Vom Nonnenseminar zum Skihotel – Warum „Bergbähnler“ in der Schweiz Hoteliers werden

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Das einstige Nonnenkloster und Sanatorium „Joseph’s House“ in Davos erfindet sich neu: Die Davos Klosters Mountains AG investiert 20 Millionen Franken in die Sanierung des künftigen Drei-Sterne-Superior-Hotels, das Weihnachten 2024 eröffnen soll. Im Interview spricht Vidal Schertenleib Davos Klosters Bergbahnen AG über das Projekt und sagt, warum Bergbahnbetreiber auch gute Gastgeber sein können.

Herr Schertenleib, waren Sie schon das erste Mal Skifahren?

Vidal Schertenleib: Nein, leider nicht. Wir haben derzeit so viele Bauprojekte am Laufen - am Berg wie auch im Tal - da komme ich schlicht nicht dazu. Ich freue mich aber sehr auf die anstehende Wintersaison.

Sie bauen ein ehemaliges Nonnenseminar zu einem Skihotel um? Wie kommt das?

Vidal Schertenleib: ie Liegenschaft ist über 120 Jahre alt und war baufällig. Insbesondere die Haustechnik war veraltet. Dennoch ist es ein wunderschönes Haus, sonnig am Hang gelegen und nah am Zentrum von Davos. Wir wollten diese guten Voraussetzungen nutzen, um etwas Spezielles zu kreieren.

Seit wann besitzen Sie das «Josephs’ House»? Wieso haben Sie die Liegenschaft erstanden?

Vidal Schertenleib: Das Haus gehört uns seit 2007. Die Davos Klosters Mountains betreiben nicht nur die Skigebiete in Davos und Klosters, sondern auch diverse Hotels - vom Gruppenhostel bis zum 4-Sterne-Superior-Hotel. Unser Ziel ist es, unseren Skigästen die für sie passende Unterkunft beziehungsweise ein attraktives Package bestehend aus Hotel und Skipass anzubieten.

Das «Josephs’ House» gilt als erhaltenswert. Was bedeutete dies für die Umbauarbeiten?

Vidal Schertenleib: Dass alles noch etwas aufwendiger und kostenintensiver war. Wir wollten den Charakter des Hauses allerdings auch nie verändern. Im Gegenteil: Das Haus soll bald wieder in seinem alten Glanz erstrahlen. Allein schon die Südfassade mit den wunderschön gedeckten Balkonen mit Sicht in die Davoser Bergwelt ist einzigartig.

Wenn Sie zurückblicken – was waren die grössten Herausforderungen bei diesem Bauprojekt? Welches waren die grössten «Überraschungen» beim Bauen?

Vidal Schertenleib: Einerseits war der Rückbau der alten Bausubstanz viel komplexer als erwartet. Früher hat man bei Sanierungen einfach eine neue Schicht auf die alte gesetzt. So ging häufig auch der Charakter des Hauses ein Stück verloren. Ebenfalls mit sehr viel Aufwand verbunden waren die statischen Ertüchtigungen. Schliesslich war die Bauzeit an sich extrem knapp. Wir hatten bloss 18 Monate Zeit dafür.

 

Was macht Sie besonders stolz?

Vidal Schertenleib: Dass wir im Herzen von Davos innert fünf Jahren zwei historische Hotels (neben dem «Joseph's House» auch das Nachbarshotel National) modernisieren und erweitern konnten. Dabei haben wir es geschafft, den Charme des ganzen Quartiers aufrechtzuerhalten.

An wen richtet sich das «Josephs House»?

Vidal Schertenleib: Das umgebaute Hotel «Joseph’s House» wird zur idealen Unterkunft für Paare, Firmen und Skifahrer. Mit dem Top-Skiraum, dem Shuttle zur Talstation Jakobshorn und dem Wellnessbereich ist die Unterkunft ideal für einen sportlichen Aufenthalt in Davos. Die neuen Seminarräume und die zahlreichen Zimmer machen das «Joseph’s House» aber auch zu einem attraktiven Standort für Firmenmeetings oder -events.

Wie sieht die Buchungslage für diesen Winter aus?

