«Die Dimension des Ausbruchs ist vergleichbar mit Ausbruchsgeschehen in Schlachtbetrieben im letzten Jahr und muss ausgesprochen ernst genommen werden», sagte ein Sprecher des Sozialministeriums in Hannover zu dem Fall. Entscheidend sei nun, dass alle Kontaktpersonen gefunden, benachrichtigt und unter Quarantäne gestellt werden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.
Wie das Unternehmen mitteilte, befinden sich aktuell 670 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Quarantäne - das seien alle Beschäftigte, die seit dem 25. Januar Zutritt zum Werkgelände hatten. 398 Mitarbeitende hatten ein negatives Testergebnis. Der gesamte Standort bleibe mindestens bis zum 26. Februar geschlossen. Darüber hinaus sollen alle Beschäftigten noch einmal getestet werden.
Über die Gründe des Corona-Massenausbruchs war zunächst nichts bekannt. «Der Gesundheitsdienst hat die Kontaktnachverfolgung aufgenommen», sagte der Stadtsprecher. Die Behörde sucht nun nach der Person, die das Virus ins Unternehmen gebracht hat.
Als Unternehmen der Lebensmittelbranche habe das Werk natürlich ein Hygienekonzept gehabt. Die Suche nach der Lücke, wo der Erreger in das Unternehmen hereinkam, werde sicherlich einige Tage in Anspruch nehmen, sagte der Sprecher. Nun ziele die Arbeit der Gesundheitbehörden darauf, das Ausbruchsgeschehen zu beschränken und zu begrenzen.
Nach Unternehmensangaben gilt in allen Abteilungen grundsätzlich eine Abstandspflicht von zwei Metern und eine allgemeine Maskenpflicht. Abstände zwischen Arbeitsbereichen seien vergrößert worden, die Belüftung optimiert, Arbeitsprozesse angepasst, um Menschengruppen zu vermeiden. FFP2-Masken stehen laut Froneri zur Verfügung. Schon seit Frühjahr 2020 sei mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden im Homeoffice gewesen.
Hinweise darauf, dass der Erreger aus anderen Unternehmensstandorten nach Osnabrück hineingetragen wurde, gebe es bislang nicht, betonte der Stadtsprecher. «Ein Zusammenhang mit der Zentrale des Unternehmens in Großbritannien kann derzeit nicht festgestellt werden», teilte Froneri dazu mit. Schon seit Monaten habe es keine Dienstreisen zwischen beiden Standorten gegeben.
Für die Region ist dieser Corona-Massenausbruch ein herber Rückschlag. In der vergangenen Woche sank der Sieben-Tage-Wert von Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner bereits auf unter 50. Stadt und Landkreis sahen sich auf einem guten Weg. Dieser Ausbruch werde mit Sicherheit zu einem spürbaren Anstieg der Inzidenzzahl führen, so der Stadtsprecher. Es sei gut möglich, dass die Inzidenzzahl sich wieder Richtung 100 bewege.
Ein besonderes Augenmerk legt die Stadt nun auf die Nachverfolgung, wie stark sich die britische Mutation in der Region verbreitet. Entsprechende Tests sollten ausgeweitet werden. «Wie verbreitet diese Corona-Variante ist, kann man im Moment nicht sagen, aber sie ist da.» Das Ansteckungsrisiko sei deutlich höher.
Das Land Niedersachsen kündigte dazu an, künftig flächendeckend bei möglichst jeder nachgewiesenen Corona-Infektion auf Virusvarianten testen zu wollen. Diese machten in einigen Teilen des Landes wie etwa der Region Hannover inzwischen 40 Prozent der Infektionsfälle aus, sagte der Chef des Corona-Krisenstabes des Landes, Heiger Scholz. Das sei einer der Gründe für die hohe Inzidenz in der Region Hannover, wo der Wert am Dienstag bei 106,7 lag. Landesweit liege der Anteil der Varianten an den Infektionsfällen bei zehn Prozent, sagte Scholz.
Im vergangenen Mai hatten sich in einem Schweine-Zerlegebetrieb in Dissen bei Osnabrück insgesamt 146 Mitarbeiter infiziert. Im Oktober gab es in einem Tönnies-Schlachthof im emsländischen Sögel 112 Corona-Infektionen. Im vergangenen Dezember wurden in einem Amazon-Verteilzentrum in Garbsen 125 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. (dpa)
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