Bierbrauer und Hopfenbauern stecken in der Klemme

| Industrie Industrie

Steigende Kosten, die nicht weitergegeben werden können, treiben Bierbrauer und Hopfenpflanzer in die Enge. Bei den Landwirten kommt noch eine miserable Ernte hinzu, wie Branchenvertreter am Montag in München sagten. Bei beiden drohe angesichts der schwierigen Lage ein Betriebesterben in den kommenden Jahren.

Er rechne damit, dass noch in diesem Jahr rund 4 bis 5 Prozent der Hopfen-Betriebe aufgeben, sagte Adolf Schapfl, Präsident des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer. Und die schwierige Lage werde noch einige Jahre andauern. Auf Dauer könnte es jeden fünften Betrieb treffen.

Bei den Brauern gibt es keine derartigen Zahlen, aber auch hier ist die Lage schlecht. Viele Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand, sagt Walter König. Er ist Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, betonte aber, dass die Lage bundesweit ähnlich sei. Eigentlich müssten die Brauer die Bierpreise um 2, 3 oder sogar 5 Euro pro Kasten anheben, sagte er. Doch das sei am Markt nicht durchsetzbar - unter anderem weil es deutliche Überkapazitäten und einen sinkenden Verbrauch gebe.

Der Bierabsatz in Deutschland sinkt seit Jahren tendenziell. Vergangenes Jahr ist er laut Statistischem Bundesamt um 2,2 Prozent zum Vorjahr auf rund 8,5 Milliarden Liter gefallen. Seit 1993 beträgt das Minus sogar fast ein Viertel (23,9 Prozent).

Erste Betriebe würden schon Kapazitäten reduzieren und Standorte schließen, sagte König. Auch ganze Brauereien müssten nach Hunderten Jahren aufgeben, berichtete er. Schon in der Corona-Krise habe man Ähnliches befürchtet, doch dann sei es nicht so schlimm gekommen, weil die Betriebe teilweise an die eigene Substanz gegangen seien. Doch jetzt sei man «am Ende der Substanz angekommen» und viele müssten die Entscheidung treffen, den Schlüssel umzudrehen und aufzuhören, statt noch mehr Schulden zu machen.

Bei den Hopfenbauern hat der trockene und heiße Sommer noch eine ausgesprochen schlechte Ernte in Deutschland verursacht. 34 406 Tonnen bedeuten einen Rückgang um 28 Prozent zum vergangenen Jahr. Das sorge für rund 88 Millionen Euro ausgebliebener Erträge, sagt Schapfl. Gleichzeitig gebe es wegen gestiegener Kosten - unter anderem bei Energie und Dünger - Mehrkosten von 46 Millionen Euro. Zusammen fehlen dieses Jahr also 134 Millionen Euro in den Kassen der Hopfenpflanzer - bei typischen Jahreserträgen von 300 Millionen Euro. «Das ist die Dramatik in der Sache», sagte Schapfl.

Den Hopfen teurer zu verkaufen, ist kaum möglich, denn meist gibt es lang laufende Verträge. Ein schwieriges Jahr könne man aushalten, vielleicht auch ein weiteres, sagte Schapfl. Aber er wisse nicht, ob die Pflanzer bis 2025 durchhalten - so lange laufen viele Verträge.

Der Anteil des Hopfens am Bierpreis ist gering. Um die 46 Millionen Euro Mehrkosten im laufenden Jahr aufzufangen, müsste ein Kasten rund 4 Cent teurer werden, sagt Schapfl. Doch die Brauer kämpften schon jetzt mit den auch bei ihnen gestiegenen Kosten. Dennoch signalisiert König gewisse Bereitschaft zu Gesprächen. Man müsse zusammenarbeiten, sagte er. Schließlich gelte ja auch: «Ohne Hopfen kein Bier.»

Hinter der schlechten Ernte sieht Schapfl den Klimawandel. Dagegen helfen sollen nach Ansicht der Hopfenbauern einerseits Bewässerung, bei der es aber häufig schwierig sei, Genehmigungen zu bekommen, und andererseits neue, klimaresistente Hopfensorten, die häufig auch noch mit weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen.

