Deutsche Brauereien ohne große Erwartungen an Fußball-WM

| Industrie Industrie

Ohne allzu große Erwartungen gehen die deutschen Brauereien in den Fußball-Sommer. Wenn bei der Fifa- Weltmeisterschaft in Nordamerika der Ball rollt, sei nicht automatisch mit mehr Bierabsatz zu rechnen, stellt der Deutsche Brauer-Bund nach ernüchternden Erfahrungen aus den vergangenen Jahren fest. 

Neben den ohnehin seit Jahren rückgängigen Bierverkäufen drückt das XXL-Format des Turniers die Stimmung, zumal viele Städte auf große Areale für das Public-Viewing verzichten. Gemeinsames Rudel-Gucken der deutschen Vorrundenspiele ab 19.00 oder 22.00 Uhr scheint daher in den meisten Orten nur in Kneipen, Sportlerheimen und Biergärten möglich. Die Bundesregierung hat den rechtlichen Rahmen gelockert und für die Außen-Gastronomie Ausnahmen von den strengen Lärmschutzregeln zugelassen. Die Umsetzung liegt aber bei den Behörden vor Ort. 

Bier läuft nicht mehr so

Im fünftgrößten Biermarkt der Welt stehen die alkoholhaltigen Sorten seit Jahren unter Druck. Selbst die Heim-Europameisterschaft mit vielen trinkfreudigen Fans aus den Gastländern konnte im Jahr 2024 den Absatz nicht retten. Im Vergleich zum bereits mauen Vorjahr ging der Inlandsverkauf noch einmal um 2,0 Prozent auf 6,8 Milliarden Liter zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im vergangenen Jahr ging es dann noch einmal um knapp 6 Prozent runter, der Abwärtstrend scheint so unaufhaltsam wie das Brauereisterben. 

Eine bierselige Sause wie beim Heim-Sommermärchen 2006 erwartet folglich niemand. «Aber natürlich ist ein Jahr mit WM besser als ein Jahr ohne WM», hält Niklas Other vom Getränke-Branchendienst «Inside» den Unkenrufen entgegen. Große Fußball-Turniere sorgten für «zusätzliche Konsumanlässe» und belebten die Nachfrage auch nach alkoholfreiem Bier, wie Brauerbund-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele feststellt. 

Das arbeitgebernahe Institut der Wirtschaft (IW) rechnet mit einem Mehrumsatz von rund 400 Millionen Euro - verteilt auf Gastronomie, Lebensmitteleinzelhandel, den Verkauf von Fanartikeln und Elektronik sowie Werbe- und Sponsoringerlöse. Der Gastronomie beschert die WM demnach rund 67,4 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen. «Wären alle Spiele um 19 Uhr angesetzt, läge dieser Wert bei knapp 103 Millionen Euro», sagt IW-Ökonom Marc Scheufen. Ein Trost: Zusätzliche Streaming-Kosten fallen für Wirte mit bestehenden TV-Abos nicht an, wie die Deutsche Telekom versichert. 

Grundlage der IW-Berechnungen ist ein Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Achtelfinale. Sollten die Männer von Bundestrainer Julian Nagelsmann ins Finale einziehen und gar eine Euphorie auslösen, dürften die Effekte deutlich höher ausfallen. Bei den beiden vorangegangenen WM-Turnieren in Russland und Katar kam die DFB-Elf allerdings nicht über die Vorrunde hinaus. 

WM meist auf dem Sofa

Bislang ist von Fieber bei einem Turnier wenig zu spüren, das sich für viele Fans auf dem heimischen Sofa abspielen dürfte. Die westfälische Großbrauerei Veltins verzeichnet nach Angaben eines Sprechers bislang kaum zusätzliche Bestellungen durch den Handel. «Im Grunde haben wir an die WM wenig Erwartungen», sagt er. Grund sei auch die schlechte Konsumstimmung. «Die Leute halten ihr Geld zusammen.»

Die größten Hoffnungen der Brauer liegen im Einzelhandel. Veltins plant Sonderaufbauten und Drive-In-Angebote, wo freundliche Helfer die Bierkisten ins Auto wuchten. Viele kleinere Brauereien sparen sich hingegen die Extra-Werbung am Verkaufspunkt, berichtet Experte Other. Fußball-Kampagnen mit Give-Aways wie WM-Gläsern, Kühltaschen oder Ähnlichem hätten stark nachgelassen. 