Vidal Schertenleib: Über alle Hotels weg erfreulich gut. Beim Joseph's House sind Prognosen aktuell noch schwierig, da der Fokus noch voll auf den Umbauarbeiten liegt. Die Eröffnung ist für den 26. Dezember geplant.

Sie besitzen mehrere Betriebe in Davos – und, wenn ich richtig informiert bin, die meisten Betten in Davos. Wieso investieren die Davos Klosters Bergbahnen in die Hotellerie?

Vidal Schertenleib: Wir wollen unseren Gästen alles aus einer Hand anbieten können. Dabei sollen sie wählen, ob sie ihren Aufenthalt in einem einfachen Gruppenhaus oder einem luxuriösen Hotelresort wie zum Beispiel dem Waldhuus verbringen möchten.

Provokativ gefragt: Wieso sind Bergbähnler bessere Hoteliers?

Vidal Schertenleib: Ich denke nicht, dass wir bessere Hoteliers sind. Was wir hingegen ganz ausgeprägt haben, ist ein klarer Fokus auf die Gäste. Wir bieten unseren Skigästen die passende Unterkunft mit den entsprechenden Servicedienstleistungen.

Hat sich Ihre Strategie der vertikalen Integration von Services bewährt?

Vidal Schertenleib: Ich glaube schon. Wir sind unabhängig, können unsere Strategie umsetzen und haben viele Stammgäste. Analysiert man andere Bergbahnbetreiber, geht das Geschäftsmodell immer mehr in Richtung vertikale Integration.

Was raten Sie anderen Kollegen aus der Bergbahnbranche?

Vidal Schertenleib: Die örtlichen Gegebenheiten sind von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Allgemeingültige Empfehlungen sind weder möglich noch sinnvoll. Ich glaube aber, dass es jede Unternehmung oder Destination hilft, eine klare Strategie und einen klaren Gästefokus zu haben.

Wie nutzen Sie Synergien zwischen den einzelnen Betrieben – zum Beispiel zwischen dem «Josephs’ House» und dem «National», das nur wenige Meter entfernt ist? Was bringt das Ihren Gästen konkret?

Vidal Schertenleib: Die zwei Hotels teilen sich die moderne Tiefgarage und sind über diese auch miteinander verbunden. Bei grösseren Gruppen- und Firmenanlässen stehen in den beiden Hotels zusammen über 130 Zimmer sowie diverse Infrastrukturräume zur Verfügung. Daneben ergeben sich für uns alle Hotelbetreiber Synergien in Vermarktung und Administration.

Zum Hotel Joseph's House

Ob für Ferien, Seminare, Events oder Auszeiten zu zweit – mit seinen neu renovierten71 komfortablen Zimmern garantiert das Hotel Joseph´s House einen erholsamen Aufenthalt. Entspannt nach einem erlebnisreichen Tag auf dem Berg an der Hotelbar, in dem erstklassigen Wellnessbereich oder bei einer Massage.

Zu den Mountain Hotels

Das Hotel Joseph's House ist Bestandteil der Hotelkette «Mountain Hotels». Egal, ob Skifahrer, Snowboarder, Biker, Wanderer, Familien oder Gruppen: In den mehr als 20 unterschiedlichen Unterkünften, vom Drei-Sterne-Superior-Hotel bis zum Berghostel, finden Alpinfreunde ihr passendes Bett in den Bergen. Fast alle Mountain Hotels liegen nahe der Davos Klosters Bergbahnen, und begeisterte Bergsportler sind im Winter wie im Sommer im Nu im hochalpinen Vergnügen. www.mountainhotels.ch 
 

Vidal Schertenleib ist 1987 geboren und in Davos aufgewachsen. Er hat das Sportgymnasium in Davos absolviert und anschliessend in Zürich und Luzern Wirtschaft studiert. Anschliessend hat er fünf Jahre in der Immobilien-Transaktionsabteilung einer internationalen Versicherungsgesellschaft gearbeitet. Seit 2012 ist er im Verwaltungsrat der Davos Klosters Bergbahnen AG und seit 2016 CEO.


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