„Scherben unserer Existenz“ - Ministerpräsident Günther besucht Hotel Hafen Flensburg nach Sturmflut

| Hotellerie Hotellerie

Rund 30 Stunden hat die Sturmflut an der Ostseeküste gewütet und die Existenz vieler Menschen einfach weggespült. Besonders bitter für die Betroffenen, sie haben nicht nur Hab und Gut verloren und müssen alles mühsam wieder aufbauen, sie erhalten auch keinerlei finanziellen Ausgleich. Denn Versicherungen bieten in dieser Region keine Policen zur Absicherung gegen Naturgewalten wie eine Sturmflut.

Das Hotel Hafen Flensburg hat es besonders schlimm erwischt, einen Eindruck der Zerstörung durch die Sturmflut machte sich am Dienstag. Ministerpräsident Daniel Günther vor Ort und hörte sich die Erwartungen von Hotelgeschäftsführerin  Kirsten Herrmann für ihr Haus und andere Betroffene an: Finanzielle Unterstützung, rasche Hilfe und wirkungsvolle Prävention sind jetzt am wichtigsten. Kirsten Herrmann hat das Wohl aller Betroffenen im Auge und kann ein wenig aufatmen, als der Ministerpräsident deutliche Signale für unbürokratische Unterstützung gibt.

Eigentlich liegt das Hotel idyllisch am historischen Hafen der Fördestadt, doch genau diese Lage wurde ihm zum Verhängnis: Wind und Wasser drückten in das enge Hafenbecken und brachten es zum Überlaufen. Dagegen konnten auch die hoteleigenen Schotten, Spundwände und Pumpen nichts ausrichten, die Hotelcrew hat bis zur Entkräftung rund um die Uhr Wasser geschöpft und auch die Feuerwehr konnte nur noch Schlimmeres verhindern. „Der Einsatz der Feuerwehr und die Freundlichkeit der Menschen in höheren Lagen, die uns mit Essen, heißen Getränken und helfenden Händen unterstützt haben, macht mich glücklich. Und zum Glück kam kein Mensch zu Schaden. Aber das dritte Mal in knapp sechs Jahren seit Eröffnung so schlimm von einer Sturmflut getroffen worden zu sein, lässt mich fast verzweifeln. In 2017 stand der Pegel bei 1,76 Meter über Normal, diesmal bei 2,27 Meter, die nächste Sturmflut kommt bestimmt“, schildert Kirsten Herrmann, Geschäftsführerin des Hotel Hafen Flensburg, ihre gemischten Gefühle. Vor wenigen Wochen hat sie im Hotel mit Umweltminister Tobias Goldschmidt eine Ausstellung eröffnet, in der es um die Gefahren durch den steigenden Meeresspiegel und Sturmfluten ging. Nun sei die Politik gefragt, schnell mit konkreter Hilfe zu handeln und zugleich Maßnahmen zur Prävention umzusetzen.

Hotelchefin Kirsten Herrmann wünscht für alle Betroffenen, ebenso wie für ihr Hotel und ihr Team, finanzielle Unterstützung durch die Politik in Form von unbürokratischen Notfallhilfen, Prävention durch Land, Kreis und Stadt nach internationalen Vorbildern wie ausfahrbare Kaimauern oder Stecksysteme und Ausgleichbecken, Vergünstigte Wiederaufbaukredite und die Möglichkeit für Kurzarbeitergeld, die von Ministerpräsident Günther informell in Aussicht gestellt wird.

Nach der schweren Flut ist das Hotel bis mindestens Ende November nicht bewohnbar und für Gäste geschlossen, die Hotelcrew bei Aufräumarbeiten eingebunden. Kirsten Herrmann begutachtet mit Experten die Schäden, die im Erdgeschoss besonders schlimm sind. Die Böden im Restaurant und im Backoffice müssen ersetzt werden, die Möbel aus dem Erdgeschoss konnten in Sicherheit gebracht werden, anders sieht es bei fest verbautem Interieur und den Wänden aus, wie lange das Trocknen dauere, könne man noch nicht sagen, es wurden allein 100 Kernbohrungen für Estrichtrockner angesetzt. Absehbar ist, dass der Schaden in die Millionenhöhe gehe. Doch daran mag die Hotelkapitänin heute noch nicht denken: „Wir gehen einen Schritt nach dem anderen und ich bin entschlossen, ihn einmal mehr zusammen mit der gesamten Hotelcrew zu gehen.“

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die MHP Hotel AG plant die Eröffnung eines neuen Hotels der Autograph Collection in Düsseldorf. Das neue Hotel soll bis zum Jahr 2029 in einem historischen Gebäudeensemble an der Kasernenstraße nahe der Königsallee realisiert werden.

Ein Jahr nach dem Markteintritt in der Schweiz zieht das Mama Shelter Zurich eine erste Bilanz. Gefeiert wird das Jubiläum veranstaltet am 1. August mit einem Brunch und einer Abendveranstaltung auf der Dachterrasse.

Swissôtel hat den Modedesigner Peet Dullaert als ersten Preisträger des New Crafts Awards bekannt gegeben. Die neue Auszeichnung entsteht aus einer Partnerschaft zwischen Accor und der Fédération de la Haute Couture et de la Mode.

Im Investorenprozess der insolventen Revo Hospitality Group nennen die Sanierer erstmals mehrere Unternehmen, die Hotels aus dem Portfolio übernehmen sollen. Neben bereits bekannten Transaktionen werden unter anderem Prism, Israel Canada Hotels, Leonardo Hotels und B&B Hotels genannt. Ein weiterer Investor bleibt vorerst ungenannt.

Accor plant einen deutlichen Ausbau seines Hotelgeschäfts in China. Der Konzern will die Zahl seiner Häuser in den kommenden fünf bis sechs Jahren auf 1.600 erhöhen und setzt dabei auf neue Luxusprojekte sowie den Ausbau bestehender Partnerschaften.

Der deutsche Hotelinvestmentmarkt hat im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben von Colliers ein Transaktionsvolumen von rund 625 Millionen Euro erreicht. Investoren richten ihren Blick dabei zunehmend auf die Qualität der Betreiber und die Ausgestaltung der Vertragsstrukturen.

Townscape hat die Baugenehmigung für ein Serviced-Apartment-Projekt in Berlin-Kreuzberg erhalten. Die numa group steht bereits als Mieter fest. Geplant sind 114 Serviced Apartments sowie Gewerbe- und Co-Working-Flächen. Die Fertigstellung ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen.

Die geplante Übernahme der britisch-niederländischen Hotelgruppe PPHE Hotel Group durch die israelische Fattal Hotel Group ist gescheitert. Grund ist der Widerstand des größten PPHE-Aktionärs Euro Plaza Holdings. Das teilte PPHE im Rahmen seines laufenden strategischen Prüfprozesses mit.

Die Hotelmarke Ruby expandiert mit der Eröffnung des Ruby Frida nach Stockholm. Das neue Haus im Stadtteil Kungsholmen setzt auf ein von den 1960er Jahren inspiriertes Designkonzept.

Deutschlands Beherbergungsbetriebe haben im Mai 2026 insgesamt 49,2 Millionen Übernachtungen verbucht. Der Zuwachs von 3,8 Prozent wurde von Gästen aus dem Inland getragen, während die Auslandsnachfrage leicht zurückging.