Thüringer Wald als internationale Bühne für den Tourismus

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Altenberg im Osterzgebirge mit seinen knapp 2.000 Einwohnern ist selbst auf den Jungferninseln, in Brasilien oder Nigeria bekannt - zumindest bei Sportlern, die in der sächsischen Kleinstadt trainieren. Der hiesige Eiskanal wird von so ziemlich allen Nationen genutzt, die auf dem Rennschlitten oder im Bob unterwegs sind. Auf der anspruchsvollen Bahn mit einer Gesamtlänge von gut 1.400 Metern werden Geschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometer pro Stunde erreicht. So rasant geht es nicht überall im Land zu.

In der kommenden Woche (12. bis 18. Januar) finden in Altenberg Weltcups im Bob und Skeleton statt. Beim letzten Weltcup vor den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo im Februar werden auch die Gesamtweltcup-Sieger feststehen. «Das macht den besonderen Reiz aus», sagt Jens Morgenstern, Chef der Wintersport Altenberg GmbH, die die Rennschlitten- und Bobbahn betreibt. Er rechnet mit mehreren Tausend Zuschauern. Altenberg hat schon Weltmeisterschaften erlebt, wo 25.000 Fans an die Eisrinne strömten.

Biathlon-Weltcup soll Tausende Besucher nach Oberhof locken 

Auch im benachbarten Freistaat Thüringen ist der Zuspruch für Wintersport groß. Hier haben in Oberhof die internationalen Wettbewerbe mit dem Weltcup im Biathlon bereits am Donnerstag begonnen - vorfristig, weil für den Auftakt am Freitag zu viel Wind vorausgesagt war. Noch im Januar folgen in Oberhof der FIS Weltcup im Langlauf und Wettkämpfe in der Nordischen Kombination und Rodel Weltcups. Der Spitzensport soll Tausende Besucher nach Oberhof und in den Thüringer Wald locken. 

Die Wettkämpfe mit internationaler Strahlkraft wecken nicht zuletzt bei der Tourismusbranche hohe Erwartungen - auch über die Zeit der Wettkämpfe hinaus. Denn ein Millionen-Publikum bei den TV-Übertragungen kann Bilder aus Oberhof und Altenberg als Anreiz für einen Besuch empfinden, heiß es. In Oberhof etwa wurde in den vergangenen Jahren vom Land Thüringen kräftig investiert - nicht nur in das Biathlonstadion oder die Rennschlittenbahn, sondern auch die Infrastruktur. Auch neue Hotels und Pensionen entstanden. 

Extra für die TV-Übertragungen produzierte Clips sThüringer Wald als internationale Bühne für den Tourismusollen auf den Thüringer Wald als Reiseziel hinweisen, sagte die Geschäftsführerin des Regionalverbundes Thüringer Wald, Antonia Sturm, der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist eine wichtige internationale Bühne für den Thüringer Wald. Diesen Werbewert könnten wir mit klassischen Marketingbudgets kaum erreichen.» 

Befragungen nach sportlichen Großereignissen hätten gezeigt, dass ein hoher Anteil der Gäste nach Oberhof zurückkehren wolle. Bei der Doppel-WM in Biathlon und Rennrodeln im Februar 2023 hätten 91 Prozent der Befragten angegeben, wiederkommen zu wollen. Die Auslastung der Hotels in der Region sei nicht nur bei Weltcups gut. Auch Ereignisse wie der Rennsteiglauf oder das Rudolstadt-Festival hielten den Tourismus am Laufen. 

Events lassen Kassen bei Hotels, Handel und Dienstleistern klingeln

Dabei steigern die Weltcups nicht nur die Bekanntheit der Wintersportzentren, sondern auch die Umsätze der Tourismusbranche. Geschäftsführerin Sturm schätzt für Oberhof, dass allein das kommende Wochenende mit dem Auftritt der Biathlon-Weltklasse einen Umsatz von 11,5 Millionen Euro für Hotels, Dienstleister und Handel bringt. 

Auch in Altenberg beleben die Sportveranstaltungen das Geschäft und die Auslastung der Beherbergungsstätten. «Beim Zusammentreffen von Winterwetter, Ferien und Sportveranstaltungen gehen wir an die 100 Prozent ran. Da wird es sehr schwer, noch ein Bett zu finden», sagt der Altenberger Hauptamtsleiter Marcel Reuter. 

Sportliche Großereignisse bringen Bewegung in den Tourismus

«Große Sportereignisse bringen Bewegung nach Sachsen – in die Städte, in die Regionen und in den Tourismus. Sie machen unser Land sichtbar, wecken Emotionen und laden Einheimische, Gäste aus Deutschland und der Welt ein, Sachsen neu zu entdecken», meint die sächsische Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU). Volle Hotels, lebendige Orte und begeisterte Besucher seien ein Beleg dafür, dass Sport begeistere und nachhaltige Impulse für Tourismus, Wirtschaft und das Image als herzlicher Gastgeber schaffe. 

Ähnlich sieht es Michael Geisler, Landrat im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Der Landkreis ist Eigentümer der Rennschlitten- und Bobbahn in Altenberg. «Sportliche Großveranstaltungen sind für unseren ländlich geprägten Landkreis ein wichtiger Faktor, um nachhaltig zur wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen. Durch diese bedeutenden Events wird unser Landkreis über die nationalen Grenzen hinaus sichtbar. Sie stärken den Tourismus, bringen Gäste in die Region, unterstützen Handel, Hotellerie und beleben die Gastronomie.»

Sportevents sind aber kein Selbstläufer

Dabei ist den Verantwortlichen klar, dass gute Noten für die Ausrichtung der Wettkämpfe kein Ruhekissen sind. «Nicht das Eventwochenende allein entscheide über den touristischen Erfolg», sagt Christoph Gösel, Geschäftsführer der Thüringer Tourismus GmbH. Großereignisse sorgten zwar für Aufmerksamkeit und Umsatz. Doch nachhaltige Effekte entstünden erst dann, wenn aus der Aufmerksamkeit konkrete Reiseentscheidungen entstehen und ganzjährig Angebote gebucht werden.» 

Millionen-Investitionen in die sportliche Infrastruktur

In Sachsen und Thüringen sieht man den Spitzensport als Aushängeschild für die Region. Das rechtfertige hohe Investitionen in die Infrastruktur, heiß es unisono. Sachsen hat dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in den vergangenen fünf Jahren 4,4 Millionen Euro für Investitionen am Eiskanal überwiesen. Weitere 15,4 Millionen sollen bis Ende 2032 folgen. 2024 wurde in Altenberg ein Leistungssportzentrum für Bob, Rodel, Skeleton und Biathlon eingeweiht - Kosten insgesamt 18,8 Millionen Euro. 

Events wie die Weltcups in Oberhof zeigen allerdings auch die Abhängigkeit von klimatischen Bedingungen. Zunehmend gehe es darum, ganzjährig nutzbare Angebote zu entwickeln, heißt es in Thüringen. Das gilt gleichermaßen für das Altenberg - auch wenn die Bobbahn keinen Schnee von oben braucht. Die hiesigen Kältemaschinen können die Bobahn selbst bei einer Außentemperatur bis 20 Grad Celsius vereisen. (dpa)


 

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