Bei letzteren warten die Hopfenbauern laut Schapfl vor allem auf die Bereitschaft der Brauer, sie auch einzusetzen. Doch eine Änderung bei den Zutaten ist nicht banal, wie Brauerbund-Geschäftsführer König erklärte. Man brauche Zeit und viele Tests. Das sei nicht nur ein Zeit- sondern auch ein Kostenfaktor. Aber auch beim Einsatz der neuen Sorten könne man davon ausgehen, «dass die Biere nicht über die Zeit ihren Charakter verändern» versicherte er. «Das ist dann Braukunst. Dafür haben wir Braumeister.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Vor genau 70 Jahren, im Jahr 1955, wurden auf der Anuga erstmals Tiefkühlprodukte für den deutschen Lebensmittelhandel präsentiert. Seitdem hat sich die Tiefkühlkost von einem Nischenprodukt zum Massenartikel entwickelt.

In wenigen Tagen ist es soweit: Am 15. Oktober 2025 öffnet das 370GRAD Pop-Up erstmals seine Türen in München. Von 13 bis 20 Uhr erwartet die Besucher in der Kustermann Eventlocation am Viktualienmarkt ein Tag voller Inspiration, Networking und frischer Ideen für die Hospitality.

Die PALUX AG, Hersteller von Großküchentechnik, hat das im Dezember 2024 eingeleitete Eigenverwaltungsverfahren abgeschlossen. Mit der Beendigung des gerichtlichen Verfahrens lässt die Gruppe die Insolvenz hinter sich und kann wieder eigenständig agieren.

Statt Geld gibt es bei Walder-Bräu Bier für die «Bürgeraktionäre»: Während die Bierbranche ächzt, hat eine kleine Brauerei in Oberschwaben ihren ganz eigenen Weg gefunden. Wie die kleine Brauerei mit einem ganz eigenen Modell überlebt.

Zum Weltvegetariertag rückt eine umstrittene Alternative in den Fokus: Fleisch, das nicht von Tieren stammt, sondern im Labor gezüchtet wird. Forschende sehen darin die einzige echte Chance auf Steak und Co. ohne Tierleid – doch Akzeptanz und Zulassung sind noch offen.

Pressemitteilung

Die Vorfreude ist groß: Vom 7. bis 11. Februar 2026 öffnet die INTERGASTRA, Leitmesse für Hotellerie und Gastronomie, auf der Messe Stuttgart wieder ihre Tore. Schon jetzt ist die Stimmung in der Branche voller Erwartung. Die INTERGASTRA 2026 wird schneller, digitaler und kompakter – mit noch mehr Live-Erlebnissen und Networking-Möglichkeiten.“

Neue YouGov-Daten belegen eine anhaltende Verschiebung im deutschen Biermarkt für den Heimkonsum. Während der Konsum alkoholhaltiger Biere weiter schrumpft, gewinnen alkoholfreie Alternativen massiv an Bedeutung. Das Wachstum in diesen Segmenten kann den Negativtrend im Gesamtmarkt jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Ungewöhnlich früh reife Trauben und dann langanhaltender Regen: Viele Winzer in den 13 deutschen Weinbaugebieten mussten sich in diesem Jahr beeilen. Das Deutsche Weininstitut rechnet dennoch mit einem «tollen Weinjahrgang».

Großinvestment im kanadischen Gemeinschaftsverpflegungsmarkt: Mit einer 12-Millionen-Euro-Investition baut Apetito seine Produktionsstätte in Ottawa aus. Das Unternehmen ist mittlerweile in neun Ländern aktiv.

Bereits sechs Monate vor dem Start verzeichnet die Internorga 2026 eine starke Buchungslage. Über 90 Prozent der Ausstellungsfläche sind bereits belegt. Die Veranstaltung findet vom 13. bis 17. März in Hamburg statt.