Nach Cyber-Angriff auf Motel One - Gäste sollten wachsam sein

| Hotellerie Hotellerie

Es bestehe «zunächst vor allem Anlass zu erhöhter Aufmerksamkeit bei Mail-Eingängen unbekannter oder auch nur überraschender Absender», teilte das zuständige Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht auf dpa-Anfrage mit. Es gehe darum, frühzeitig mögliche Manipulations- und Angriffsversuche zu erkennen, bei denen die veröffentlichten Daten missbräuchlich eingesetzt werden.

Im schlimmsten Fall, also etwa bei massiven und anhaltenden Angriffen, könne «ein Verzicht auf die weitere aktive Nutzung der veröffentlichten Mail-Adresse dazu beitragen, die Sicherheit der persönlichen Online-Kommunikation wiederherzustellen», so das Landesamt.

Daten lassen sich nicht mehr kontrollieren

Zudem sollte man berücksichtigen, dass abgeflossene Daten nach einem Sicherheitsvorfall «auch langfristig beliebigen Dritten für zwar regelmäßig rechtswidrige, aber kaum effektiv kontrollierbare Nutzungszwecke zur Verfügung stehen», warnt die Datenschutzaufsicht. «Insbesondere beim Abgleich mit anderweitig gewonnenen Informationen können sie daher für die Betroffenen Nachteile und Risiken begründen.»

Zu den gestohlenen und veröffentlichten Motel-One-Daten zählen einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» («SZ») zufolge auch Geburtsdaten von Kunden sowie Übernachtungslisten. Diese enthielten die Namen der Gäste, das Datum ihres Check-ins und die Zimmernummern.

Vereinzelt waren auch Kreditkarteninformationen von Hotelgästen samt Prüfziffer gestohlen worden: Motel One selbst nennt hier die Zahl von 150 Betroffenen. Alle seien persönlich informiert worden. Dazu war das Unternehmen den Landesdatenschützern zufolge auch verpflichtet, weil «unmittelbare Vermögensschäden drohen».

Ungleich größer ist aber die Zahl derer, die das Unternehmen nicht zwingend informieren muss, weil etwa Kontakt- oder Anschriftendaten «zunächst kein vergleichbar hohes Risiko unmittelbarer Vermögensschäden» bergen, so das Landesamt.

Bin ich vom Datenklau betroffen?

Potenziell kann jede und jeder betroffen sein, der oder die in den letzten Jahren in den 90 Motel-One-Häusern in Europa und in den USA übernachtet hat. Nachfragen von Gästen nimmt das Unternehmen unter der Mail-Adresse «privacy@motel-one.com» entgegen.

Wer wissen möchte, ober er vom Motel-One-Datenklau oder von anderen Hacks und Leaks betroffen ist, kann auch in speziellen Datenbanken nachschauen, die solche Informationen sammeln. Dazu zählen etwa der Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts oder die Seite «Have I been pwned?» (Hat's mich erwischt?), die der Sicherheitsforscher Troy Hunt betreibt.

Dort erfährt man jeweils nach Eingabe seiner E-Mail-Adresse, ob diese in Verbindung mit anderen Daten wie Telefonnummer, Geburtsdatum, Adresse oder auch Passwörtern im Internet frei zugänglich ist und missbraucht werden könnte.

Etliche Motel-One-Kundendaten im Darknet veröffentlicht

Meldung vom 7.10.2023, 15:39

Bei der Hotelkette Motel One haben Hacker in großem Stil Daten mit privaten Informationen von Gästen geklaut und im Darknet veröffentlicht. «Nach vorläufigen Erkenntnissen betreffen die gestohlenen Daten im Volumen von sechs Terabyte insbesondere Adress- und Rechnungsdaten von Kunden und nur sehr vereinzelt Kreditkarteninformationen unserer Hotelgäste», sagte eine Sprecherin des Unternehmens am Samstag auf Anfrage in München. Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, die Daten seien bereits am Mittwoch im Darknet publiziert worden.

Beim Darknet oder auch Darkweb handelt es sich um ein verborgenes Netzwerk, also abgeschlossene Internetseiten, die nur über einen bestimmten Browser zu finden sind.

Motel One (München) hatte bereits am 30. September auf der Plattform X, ehemals Twitter, von dem Hackerangriff berichtet. Das Unternehmen stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige und informierte auch die Datenschutz-Behörden. Zudem habe man unverzüglich sichergestellt, dass keine weiteren personenbezogenen Daten erlangt werden könnten. Betroffene Kreditkartenhalter seien persönlich informiert worden.

