Phishing-Mail zu Bettwanzen setzt Hotels unter Druck

| Hotellerie Hotellerie

Eine täuschend echt gestaltete Phishing-Mail mit dem Betreff „Bettwanzenbefall – Fristsetzung zur Schadensregulierung“ hat in einem Hotelunternehmen zunächst einen glaubwürdigen Eindruck hinterlassen. Marco Nußbaum, Inhaber der Hiamo-Hotels und Vorstand des Hotelverbands Deutschland (IHA), warnt deshalb die Branche in einem Linkedin-Post vor einer neuen Betrugsmasche, die gezielt mit dem Reputationsrisiko Bettwanzen arbeitet. 

Angebliche Schadensforderung löst sofortige interne Prüfungen im Hotel aus

Nach Schilderung von Nußbaum sei die E-Mail professionell aufgebaut gewesen. Sie habe einen angeblichen Bettwanzenbefall in einem Hotelzimmer beschrieben, auf Beweisfotos verwiesen, Schadensersatz verlangt und erklärt, ein Rechtsanwalt sei bereits eingeschaltet worden. Zugleich habe der Absender eine kurzfristige Entscheidung gefordert und weiteren rechtlichen Schritten gedroht. 

Die Nachricht habe im Unternehmen zunächst die erwartete Wirkung erzielt. Nach Angaben von Nußbaum seien umgehend Zimmer überprüft, interne Abläufe hinterfragt und Mitarbeiter informiert worden. Erst bei der genaueren Kontrolle sei aufgefallen, dass das in der E-Mail genannte Zimmer 721 im betroffenen Hotel gar nicht existiere. Dadurch habe sich der Verdacht bestätigt, dass es sich um eine Spam- beziehungsweise Phishing-Mail handele. 

Mail kombiniert Bettwanzenvorwurf mit Anwalt und kurzer Reaktionsfrist

Die E-Mail trägt den Betreff „Bettwanzenbefall – Fristsetzung zur Schadensregulierung“. Im Text behauptet der angebliche Gast, während seines Aufenthalts Opfer eines Bettwanzenbefalls geworden zu sein. Er erklärt, die Wanzen sowie deren Spuren fotografiert zu haben und verlangt eine finanzielle Entschädigung einschließlich der Kosten für eine medizinische Behandlung und die Reinigung seiner Kleidung.

Zugleich heißt es, die Rezeption habe den Vorfall als Einzelfall abgetan und keine gründliche Desinfektion veranlasst. Der Absender erklärt außerdem, bereits einen Rechtsanwalt kontaktiert zu haben, und fordert das Hotel auf, seine Entscheidung „umgehend“ mitzuteilen. Als Zimmernummer wird 721 angegeben, der Aufenthalt soll vom 1. bis 3. Juli 2026 stattgefunden haben. Die E-Mail enthält zudem ein extern eingebundenes Bild als angeblichen Beleg.

Nußbaum ruft Hotels zu besonderer Aufmerksamkeit auf

Nach Einschätzung von Nußbaum würden derartige Nachrichten immer professioneller gestaltet. Sie spielten mit Emotionen, erzeugten Zeitdruck und zielten darauf ab, Empfänger zum unüberlegten Öffnen von Links oder Anhängen zu bewegen. Gerade im hektischen Hotelalltag könne dies schnell passieren. 

Er empfiehlt deshalb, verdächtige Nachrichten sorgfältig zu prüfen, sich nicht von Fristen oder Drohungen unter Druck setzen zu lassen, Links und Anhänge nicht unüberlegt zu öffnen, Angaben zunächst intern zu verifizieren und Mitarbeiter regelmäßig für entsprechende Betrugsversuche zu sensibilisieren. „Cyberkriminalität wird immer intelligenter. Unsere Aufmerksamkeit muss schneller wachsen als die Methoden der Betrüger“, schreibt Nußbaum. 


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Nach dem verheerenden Großbrand von 2021 ist der Badische Hof in Baden-Baden zurück. Aroundtown hat das Traditionshotel wiederaufgebaut, Leonardo Hotels übernimmt den Betrieb – mit einem Pachtvertrag über 20 Jahre.

Meininger Hotels plant für das zweite Quartal 2029 die Eröffnung eines zweiten Standorts am Kölner Barbarossaplatz. Durch die Umnutzung eines Bürogebäudes entstehen 305 Zimmer und rund 1.100 Betten für unterschiedliche Gästegruppen.

Hyatt und Coporgest haben Verträge für das neue Park Hyatt Comporta unterzeichnet, das 2029 in Portugal eröffnen soll. Die Anlage umfasst 58 Zimmer, mehrere Villen und Serviced Residenzen nahe Lissabon.

Der Unternehmer und Hoteleigentümer Klaus-Michael Kühne ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Neben seinem Engagement bei Kühne+Nagel, Hapag-Lloyd und Lufthansa stand er mit seiner Frau Christine hinter den Hotels The Fontenay in Hamburg und Castell Son Claret auf Mallorca.

Die Villa Florhof in Zürich ist nach zweieinhalbjähriger Bauzeit als erstes Lalique Boutique Hotel neu eröffnet worden. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 15. Jahrhundert bietet 13 Zimmer, Gastronomieflächen und historische Ausstattungsmerkmale.

Die Privathotels Dr. Lohbeck verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoumsatz von 54 Millionen Euro.Treiber des Wachstums sind Inlandsreisen in Deutschland und Österreich sowie eine Gesamtauslastung von 60 Prozent.

Der GaultMillau prämiert das Appenzeller Huus in Gonten als Hotel des Jahres 2027. Neben einer ausgezeichneten Gastronomie unter Michael Gollenz umfasst der Hotelkomplex umfangreiche Weinkeller und einen spezialisierten Wellnessbereich.

Der Tourismus in Hamburg hat im ersten Halbjahr geringfügig zugelegt. Die Zahl der Übernachtungen stieg um 0,5 Prozent auf 7,76 Millionen. Wachstumstreiber ist der deutsche Markt.

Die DQuadrat Living GmbH übernimmt das Intercity Hotel am Hauptbahnhof Bonn und führt den Betrieb als Mercure Hotel Bonn City Center weiter. Das bestehende Personal wird übernommen, zudem sind schrittweise Renovierungsarbeiten geplant.

Auf Mallorca eröffnet 2026 The Völkers House von Christian und Ninon Völkers. Das 28 Hektar große Country Estate umfasst 15 Suiten, ein Restaurant, einen Spa sowie ein Equestrian Centre mit Poloplatz.