Treugast-Analyse: Hotel-Neueröffnungen als Wachstumsmotor für Feriendestinationen

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Kapazitätsausweitungen in Hotelmärkten lösen häufig Bedenken hinsichtlich Angebotsüberhängen und steigendem Preisdruck aus. Eine aktuelle Analyse am Beispiel der Gemeinde Ruhpolding zeigt jedoch, dass neue Hotelprojekte in Destinationen mit hohem touristischem Potenzial als entscheidender Wachstumsmotor fungieren können. Die Untersuchung identifiziert dabei vier zentrale Erfolgsfaktoren, die für eine positive Marktentwicklung in der Ferienhotellerie maßgeblich sind.

Strukturelle Voraussetzungen für den Markterfolg

Die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Region wird zunächst durch das natürliche Angebot bestimmt. Unbeeinflussbare Faktoren wie Gebirgslandschaften, Seen oder das Prädikat als Kurort bilden hierfür die unverzichtbare Basis. Hinzu kommt eine touristisch geprägte Nachfrage, die sich durch eine hohe Tourismusintensität sowie eine positive Wachstumstendenz auszeichnet. Ebenso essenziell ist eine leistungsfähige Infrastruktur mit einem breiten Freizeitangebot, das von Bergbahnen über Radwegenetze bis hin zu Wellness-Einrichtungen reicht. Ein attraktives Hotelangebot mit innovationsstarken Leitbetrieben und überregionaler Strahlkraft stellt schließlich den vierten Faktor dar, um die vorhandenen Potenziale vollständig auszuschöpfen.

Fallstudie Ruhpolding: Dynamik durch Kapazitätssprung

Die Gemeinde Ruhpolding im Landkreis Traunstein verzeichnete über Jahre stagnierende Übernachtungszahlen, obwohl die natürliche Attraktivität und die Bekanntheit als Biathlon-Standort hoch waren. Die Ursache lag laut Analyse in einer strukturellen Angebotslücke, da der Markt primär durch kleinteilige, privatgeführte Betriebe mit einer durchschnittlichen Größe von 50 Betten geprägt war. Mit der Eröffnung des aja Ruhpolding im Mai 2019 erhöhte sich die Bettenkapazität schlagartig um 56 Prozent. Entgegen der Befürchtung einer Marktsättigung stieg die Zahl der Übernachtungen noch im selben Jahr um 67 Prozent an. Die durchschnittliche Auslastung des gesamten Standorts verbesserte sich zeitgleich um 3 Prozentpunkte. Trotz der Pandemiejahre hat sich das Übernachtungsvolumen im Zeitraum von 2015 bis 2024 insgesamt mehr als verdoppelt.
 

Übertragbarkeit auf weitere Ferienregionen

Die Beobachtungen aus Ruhpolding lassen sich auch in anderen deutschen Destinationen bestätigen. In Dinkelsbühl führte die Eröffnung des Meiser Design Hotels im Jahr 2019 zu einem Nachfrageplus von 37 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau. Ähnliche Effekte zeigten sich in Scharbeutz nach dem Markteintritt des Bayside Hotels mit einem Zuwachs von 32 Prozent an Nachfrage im Folgejahr sowie in Oberhof durch die Eröffnung des Familux Resorts, das ein Nachfragewachstum von 15 Prozent generierte. Diese Beispiele verdeutlichen, dass kapazitätsstarke Hotelprodukte eine angebotsinduzierte Nachfrage auslösen können, die weit über das bisherige Marktniveau hinausgeht.

Zukünftige Entwicklungen am Standort Ruhpolding

Aufgrund der positiven Dynamik wird in Ruhpolding derzeit ein weiteres Großprojekt vorangetrieben. Für das Hotel am Kurpark hat die Gemeinde ein Konzeptvergabeverfahren für eine rund 10.000 Quadratmeter große Teilfläche des gemeindeeigenen Kurparks gestartet. Das Grundstück soll zu einem Fixpreis von 340 Euro pro Quadratmeter an einen Investor vergeben werden. Ziel der Gemeinde ist die Ansiedlung eines hochwertigen, ortsbezogenen Hotelangebots, um die touristische Qualität der Destination weiter zu steigern und zusätzliche Zielgruppen zu erschließen. Für Investoren und Kommunen verdeutlicht die Analyse, dass Hotelneuentwicklungen in infrastrukturell gut aufgestellten Regionen keine Gefahr für Bestandsbetriebe darstellen müssen, sofern sie als Leitbetriebe fungieren und bisher ungenutzte Nachfragepotenziale aktivieren.


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