Ulm führt ab 2030 eine Bettensteuer von drei Euro ein

| Hotellerie Hotellerie

Der Ulmer Gemeinderat hat mit knapper Mehrheit die Einführung einer Bettensteuer ab 2030 beschlossen. Übernachtungsgäste sollen dann drei Euro pro Nacht zahlen. Das berichtet die Südwest Presse am 14. Oktober 2026. Entscheidend sei am Ende auch die Zustimmung von Oberbürgermeister Martin Ansbacher gewesen.

Damit fällt der vorgesehene Betrag niedriger aus als die Varianten, welche die Stadtverwaltung im Dezember 2025 vorgestellt hatte. Auch der Beginn war damals früher vorgesehen.

Stadt diskutierte zunächst höhere Beträge und einen früheren Beginn

Wie der SWR am 3. Dezember 2025 berichtete, hatte sich der Gemeinderat bereits im Juli desselben Jahres bei einer ersten Haushaltsberatung für eine Übernachtungssteuer ausgesprochen. Ansbacher habe damals erklärt, die Einnahmen seien bereits im neuen, zu diesem Zeitpunkt vorberatenen Haushalt eingeplant.

Bei einer Informationsveranstaltung am 2. Dezember 2025 habe die Stadtverwaltung zwei Varianten vorgestellt: einen Aufschlag von 5,5 Prozent auf den Übernachtungspreis oder eine Abgabe von 4,50 Euro pro Kopf und Nacht, die auch für Kinder gelten sollte. Als möglicher Beginn sei seinerzeit Juli 2026 genannt worden.

Die Stadt habe damals jährliche Nettoeinnahmen von rund vier Millionen Euro angestrebt. Der SWR nannte in diesem Zusammenhang rund 900.000 touristische und geschäftliche Übernachtungen pro Jahr.

Noch am 10. Oktober 2026 hatte Ulm TV berichtet, die Einführung sei offen. Für die angekündigte Abstimmung im Gemeinderat am 14. Oktober habe sich eine enge Mehrheitslage abgezeichnet. Ein Beginn erst 2030 sei als möglicher Kompromiss im Gespräch gewesen. Unter Berufung auf die Südwest Presse nannte Ulm TV mögliche Einnahmen von rund 2,4 Millionen Euro jährlich.

Dehoga und Hoteliers warnten vor Mehrkosten und Wettbewerbsnachteilen gegenüber Neu-Ulm

Der Dehoga habe die Pläne abgelehnt, berichtete der SWR im Dezember 2025. Die Kreisvorsitzende Karin Krings habe auf zusätzlichen Verwaltungsaufwand und Kosten für die Betriebe verwiesen. Auch bei einer digitalen Erhebung müssten Programme und Schnittstellen vorbereitet oder geschaffen werden.

Zudem hätten Hoteliers Nachteile gegenüber dem benachbarten Neu-Ulm befürchtet, wo keine entsprechende Steuer vorgesehen gewesen sei. Krings habe auf die Preisempfindlichkeit von Geschäftsreisenden und deren Unternehmen verwiesen. Dem damaligen SWR-Bericht zufolge entfielen 70 Prozent der Übernachtungen in Ulm auf Geschäftsreisende.

Auch Ulm TV berichtete am 10. Oktober 2026 von Widerstand aus der Beherbergungsbranche und der Wirtschaft. IHK und Hoteliers hätten vor Verwaltungsaufwand gewarnt und mögliche Ausweichbewegungen von Gästen nach Neu-Ulm angesprochen.

Tourismusgeschäftsführer sprach sich eher für eine Besteuerung der Übernachtungen aus

Der Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH, Wolfgang Dieterich, habe sich bei der Informationsveranstaltung im Dezember 2025 dagegen eher für eine Besteuerung ausgesprochen, berichtete der SWR. Damit würden auch Kleinbetriebe wie Ferienwohnungen und über Airbnb angebotene Wohnungen erfasst.