Motel One verwies auf umfassende, marktübliche Sicherheitsstandards. Dass der Hackerangriff dennoch erfolgreich gewesen sei, zeige die hohe kriminelle Energie der Gruppe. Gäste müssten sich keine Sorgen um ihre Sicherheit machen, sagte eine Sprecherin. Motel One arbeite eng mit erfahrenen Experten für Informations- und IT-Sicherheit und den zuständigen Behörden zusammen.

Betroffen waren der Zeitung zufolge auch so genannte Notfalllisten. Sie enthielten die Namen der Gäste, das Datum ihres Check-ins und die Zimmernummern, teilte Motel One mit. Mit diesen Informationen könnten Gäste beispielsweise auch bei Systemstörungen einchecken.

Der Gründer und Mitinhaber von Motel One, Dieter Müller, appellierte an die Bundesregierung: «Ich denke, dass neben den Unternehmen selbst der Staat gefordert ist, die Hoheit zurückzugewinnen und die Cyber-Abwehr erheblich aufzurüsten». Müller wurde womöglich selbst Opfer des Datenklaus. «Da Dieter Müller gerne bei Motel One übernachtet, kann das zutreffen», sagte die Sprecherin.

Motel One betreibt nach eigenen Angaben derzeit 90 Hotels in 13 Ländern in Europa und den USA. Nach harten Verlusten während der Corona-Pandemie trotz staatlicher Corona-Hilfen ging es 2022 wieder aufwärts. Nach mehr als sieben Millionen Euro Nettoverlust im Jahr 2021 landete die Gruppe vergangenes Jahr mit 78 Millionen Gewinn wieder in den schwarzen Zahlen und halbierte den Schuldenstand nahezu von 197 auf 99 Millionen Euro. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

COMO Hotels and Resorts eröffnet im Mai das COMO Cordeillan-Bages. In Kooperation mit der Familie Cazes entsteht in einem historischen Anwesen in Pauillac ein neues Luxusdomizil, das Design von Paola Navone mit exklusivem Zugang zur Welt der Bordeaux-Weine kombiniert.

Eine aktuelle Treugast-Analyse am Beispiel Ruhpolding untersucht die Auswirkungen von Hotelneueröffnungen auf Feriendestinationen. Die Ergebnisse belegen, wie kapazitätsstarke Leitbetriebe das Nachfragewachstum nachhaltig fördern und bestehende Angebotslücken schließen können.

Mit der Eröffnung von 27 neuen Hotels hat Marriott International im Jahr 2025 die Marke von 200 Häusern in der DACH-Region überschritten. Das Wachstum wird maßgeblich durch Konvertierungen in allen Segmenten getrieben.

Mit der Eröffnung des Adagio Access Nanterre baut Adagio die Kapazitäten im Großraum Paris weiter aus. Das neue Haus mit 132 Apartments in direkter Nähe zum Geschäftsviertel La Défense zielt primär auf Geschäftsreisende und Langzeitgäste ab.

Booking Holdings verzeichnet ein über den Erwartungen liegendes Wachstum bei den Bruttobuchungen und passt die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr nach oben an. Zudem investiert der Konzern verstärkt in Technologie und Marketing.

Die Accor-Gruppe schließt das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlichen Gewinnplus ab und übertrifft die eigenen Finanzziele. Während die Lifestyle-Sparte zweistellig wächst, normalisiert sich das Geschäft auf dem deutschen Markt nach einer Schwächephase wieder.

Die Hotelgruppe Dormero expandiert weiter auf dem österreichischen Markt und übernimmt das bisherige Amedia Hotel Wels. Das Haus am Welser Stadtplatz, das vielen noch unter dem Namen Kremsmünsterer Hof bekannt ist, war zuvor Teil der Amedia Hotel GmbH. Diese gehört zur Revo Hotelgruppe und befindet sich derzeit in einem Insolvenzverfahren.

Ein 20-jähriger Hacker hat das Online-Bezahlsystem von Reiseportalen ausgetrickst und Luxus-Suiten für nur einen Cent gemietet. Die Flucht in den Luxus endete für den jungen Spanier schließlich im Madrider Hotel Ritz – auch wegen seiner eigenen Mitteilsamkeit in den sozialen Medien.

Die Revitalisierung des traditionsreichen Dom-Hotels in Köln nimmt weiterhin mehr Zeit in Anspruch als zuletzt geplant. Inzwischen wird die baubehördliche Abnahme des Objekts am Roncalliplatz erst im zweiten Quartal 2026 erwartet. Ursprünglich war eine Eröffnung für Ende 2023 anvisiert worden war.

Das Seehotel Niedernberg reagiert auf wachsende Gästezahlen und eröffnet in der renovierten Orangerie ein zweites Restaurant. Mit Fokus auf Menü-Gäste und verbesserter Akustik schafft das Haus zusätzliche Kapazitäten und mehr Flexibilität für den operativen Betrieb.