Sommersaison Österreich 2022 – Starke Krisenresilienz der Ferienhotellerie

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Das erste Mal in diesem Jahr konnte Österreich an das gewohnte touristische Wachstum von vor Ausbruch der Corona Pandemie anschließen. Die Sommersaison gipfelte mit dem diesjährigen erfolgreichsten Monat August mit etwa 20,7 Millionen Übernachtungen und einer Steigerung im Vergleich zu 2019 von 2,3 Prozent seit Beginn der Pandemie.

Die betrachtete Periode von Mai bis August ist die übernachutngsstärkste Periode seit Beginn der Pandemie und verfehlte nur knapp das Nächtigungsniveau von 2019 (-2 Prozent; -1,2 Mil. Übernachtungen). Der Flughafen Wien vermeldete im August ebenfalls einen sehr erfreulichen Passagieranstieg von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Somit ist das Passagierankommen des wichtigsten Flughafens in Österreich bei knapp 90 Prozent des Vorkrisenniveaus angelangt (insbesondere das Langstreckengeschäft ist noch hinter dem 2019er Niveau). Das Zunehmen der ausländischen Gäste ist klar als Trend im Jahr 2022 zu erkennen. Während die wiederentdeckte Sommerfrische der Österreicher in den vergangenen Corona-Jahren eine wichtige Auslastungsbasis darstellte, verbrachten viele Österreicher den Sommerurlaub 2022 wieder im Ausland.

Starke Performance der Ferienhotellerie - Gewinner und Verlierer im Überblick

Im Bundesländervergleich zeigt sich die Covid-Erholung in Wien besonders schleppend. Trotz des kontinuierlichen Nächtigungszuwachses seit Anfang dieses Jahres, konnte die Bundeshauptstadt die Nachfragelücke zum Vorcorona-Niveau noch nicht schließen. Ein Verlust zu 2019 von 22,2 Prozent der Übernachtungen wird in Wien im stärksten Reisemonat verzeichnet, dies entspricht etwa 400.000 Übernachtungen. Auch Niederösterreich und das Burgenland zählen in der Volumenbetrachtung zu den Verlierern gegenüber 2019.

Alle anderen Bundesländer konnten das Nachfrageniveau aus dem Jahr 2019 erreichen oder übertreffen. Klarer Gewinner der Statistik ist der Westen Österreichs, welcher überdurchschnittlich hohe Steigerungsraten verzeichnete, angeführt von Tirol und Vorarlberg mit etwa 8 Prozent im Sommermonat August im Vegleich zu 2019. Der Sommer 2022 verlief weitestgehend besser als 2019, aber der starke Nachfragedruck des österreichischen Marktes konnte nicht aufrechterhalten werden. Die gezeigte Krisenresilienz der Ferienprodukte zeigt sich daher auch in diesem Sommer.

Asiatischer und russischer Gast bleibt aus

Die top drei Herkunftsmärkte 2022 werden vom Nachbarland Deutschland angeführt, mit knapp 35 Prozent aller verzeichneten Übernachtungen (ca. 40 Mil. Übernachtungen), gefolgt vom Heimatmarkt Österreich mit 27 Prozent (27,8 Mil. Übernachtungen) und den Niederlanden mit 8 Prozent (8,5 Mil. Übernachtungen).

Der asiatische Reisemarkt befindet sich - in Bezug auf Auslandsreisen - noch immer im Tiefschlaf. Das dramatische Ausmaß der fehlenden asiatischen Gäste ist besonders in Wien zu beobachten – Rückgang von 92 Prozent der chinesischen Gäste, Taiwan 90 Prozent und Japan 86 Prozent (ggü. 2019). Diese starken Rückgänge sind auf die Zero Covid Policy und Quarantäne bei Rückkehr in China sowie erhöhte Flugkosten für Reisende aus Japan zurückzuführen. Der Russland-Ukraine Konflikt spiegelt sich ebenfalls im Rückgang der Übernachtungszahlen der russischen Gäste in Wien wider. Im August wurden 80 Prozent weniger russische Gäste als vor dem Corona-Ausbruch verzeichnet. Der amerikanische Quellmarkt hingegen hat durch den aktuellen Wechselkurs zwischen USD und EUR einen Vorteil bei der Reise nach Österreich.

Ausblick Wintersaison – Kostenfall und Konsumeinbruch?

Die Hotel- und Gastronomiebetriebe in Österreich verzeichnen im Wirtschaftsleistungsvergleich noch immer den größten Aufholbedarf zu allen anderen Branchen in Österreich. Das Austrian Recovery Barometer zeigt im zweiten Quartal des Jahres den Rückstand von 18,5 Prozent ggü. dem Vergleichszeitraum 2019 an und somit ist die Branche immer noch Schlusslicht.

Weiterhin besteht die Sorge der Touristiker über den bevorstehenden schwächeren Wintertourismus in Österreich. Die Vielzahl an Krisen und makroökonomischen Auswirkungen der Corona Pandemie, die Inflation sowie der Ukraine-Krieg haben starke Auswirkungen auf die touristische Entwicklung des bevorstehenden Winters, aber auch auf die kommenden Jahre. Eine mögliche bevorstehende Energieknappheit, Kostensteigerungen, ein Wirtschafts- und Konsumrückgang gepaart mit hoher Inflation stellen die aktuell größten Herausforderungen der österreichischen Hotellerie dar.

Die Mechanismen der Geldpolitik verringert den Konsum der Gesellschaft weiter. Hotelprodukte sind je nach Positionierung davon unterschiedlich stark betroffen. Luxusprodukte verzeichnen, so wie es derzeit bei vielen Betrieben aussieht, keinen Nachfrageverlust. Mittelkasse Hotels, im Segment der klassischen „Viersterne Hotels“, werden in kommenden Monaten möglicherweise Nachfrageverluste verspüren. Weiters sind Hotels mit einem hohen Vertragsgeschäft (Reiseveranstalter, Corporate Verträge) besonders vom Wertverlust und den Kostensteigerungen betroffen, da diese häufig ihre Verkaufspreise unterjährig nicht ändern können. Neben dem freizeit-touristischen Gast wird auch der Business-Gast weniger verreisen.

Die Wirtschaftssituation lässt auch Unternehmen weiter sparen (insbesondere bei Dienstreisen, Fortbildung, Seminare etc. zu merken). Die Strom- und Gaspreise lassen die Hoteliers und Liftbetreiber fürchten und können Einschränkungen in den operativen Betrieben und Angebot auslösen. Eine besondere Bedrohung stellen Teilschließungen dar. Der Betrieb von energieintensiven Beschneiungsanlagen oder etwa Wellnessbereiche in Hotels wird kritisch hinterfragt.

Profitabilität der Branche weiter schwindend

Die Preissteigerungen der Energiekosten, steigende Nahrungsmittelpreise, Personalengpässe und Kostenerhöhungen lassen die Gewinne von Hotelbetreibern auf ein Minimum schrumpfen. Um die steigenden Kosten abfedern zu können und um 2019-er Werte zu erreichen, müssten Zimmerpreissteigerungen oder Auslastungssteigerungen von über 20% erzielt werden. Nach Bereinigung der aktuellen Verkaufsraten am Markt ist derzeit zu erkennen, dass die Preise flächendeckend nicht ausreichend angehoben werden konnten, um die Gewinnmargen von 2019 zu halten.


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