Dieterich habe darauf verwiesen, dass die Übernachtungszahlen in baden-württembergischen Städten mit einer Übernachtungssteuer nicht zurückgegangen seien. Zudem gebe es Statistiken und eine Studie, die zeigten, dass Gäste den Zusatzbetrag akzeptierten.

Der SWR berichtete außerdem über einen damals seit acht Jahren bestehenden Tourismusfonds, den Ulm und Neu-Ulm gemeinsam mit Hotels, Gaststätten und dem Handel gegründet hätten. Die freiwillige Abgabe würde mit Einführung einer Übernachtungssteuer wahrscheinlich wegfallen. Dadurch könne sich unter Umständen das Defizit der Touristikgesellschaft erhöhen.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Im August 2026 verbuchten die Beherbergungsbetriebe in Deutschland 58,7 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste. Wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilt, waren das 1,1Prozent weniger als im August 2025.

Die Betreibergesellschaft des ehemaligen Hotels Reichshof in Norden, das heute Tides Boutique Hotel heißt, hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nach Angaben von des Insolvenzverwalters werde der Hotel- und Gastronomiebetrieb uneingeschränkt fortgeführt.

Im Darknet werden nach Angaben der Lindner Hotels AG Daten angeboten, die mutmaßlich aus dem Cyberangriff vom 8. Juni 2026 stammen. Überprüfte Beispieldaten enthalten tatsächlich Daten aus den betroffenen Beständen; der genaue Umfang der Datenentwendung werde weiter untersucht.

Wenn die nächste Generation übernehmen soll, bringt das in familiengeführten Häusern immer auch Herausforderungen mit sich. Als Hotelier in dritter Generation kennt Thomas Walther vom Hotel Walther und Hotel Steinbock diese nur zu gut – und berichtet Oliver Meyer im HotelPartner-Podcast, wie der Generationenwechsel erfolgreich ablaufen kann und welche Rolle das Thema Führung dabei spielt.

Die MHP Hotel AG hat ein Rückkaufangebot für bis zu 4.403.530 Aktien zu je 1,35 Euro beschlossen. Die Annahmefrist läuft vom 13. Oktober bis zum 2. November 2026; die erworbenen Aktien sollen überwiegend eingezogen werden.

Leonardo Hotels Central Europe hat das neu positionierte Leonardo Hannover Medical Park offiziell eröffnet. Aus zwei zuvor getrennt betriebenen Hotels ist ein gemeinsames Haus mit 208 Zimmern entstanden. Zum Konzept gehört auch eine Kooperation mit Tui Blue.

Der deutsche Hotel-Investmentmarkt verzeichnet nach drei Quartalen 2026 mehr Transaktionen, obwohl das Investmentvolumen gegenüber dem Vorjahr gesunken ist. Vor allem kleinere Transaktionen prägen das Marktgeschehen.

Die Hotelbuchung beendet die Reiseplanung häufig nicht. Eine Untersuchung von McKinsey und Skift unter 1.015 US-Reisenden zeigt, dass viele Befragte anschließend weiter recherchieren, Preise beobachten oder alternative Angebote prüfen.

Das Mercure City in der Kölner Friesenstraße hat seinen Betrieb eingestellt. Der Kölner Stadt-Anzeiger nennt technische Mängel und hohe notwendige Investitionen in den Brandschutz als Gründe. Das Pullman-Hotel an der Helenenstraße soll Anfang Dezember 2026 vorerst schließen.

Nach ungewöhnlich vielen gemeldeten Fällen in Mecklenburg-Vorpommern warnt die NRW-Datenschutzbeauftragte vor Betrugsversuchen mit erbeuteten Buchungsdaten. Kriminelle verschicken Nachrichten, die vermeintlich von Unterkünften stammen, und fordern etwa zur Verifizierung von Kreditkartendaten auf.