DFB-Partner sieht Chancen

Eine Ausnahme ist die Bitburger-Brauerei aus der Eifel, seit 2025 wieder der offizielle Bierpartner des Deutschen Fußball-Bunds. «So eine WM ist eine große Plattform mit vielen Emotionen», sagt Vertriebschef Sebastian Ellies. «Fußball und Bier gehen da gut zusammen. Zunehmend auch mit den alkoholfreien Sorten, die bei uns schon deutlich mehr als 10 Prozent des Absatzes ausmachen und weiterhin stark wachsen.»

Doch auch für den DFB-Partner wachsen die Umsatzerwartungen nicht in den Himmel: Hatte Bitburger 2024 noch durch die Exklusivbelieferung der Fanmeilen ein lukratives Extra, ist die aktuelle WM logistisch vergleichbar mit einem größeren Feiertag, sagt Ellies. Mit einem Umsatzplus von 5 Prozent im Inland wäre man daher zufrieden. Eine Ausnahme bildet der wichtigste Bitburger-Auslandsmarkt USA, wo man zur WM in den Großstädten und Spielorten präsent sei. Auch wenn in den Stadien allein der Fifa-Partner Anheuser-Busch (Budweiser) ausschenken darf: «In den USA rechnen wir über das Gesamtjahr mit einer Umsatzsteigerung zwischen 10 und 12 Prozent.» (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Pressemitteilung

Die Fachmesse für Wein am 28. Februar und 1. März 2027 in der Messe Karlsruhe wirft ihre Schatten voraus: Interessierte haben noch bis 31. Juli 2026 die Gelegenheit, bei ihrer Anmeldung als Ausstellende von Frühbucher-Konditionen zu profitieren. Zudem sind ab sofort die EUROVINO Classrooms als neues Programmformat der EUROVINO 2027 buchbar genauso wie das EUROVINO Discover Programm. 

Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss hat seine Jahrespublikation veröffentlicht. Der Dachverband der deutschen Messewirtschaft bilanziert darin, welche Entwicklungen die Branche aktuell prägen und welche Herausforderungen und Chancen die Zukunft bestimmen.

Der ehemalige BrewDog-Mitgründer James Watt strebt einen Rückkauf des Unternehmens von Tilray Brands an, stößt jedoch auf deutliche Ablehnung beim aktuellen Eigentümer.

Wie jeden Sommer steht der Italo-Drink mit seinem leuchtenden Orange wieder überall auf den Tischen. Allerdings ist in den Gläsern nicht immer das Original. Jetzt geht der Mutterkonzern dagegen vor.

Handarbeit statt Maschinen: Für Frankens Steillagen-Winzer gibt’s bald mehr Geld. Doch reicht das, wenn immer mehr Betriebe aufgeben und der Markt schrumpft?

Nach der gescheiterten Rettung will die insolvente Brauerei Eichbaum die noch vorhandenen Aufträge bis Ende September abwickeln. Der Betrieb solle mit einem kleinen Abwicklungsteam geordnet auslaufen, heißt es in einer Mitteilung des Mannheimer Unternehmens. 

Das Deutsche Weininstitut registriert einen anhaltenden Trend zu trockenen Weinen. Gleichzeitig nimmt der Anteil von Rotweinen weiter ab, während die Menge der qualitätsgeprüften Weine im Jahr 2025 zurückging.

Die Brauwirtschaft gerät tiefer in die Krise: Der Bierkonsum in Deutschland geht 2026 weiter zurück. Das hat Auswirkungen auf das Sortiment im Handel und die Preise. Insolvenzen, Schließungen und Verkäufe von Brauereien werden an immer mehr Standorten ein Thema. 

Anzeige

Steigende Energiepreise, anhaltender Kostendruck und höhere Anforderungen an Nachhaltigkeit verändern die Rahmenbedingungen für Gastronomie, Hotellerie und Lebensmittelhandel. Gleichzeitig rücken technische Bereiche stärker in den Fokus, die lange Zeit vor allem als notwendige Infrastruktur betrachtet wurden. Dazu gehört die gewerbliche Kühltechnik.

Alkoholfreies Bier hat in Deutschland weitere Marktanteile gewonnen. Die größeren Brauereien produzierten 2025 rund 616 Millionen Liter, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Das waren 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.