Bierdurst lässt nach - 1,4 Milliarden Liter weniger gebraut

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(Von Christof Rührmair, dpa)

Weltweit wird weniger Bier getrunken. Die globale Produktion sank vergangenes Jahr um 1,4 Milliarden Liter, wie aus einer Analyse des weltgrößten Hopfenhändlers BarthHaas aus Nürnberg hervorgeht. Das entspricht einem Rückgang um 0,7 Prozent auf 189,6 Milliarden Liter. Dabei beinhaltet der Wert bereits alkoholfreies Bier, das in einigen Teilen der Welt zuletzt an Bedeutung gewonnen hat.

«Insbesondere in vielen traditionellen Märkten stagniert oder sinkt der Bierkonsum, während alkoholfreie und -arme Getränke an Bedeutung gewinnen», sagte Thomas Raiser, Geschäftsführer von BarthHaas. 

Den prozentual größten Produktionsrückgang gab es in Australien und Ozeanien, wo es um 2,4 Prozent nach unten ging. Dort wird mit 1,8 Milliarden Litern aber auch nur ein kleiner Bruchteil des weltweiten Bieres gebraut. 

Der Norden liegt im Minus

Doch auch bei den Schwergewichten sank der Ausstoß: in Europa um 1,6 Prozent auf 51 Milliarden Liter. Hier drückten insbesondere Rückgänge in Deutschland und Polen auf die Zahlen. Die Bundesrepublik konnte mit einem Minus von knapp 6 Prozent auf 7,9 Milliarden Litern dennoch Rang sechs der größten Bierproduzenten halten - hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und Russland.

In Asien sank der Ausstoß um 1,2 Prozent auf 59 Milliarden Liter. Ein Anstieg in Indien wurde durch Rückgänge in China, Vietnam, Japan, Südkorea und Myanmar mehr als ausgeglichen. China bleibt dennoch mit weitem Abstand größter Bierproduzent der Welt mit einem Anteil von mehr als einem Sechstel.

In den USA geht es heftig nach unten

Nordamerika verzeichnete mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 34 Milliarden Liter ebenfalls einen deutlichen Rückgang. Dass alleine in den USA fast eine Milliarde Liter auf nun noch gut 17 Milliarden Liter wegfiel, konnte auch durch einen deutlichen Anstieg in Mexiko auf knapp 15 Milliarden Liter nicht ausgeglichen werden. 

In Südamerika ging es dagegen um 1,7 Prozent auf 25 Milliarden Liter nach oben, hauptsächlich dank Brasilien, das auf gut 15 Milliarden Liter zulegte. Noch stärker stieg die Produktion in Afrika mit einem Plus um 2,6 Prozent auf knapp 17 Milliarden Liter.

Weniger Hopfen - und dennoch zu viel

Beim weltweiten Hopfenanbau ist Deutschland derzeit sowohl bei der Anbaufläche als auch der Erntemenge Nummer eins vor den USA. Weltweit geht es aber auch hier nach unten - und zwar noch schneller als beim Bier. So sank die weltweite Hopfenanbaufläche um 5,5 Prozent auf 52.660 Hektar. Die Erntemenge gab um 3,8 Prozent auf 109.188 Tonnen nach. Doch auch das ist nach Ansicht der Experten noch zu viel: «Die Produktion überstieg auch 2025 den Bedarf», sagte Experte Heinrich Meier von BarthHaas. 

Für das laufende Jahr erwartet BarthHaas kein Wachstum beim Bierausstoß: «Wir rechnen mit einer weitgehend gleichbleibenden, tendenziell etwas niedrigeren Produktion», sagte Geschäftsführer Raiser. «Wachstum in Afrika, Asien sowie Mittel- und Südamerika dürfte durch Rückgänge in Europa und Nordamerika aufgezehrt werden.» Auch für den Hopfenmarkt bleibe die Lage deshalb angespannt.

Schlechtere Aussichten in Deutschland

Für Deutschland sind die Aussichten noch schlechter. Bis Mai habe der Verlust im Vergleich zum Vorjahr «mehr als fünf Prozent betragen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, Holger Eichele, der «Rheinischen Post». Er warnt: «Tatsache ist, dass es die Branche weniger mit einer Absatzdelle als mit einer echten Zäsur zu tun hat, deren Ursachen vielfältig sind.» 

Als Gründe für die Entwicklung nannte er unter anderem ein «durch anhaltende politische Unsicherheit verursachtes negatives Konsumklima», die demografische Situation im Land sowie «Post-Pandemie-Effekte wie die anhaltende Krise der Gastronomie». Seit 2019 ist der deutsche Biermarkt laut Eichele um rund 18 Prozent geschrumpft.

Und das dürfte auch Auswirkungen auf die Brauereilandschaft in Deutschland haben: «Mit Blick auf die anhaltend hohen Produktionskosten und den Rückgang des Bierkonsums ist leider damit zu rechnen, dass die Anzahl der Brauereien in Deutschland weiter abnehmen wird.»

WM treibt Absatz teilweise

Immerhin der vergangene Monat lief aber offenbar teilweise besser - wohl auch wegen der Fußball-Weltmeisterschaft. So meldet mit Bitburger eine der größten deutschen Brauereien für den Juni ein Absatzplus von 28 Prozent. 

«Die WM hat im Juni für zusätzliche Dynamik gesorgt und gezeigt, welche Relevanz Fußball-Großereignisse weiterhin für unsere Marken und Absatzkanäle haben - auch bei einem frühen Ausscheiden der Nationalmannschaft», teilte der Geschäftsführer Vertrieb und Marketing, Sebastian Ellies, mit. 

Auf die gesamte Branche lassen sich die Zahlen aber nicht übertragen. Bitburger ist einer der Werbepartner der Nationalmannschaft. Die WM-Effekte dürften daher dort tendenziell höher sein.

Wie die Fußball-WM Bitburger beflügelt hat

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat Bitburger gute Geschäfte beschert. Im Juni habe die Biermarke im Handel ein Absatzplus von 28 Prozent erzielt, teilte die Bitburger Braugruppe mit. Im ersten Halbjahr legte der Absatz bei Bitburger demnach im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent zu.

«Die WM hat im Juni für zusätzliche Dynamik gesorgt und gezeigt, welche Relevanz Fußball-Großereignisse weiterhin für unsere Marken und Absatzkanäle haben – auch bei einem frühen Ausscheiden der Nationalmannschaft», teilte der Geschäftsführer Vertrieb und Marketing, Sebastian Ellies, mit. 

«Wir haben vor allem mit Bitburger klar von unserem starken Engagement rund um die Nationalmannschaft profitiert.» Der Absatz der gesamten Braugruppe liege in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf Vorjahresniveau und damit deutlich besser als der deutsche Biermarkt, der mit minus 5,1 Prozent rückläufig gewesen sei, hieß es aus Bitburg.

USA sind wichtiger Exportmarkt

Die Fußball-WM hat laut Unternehmen auch im Exportgeschäft in Nordamerika positive Effekte gehabt - vor allem rund um Austragungsorte wie New York. Bitburger habe in den Vereinigten Staaten erstmals mehr als 1.000 Fassbierkunden. Die USA blieben der größte und am schnell wachsende Exportmarkt der Braugruppe. Im ersten Halbjahr liege das Plus der Gruppe im Export bei drei Prozent.

Zur Bitburger Braugruppe gehören auch die Marken König Pilsener, Königsbacher, Köstritzer, Licher, Nette und Kandi Malz. Außerdem gibt es eine Vertriebspartnerschaft mit der Benediktiner Weißbräu GmbH.


 

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