Bayerns Brauer klagen über fitnessorientierten Zeitgeist

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Bayerns Brauereien kämpfen mit der schwierigsten Lage seit Jahrzehnten: Sowohl der Bierkonsum im Inland als auch die Exporte sind 2025 eingebrochen. Die Einbußen waren noch höher als während der Corona-Pandemie, wie Brauerbunds-Präsident Georg Schneider in München sagte. Der gesamte Bierabsatz der bayerischen Brauer in In- und Ausland schrumpfte demnach um über fünf Prozent auf 22,5 Millionen Hektoliter. Die Zahl der Brauereien in Bayern ist erstmals auf unter 600 gesunken. Schneider warf Gesundheitsbehörden, Ernährungswissenschaft und Politik einschließlich Staatsregierung vor, auch maßvollen Alkoholkonsum zu verteufeln. 

Brauer beklagen «Boykottaufruf» - Kritik an Gesundheitsministerin Gerlach

Deutschland habe das 2022 verkündete Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Reduzierung des Reinalkoholkonsums um zehn Prozent überschritten, sagte Schneider. «Und nichtsdestotrotz haut die Alkoholpolitik immer wieder auf das Thema.» Von der WHO schreibe die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ab. «Und auf die stützt sich dann wieder unsere bayerische Gesundheitsministerin, die Frau Gerlach, die am 1. Januar den "Dry January" verkündet», klagte der Chef der Münchner Brauerei Schneider Weisse. «Im Prinzip ist das ein Boykottaufruf für unsere Produkte, und meine Kollegen waren alles andere als amused.» Die Brauer unterstützten den Kampf gegen Alkoholmissbrauch. «Aber sich vor einem moderaten Konsum, vor einem lustvollen Genussansatz zu verschließen, das verstehe ich nicht mehr.» 

Ministerin: Auch moderater Konsum birgt Risiko

Gesundheitsministerin Judith Gerlach will weiter vor den Gefahren des Alkoholkonsums warnen: «Wissenschaftlern zufolge gibt es keine risikofreie Menge an Alkohol», sagte die CSU-Politikerin. Die Kritik des Brauerbundes komme ausgerechnet einen Tag nach dem Weltkrebstag. «Dabei haben Studien gezeigt, dass selbst moderater Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko auch für einige Krebs-Arten verbunden sein kann», sagte die Gesundheitsministerin. «Deshalb wird es von mir keine Verharmlosung von Alkohol geben.»

Bierdurst seit Jahrzehnten rückläufig 

Wie dramatisch die Lage für die Brauer ist, zeigt der Langfristvergleich: Trank die deutsche Bevölkerung 1990 pro Kopf im Schnitt noch knapp 143 Liter Bier pro Jahr, waren es 2024 bereits weniger als 90 Liter. Das ist so wenig wie zuletzt in der Nachkriegszeit, wie Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz sagte. Bayerns Brauer konnten die Inlandseinbußen zwar über viele Jahre durch höhere Ausfuhren in die restliche Welt weitgehend ausgleichen, doch mittlerweile schwächelt auch der Export.

Devise: nicht aufgeben

Brauerbunds-Präsident Schneider - der den ehrenamtlichen Posten in diesem Jahr nach zehn Jahren abgeben will - sieht die Branche aber nicht zum Untergang verurteilt. Sowohl regionale Biere als auch neue, nichtalkoholische Getränke bieten den überwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen demnach Chancen. «Wir haben es im Moment nicht leicht als Branche, aber wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen», sagte Schneider. (dpa)


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