Warum der weltgrößte Chemiekonzern einen Weinkeller betreibt

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37 Stufen führen hinab in eine andere Welt. Der Lärm der Stadt bleibt oben zurück, ebenso das Tageslicht. Unten, zwölf Meter unter der Erde, herrschen konstant zehn bis zwölf Grad Celsius. Ordentlich sortiert lagern Weinflaschen nach Herkunft und Jahrgang. «Da liegt Italien, da Spanien», sagt Bernhard Wolff und deutet auf gestapelte Kisten.

Dass der weltgrößte Chemiekonzern BASF in seinem Stammwerk in Ludwigshafen allerlei Kunststoffe hergestellt, ist bekannt. Wohl Wenige wissen, dass das Unternehmen auch über einen riesigen Weinkeller verfügt - und das schon seit 125 Jahren. 2026 feiert er Jubiläum.

Etwa eine Million Flaschen lagern hier. Vermutlich könnte Wolff zu jeder eine Geschichte erzählen. Seit 2014 leitet er den traditionsreichen Keller. Geboren 1963 in Neustadt an der Weinstraße, studierte er Volkswirtschaft in Karlsruhe. Seit 1999 arbeitet er für den Ludwigshafener Konzern. Heute führt er Besucher durch das unterirdische Archiv europäischer Genussgeschichte.

Wie alles begann

Der Keller entstand 1901. Damals war Wein Teil einer Unternehmenskultur, die Repräsentation und Gastlichkeit selbstverständlich verband. Wer im örtlichen Gesellschaftshaus speiste, kaufte den passenden Wein oft gleich mit. Dazu seien früher Zigarren verkauft worden, erzählt Unternehmenshistorikerin Isabella Blank-Elsbree. Vieles hat sich seitdem verändert. Der Keller blieb.

In den Regalen stehen Bordeaux neben Pfälzer Rieslingen. Es gibt Burgunder, Rioja, Champagner und Weine aus Übersee. Mehr als 2.000 verschiedene Tropfen sind im Sortiment. 25.000 Kunden werden beliefert, weltweit. «Wir verschaffen heimischen Weinen einen Auftritt dort, wo sie vielleicht nicht hinkommen würden», sagt Wolff.

Der Weinkeller ist eingebunden in die Gastronomie-Sparte des Unternehmens. Etwa 400 Menschen arbeiten dort, organisieren Veranstaltungen, Caterings und Empfänge. Im Weinkeller selbst kümmern sich 23 Mitarbeiter um Einkauf, Lagerung und Versand – darunter Sommeliers und Weinbauingenieure.

Warum es eigentlich nur zwei Weine gibt

Es ist ein Labyrinth der leisen Töne. Nur Schritte hallen über den Boden. Rund 100 Weine tragen ein exklusives Etikett des Unternehmens. Preise reichen von 4 bis zu 1.000 Euro pro Flasche. Doch Wolff spricht über Wein nicht wie über Luxus. «Es gibt nur zwei Weine: Die, die einem schmecken, und die, die einem nicht schmecken.» Umsatzzahlen will man nicht nennen.

Das Deutsche Weininstitut sieht den Keller als feste Größe im deutschen Weinfachhandel. «Man kann ihn ohne Zweifel als "big player" bezeichnen», sagte ein Sprecher in Bodenheim. Auch die Bayer AG in Leverkusen unterhalte einen kleineren, aber ähnlich exklusiven Keller mit Weinverkauf als Bestandteil ihres Kasinos. «Derartige öffentliche Weinhandlungen mit einer Anbindung an einen internationalen Konzern sind hierzulande aber die Ausnahme.»

Doch die Weinbranche steckt in schwierigen Zeiten. Der Konsum sinkt, viele Winzer klagen über Absatzprobleme. Auch in Ludwigshafen ist das Thema präsent. Doch Wolff möchte Besucher nicht abschrecken. «Wir wollen Barrieren niedrig halten.» Nicht jeder müsse etwas über Lagen oder Jahrgänge wissen.

Die Konjunktur gießt Wasser in den Wein

Vielleicht liegt darin das Geheimnis dieses Ortes. Er ist traditionsbewusst, aber nicht ehrfürchtig. Ein Keller voller Geschichten. Im sogenannten Petrusraum finden exklusive Verkostungen und Empfänge statt. Hier spricht man über Wein, Geschäfte und vermutlich auch über das Leben. Prominente aus Politik und Unterhaltung haben zahlreiche Flaschen signiert.

Zwölf Meter höher verändern sich die Zeiten spürbar. Das Unternehmen baut Stellen ab, trennt sich von Tausenden Werkswohnungen und ringt um neue Perspektiven. In Südchina hat der Chemieriese vor kurzem einen milliardenschweren Verbundstandort eröffnet. Hingegen handeln die Nachrichten aus der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz oft von Sparprogrammen und Strukturwandel. Trotz solch wirtschaftlich schwieriger Zeiten ist ein Ende des Weinkellers nach Konzernangaben aber nicht geplant.

Im Gegenteil: Das 125-jährige Bestehen soll gefeiert werden. Mit Veranstaltungen, Verkostungen und einem offenen Format im Feierabendhaus. Besucher können ausgewählte Weine probieren, dazu gibt es Essen und Gespräche. Vielleicht passt ein Satz von Wolff am besten zu diesem Ort. «Der Weinkeller», meint er, «ist die vielleicht schönste Nebensache der BASF.» (dpa)


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