Stuttgart beschließt Einführung einer Übernachtungssteuer ab Juli 2026

| Hotellerie Hotellerie

Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs schafft eine neue Einnahmequelle für den städtischen Haushalt. Der Stuttgarter Gemeinderat hat am 26. Februar die Satzung für eine Übernachtungssteuer verabschiedet, die zum 1. Juli 2026 in Kraft treten wird. Betroffen von der neuen Abgabe sind sowohl die klassische Hotellerie als auch private Beherbergungsbetriebe, die ihre Zimmer über Online-Plattformen vermitteln.

Pauschaler Steuersatz und digitale Abwicklung

Die Stadt legt einen pauschalen Betrag von drei Euro pro Person und Übernachtung fest. Als Steuerschuldner fungieren die Betreiber der jeweiligen Unterkünfte. Um den administrativen Aufwand gering zu halten, erfolgt die Abrechnung vollständig digital auf quartalsweiser Basis. Bestimmte Personengruppen sind von der Zahlungspflicht ausgenommen: So sind Minderjährige sowie Schülergruppen von der Steuer befreit.

Bürgermeister Thomas Fuhrmann, zuständig für Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen, betont die angestrebte Effizienz der Maßnahme: „Wir setzen auf ein einfaches, transparentes und rechtssicheres Modell mit möglichst wenig Bürokratie – sowohl für die Betriebe als auch für die Verwaltung.“

Millionen-Einnahmen für den städtischen Haushalt

Die Finanzverwaltung der Stadt kalkuliert durch die neue Abgabe mit erheblichen Mehreinnahmen. Für das Rumpfjahr der Einführung 2026 werden rund fünf Millionen Euro erwartet. Ab dem ersten vollständigen Kalenderjahr 2027 prognostiziert die Stadt jährliche Einnahmen in Höhe von etwa zehn Millionen Euro.

„Mit der Übernachtungssteuer schaffen wir eine verlässliche Einnahmequelle für unsere Stadt. Diese Mittel fließen in den städtischen Haushalt und stärken die finanzielle Handlungsfähigkeit der Landeshauptstadt“, erklärt Fuhrmann zur Zielsetzung der Maßnahme.

Kritik an der zusätzlichen Kostenlast für Hotels

Nach Ansicht des Verbandes stellt der Beschluss eine Fehlentscheidung dar. Daniel Ohl, Sprecher des Dehoga-Landesverbandes, bezeichnete die Maßnahme als „bedauerlich und in der Sache kontraproduktiv“. Die Branche sieht sich vor der Herausforderung, die entstehenden Mehrkosten im Wettbewerb aufzufangen. Laut Ohl wird es „gerade im preissensiblen und für Stuttgart sehr wichtigen Tagungs- und Geschäftsreisetourismus kaum möglich sein, die Steuer über den Preis an die Übernachtungsgäste weiterzugeben.“

Rechtssicherheit und Überprüfung bis 2028

Die Entscheidung zur Einführung der Steuer geht auf einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats aus dem Jahr 2019 zurück. Die Umsetzung verzögerte sich jedoch aufgrund der Pandemie und ausstehender rechtlicher Klärungen. Laut Stadtverwaltung ist der jetzige Zeitpunkt gewählt, da sich die Übernachtungszahlen inzwischen stabilisiert haben.

Fuhrmann bezeichnet die Regelung als „maßvolle Lösung zum richtigen Zeitpunkt“ und führt weiter aus: „Mit der Übernachtungssteuer setzt Stuttgart auf eine maßvolle, rechtssichere und wirtschaftlich ausgewogene Lösung – mit klarer Perspektive für Stadt, Wirtschaft und Tourismus.“

Die Satzung sieht eine Wettbewerbsneutralität vor, da alle Beherbergungsformen gleichermaßen herangezogen werden. Eine erste Evaluation der Steuer ist bis Ende 2028 vorgesehen. In diesem Rahmen sollen die Höhe des Satzes sowie alternative Berechnungsmodelle und die weitere Ausgestaltung der Abgabe überprüft werden.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Frankfurt Marriott Airport Hotel und das Sheraton Frankfurt Airport Hotel erhalten eine direkte Anbindung an das neue Terminal 3 über die Sky Line-Bahn. Damit sind künftig alle Terminals und Bahnhöfe des Flughafens erreichbar.

Das Grandhotel Der Sonnenhof in Bad Wörishofen vollzieht eine strategische Neuausrichtung. Mit der Einführung einer "Genusspension" und neuen Zimmerkategorien reagiert das Haus auf veränderte Gästebedürfnisse und setzt verstärkt auf das Thema Longevity.

Die Hotelkette Premier Inn hat zwei neue Häuser in Hamburg und Berlin eröffnet und damit nach eigenen Angaben erstmals die Marke von mehr als 70 Hotels in Deutschland überschritten.

Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland haben im Februar 2026 insgesamt 27,7 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Das entspricht einem Anstieg von 3,3 Prozent im Vergleich zum Februar 2025, wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt.

Wyndham Hotels & Resorts arbeitet nach eigenen Angaben mit mehreren Anbietern von künstlicher Intelligenz zusammen, um die Direktbuchungen zu erhöhen. Wie das Unternehmen mitteilte, kooperiert Wyndham unter anderem mit Google, ChatGPT und Anthropic.

Am Ortsrand von Kopfing im Dreiländereck Österreich, Deutschland und Tschechien ist die Waldentdeckerwelt eröffnet worden. Teil des erweiterten Angebots ist ein Baumhotel mit 21 Baumhäusern. Die Anlage befindet sich im Sauwald und ergänzt den bestehenden Naturerlebnispark.

Die Hotelkooperation Akzent Hotels setzt künftig auf digitale Kundenbindung und Sprach-KI, um die Buchungsprozesse zu optimieren und das Personal zu entlasten. Zudem begrüßt der Verband mit dem Akzent Hotel Bavaria in Oldenburg ein neues Mitglied in seinen Reihen.

Der deutsche Hotelinvestmentmarkt verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen deutlichen Rückgang. Trotz steigender Betreiberinsolvenzen und hoher Betriebskosten bleibt das Interesse institutioneller Investoren aufgrund geringer Neubauaktivitäten laut Savills aber stabil.

Das Frankfurter Hotel The Florentin stellt seinen neuen, 1.000 Quadratmeter großen Wellnessbereich vor. Das Angebot umfasst neben einem Innenpool und Fitnessbereichen auch spezielle Mitgliedschaften für die Gäste.

BWH Hotels Central Europe hat im Jahr 2025 insgesamt 18 neue Hotels in ihre Gruppe aufgenommen und damit das Ergebnis des Vorjahres um 38 Prozent gesteigert. Für das laufende Jahr strebt BWH ein Wachstum in einer vergleichbaren Größenordnung an.