Österreichische Hotelvereinigung beschwert sich über Booking.com bei der EU-Kommission

| Hotellerie Hotellerie

Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) hat bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen Booking.com eingelegt. Der Verband wirft der Plattform vor, mit mehreren Geschäftspraktiken gegen Pflichten aus dem Digital Markets Act (DMA) zu verstoßen. Die ÖHV regt an, dass die Kommission einen Nichteinhaltungsbeschluss erlässt und Booking.com zur Änderung seiner Geschäftsbedingungen verpflichtet.

Booking.com wurde im Mai 2024 als sogenannter Gatekeeper für die Vermittlung von Unterkünften eingestuft. Die Beschwerde betrifft nach Angaben der ÖHV Klauseln, die Mitgliedsbetriebe ausdrücklich beanstandet hätten.

Die ÖHV beanstandet Preisnachlässe und bezahlte Platzierungen bei Booking.com

Nach Darstellung des Verbandes erlauben die Geschäftsbedingungen Booking.com, Zimmerpreise auf eigene Kosten zu senken, ohne die Hotels zu informieren oder um Zustimmung zu fragen. Die ÖHV sieht darin eine Beeinträchtigung der Preisgestaltung der Betriebe. Sie verweist auf die European Hotel Distribution Study 2026: 80 Prozent der von solchen Preisunterbietungen betroffenen Hotels hätten ihnen nicht zugestimmt.

Ein weiterer Beschwerdepunkt betrifft die Platzierung von Hotels in den Suchergebnissen. Die Höhe der Provision könne laut den Geschäftsbedingungen das Ranking beeinflussen; zudem gebe es Programme, bei denen Hotels für bessere Platzierungen mehr zahlten, führt die ÖHV aus. Seit Juli 2026 werde der Genius-Rabatt allen Reisenden angezeigt. Hotels, die nicht teilnähmen, erschienen dadurch nach Ansicht des Verbandes teurer.

Der Verband kritisiert Zahlungsgebühren, Stornos und mögliche Hotelsperren ohne Vorwarnung

Booking.com könne Kosten der Zahlungsabwicklung nach Darstellung der ÖHV ohne Obergrenze an Hotels weiterverrechnen. Der Verband beanstandet außerdem, dass eine Aufschlüsselung und ein Prüfrecht fehlten. Laut der angeführten Studie nutzen 65 Prozent der Hotels in Europa Booking.com Payments.

Die ÖHV macht zudem geltend, dass in der Praxis Buchungen storniert oder Preisnachlässe gewährt würden, ohne die Hotels zuvor zu fragen, obwohl die Geschäftsbedingungen deren Zustimmung vorsähen. Die Studie beziffert die Stornoquote bei Booking.com-Buchungen auf 19,0 Prozent. Bei Buchungen über Hotelwebsites liege sie bei 9,1 Prozent.

Schließlich verweist der Verband auf 17 Gründe in den Geschäftsbedingungen, die Booking.com nach seiner Darstellung erlaubten, ein Hotel sofort und ohne vorherige Mahnung zu sperren. Die ÖHV kritisiert darunter allgemein formulierte Gründe sowie das Fehlen einer Möglichkeit zur Stellungnahme.

Die ÖHV fordert Änderungen an fünf Praktiken von Booking.com

Die ÖHV verlangt unter anderem, Preisnachlässe und Stornos nur mit dokumentierter Zustimmung des Hotels vorzunehmen und Zahlungsgebühren vorab offenzulegen. Booking.com solle außerdem die Gewichtung seiner Rankingfaktoren einschließlich kommerzieller Parameter offenlegen und Hotels vor einer Sperre eine Frist zur Stellungnahme einräumen. Die österreichische Bundesregierung ruft der Verband dazu auf, die Beschwerde auf europäischer Ebene zu unterstützen.

Zur Marktstellung verweist die ÖHV auf die European Hotel Distribution Study 2026. Demnach entfielen in Österreich 73,9 Prozent der Buchungen über Online-Plattformen auf Booking Holdings, gegenüber 68,8 Prozent im EU-Durchschnitt. Die Studie basiert nach Angaben des Verbandes auf Angaben von 2.713 Hotels aus 28 Ländern für das Jahr 2025.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Hotelgruppe Mangias Hotels und Resorts hat an der Südostküste Siziliens das Iconas Costa Ragusa Resort eröffnet. Dabei handelt es sich um das erste Anwesen der neu eingeführten Luxusmarke Iconas Collection.

Seekda hat einen Sicherheitsvorfall in seinen Systemen bestätigt. Der ORF berichtet über betrügerische Nachrichten an Hotelgäste, während die Österreichische Hotelvereinigung von ersten Meldungen seit Ende Juli berichtet und Hotels Informationen zum Umgang mit Datenverlusten bereitstellt.

Das erst Anfang Mai eröffnete Holiday Inn – the niu Quay im Harburger Binnenhafen soll nach Medienberichten rund 340 Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen. Politiker aus CDU, SPD und FDP kritisieren die geplante Nutzung und fordern Aufklärung über Beteiligung und Kosten.

Hitzewellen beeinflussen nach Beobachtungen von HotellerieSuisse das Buchungsverhalten. Während Gäste kurzfristiger Aufenthalte in den Bergen buchen, berichtet ein Basler Hotel von Stornierungen an besonders heißen Tagen und investiert in die Kühlung seines Gebäudes.

IHA-Chef Markus Luthe kritisiert Aussagen von Booking-Chef Glenn Fogel zu den früheren Preisparitätsklauseln. Anlass ist ein Handelsblatt-Interview vor dem Hintergrund einer in Amsterdam anhängigen Sammelklage von 10.783 Hotels.

Anzeige

Der raue Ton, für den die Hotellerie lange bekannt war, funktioniert heute nicht mehr: Führung muss neu gedacht werden, um Mitarbeiter langfristig zu halten und ihnen einen Purpose zu geben, sagt Bernhard Patter, Geschäftsführer der diavendo GmbH. Im Gespräch mit Host Oliver Meyer gibt er in der neuen Folge des HotelPartner-Podcasts „AUSGEBUCHT!“ Tipps, wie Hoteliers mit guter Führung ihre Bottom Line aufbessern.

Google startet Hotelbuchungen direkt im KI-Modus seiner Suche. Zum Start in den USA sind unter anderem Booking.com, Expedia, Hilton, IHG und Marriott eingebunden. Nutzer können Hotels im KI-Modus auswählen und die Buchung über Google Pay abschließen. Inzwischen sind auch weitere Einzelheiten zu Ranking, Werbung, Datenweitergabe und technischer Anbindung bekannt.

Thüringens Übernachtungszahlen sind im ersten Halbjahr 2026 nahezu stabil geblieben. Während Hotels mehr Übernachtungen verzeichneten, gingen die Zahlen bei Gasthöfen, Pensionen und Campingplätzen zurück.

Berlin hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 13,6 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Das waren 2,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, während die Zahl der Gäste aus Deutschland um 1,8 Prozent stieg.

Rund 2,5 Millionen Gäste und 6,3 Millionen Übernachtungen hat Brandenburg im ersten Halbjahr 2026 registriert. Landesweit gingen die Zahlen leicht zurück, während einzelne Reiseregionen und Städte Zuwächse verzeichneten.