoffice zur Verfügung, um auf die steigende Nachfrage an geeigneten Arbeitsmöglichkeiten zu reagieren. „Ich finde die Möglichkeit toll, mein Büro hier in einem Hotelzimmer einzurichten. Wir sind gerade umgezogen und ich kann noch nicht an meinen neuen Arbeitsplatz“, erklärt ein Gast, der das Hotel derzeit zum Arbeiten nutzt. „Da die Schulen momentan geschlossen sind, sind unsere Kinder natürlich zu Hause, und da ist an einen ungestörten Workflow nicht zu denken. Also komme ich ein paar Stunden am Tag her, hier gibt es alles, was ich brauche. Wenn ich dann nach Hause komme, kann ich mich voll und ganz auf die Kinder konzentrieren, so sind wir alle entspannter.“

Individueller Service auch in der Krise

Inhaber Christoph Unckell und seine Mitarbeiter sind immer auf guten Service bedacht und möchten ihren Gästen auch aktuell ein „Zuhause weg von zu Hause“ bieten. Aber wie funktioniert individueller Service in Zeiten der Krise? „Zunächst einmal haben wir unsere Internetleitung auf einen Gigabyte hochgefahren, damit unsere Gäste problemlos von hier aus arbeiten können. Unser Frühstück wird für jeden individuell zusammengestellt und auf dem Zimmer serviert. Da wir unsere Restaurants schließen mussten, haben wir besonders empfehlenswerte Lieferdienste zusammengestellt, und täglich bekommt jeder Gast Mineralwasser, frisches Obst und ausreichend Kaffeekapseln für die Kaffeemaschine aufs Zimmer gebracht. Wir versuchen mit allen Mitteln, den Aufenthalt für unsere wenigen Gäste so angenehm wie möglich zu machen und individuelle Wünsche zu erfüllen“, erklärt Unckell den aktuellen Ablauf. Trotz weniger Betrieb werden die Hygienevorschriften streng eingehalten, Kontaktpunkte wie Knöpfe am Aufzug oder Türklinken regelmäßig desinfiziert und auf Mindestabstände geachtet.

Es gibt immer etwas zu tun

Auch die Mitarbeiter, die im Hotel Rebstock für den täglichen Ablauf sorgen, trifft die Krise hart. „Im Moment kommt nur alle zwei Tage einer von uns für ein paar Stunden und kümmert sich um die belegten Zimmer, lüftet und lässt in anderen Zimmern das heiße Wasser laufen, damit es nicht zu lange in den Rohren steht“, erklärt eine Mitarbeiterin des Zimmerservice. „Wir machen uns alle Sorgen, wie es weitergehen soll. Trotzdem ist Sauberkeit gerade im Moment besonders wichtig, und es gibt auch mit weniger belegten Zimmern immer etwas zu tun.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Airbnb führt in Deutschland die neue Funktion „Jetzt buchen, später bezahlen“ ein. Damit können Gäste Unterkünfte mit flexiblen Stornierungsbedingungen reservieren und erst kurz vor Ablauf der Frist bezahlen, was insbesondere die Planung von Gruppenreisen erleichtern soll.

Die Insolvenz der Revo Hospitality Group hat die deutsche Hotellerie in Mark und Bein erschüttert. Dirk Iserlohe, Aufsichtsratsvorsitzender der Dorint-Hotelgruppe, hat sich in zwei öffentlichen Statements zu Wort gemeldet. Doch beim Vergleich seiner Analysen zeigt sich ein bemerkenswerter kommunikativer Spagat zwischen interner Manöverkritik und politischem Lobbyismus.

Die Chocolate on the Pillow Group vollzieht den Markteintritt in Berlin. Mit einem Managementvertrag für ein Vier-Sterne-Superior-Hotel an der Fischerinsel setzt das Unternehmen auf eine Zusammenarbeit mit Immobilieneigentümern und eine Fokussierung auf investierbare Hotelprodukte.

COMO Hotels and Resorts eröffnet im Mai das COMO Cordeillan-Bages. In Kooperation mit der Familie Cazes entsteht in einem historischen Anwesen in Pauillac ein neues Luxusdomizil, das Design von Paola Navone mit exklusivem Zugang zur Welt der Bordeaux-Weine kombiniert.

Eine aktuelle Treugast-Analyse am Beispiel Ruhpolding untersucht die Auswirkungen von Hotelneueröffnungen auf Feriendestinationen. Die Ergebnisse belegen, wie kapazitätsstarke Leitbetriebe das Nachfragewachstum nachhaltig fördern und bestehende Angebotslücken schließen können.

Mit der Eröffnung von 27 neuen Hotels hat Marriott International im Jahr 2025 die Marke von 200 Häusern in der DACH-Region überschritten. Das Wachstum wird maßgeblich durch Konvertierungen in allen Segmenten getrieben.

Mit der Eröffnung des Adagio Access Nanterre baut Adagio die Kapazitäten im Großraum Paris weiter aus. Das neue Haus mit 132 Apartments in direkter Nähe zum Geschäftsviertel La Défense zielt primär auf Geschäftsreisende und Langzeitgäste ab.

Booking Holdings verzeichnet ein über den Erwartungen liegendes Wachstum bei den Bruttobuchungen und passt die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr nach oben an. Zudem investiert der Konzern verstärkt in Technologie und Marketing.

Die Accor-Gruppe schließt das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlichen Gewinnplus ab und übertrifft die eigenen Finanzziele. Während die Lifestyle-Sparte zweistellig wächst, normalisiert sich das Geschäft auf dem deutschen Markt nach einer Schwächephase wieder.

Die Hotelgruppe Dormero expandiert weiter auf dem österreichischen Markt und übernimmt das bisherige Amedia Hotel Wels. Das Haus am Welser Stadtplatz, das vielen noch unter dem Namen Kremsmünsterer Hof bekannt ist, war zuvor Teil der Amedia Hotel GmbH. Diese gehört zur Revo Hotelgruppe und befindet sich derzeit in einem Insolvenzverfahren.