Historisches Tief bei Sommergerste: Was das für Bayerns Brauereien bedeutet

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Die Anbaufläche für Sommergerste in Bayern ist in diesem Jahr stark zurückgegangen - auf 73.273 Hektar nach 85.037 Hektar im Vorjahr. Sommergerste wird, sofern sie bestimmten Qualitätskriterien entspricht, als Braugerste verwendet. «Sommergerste hat stark an Bedeutung verloren. Nach einer leichten Erholung im letzten Jahr sank die Fläche heuer auf einen neuen historischen Tiefpunkt», schreibt die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Zum Vergleich: In den 1980er Jahren ernteten Bayerns Bauern noch auf mehr als 300.000 Hektar im Frühjahr ausgesäte Gerste.

Hoffnung auf Wintergerste

Ja, die Anbaufläche für klassische Sommergerste sei zurückgegangen, sagte Walter König, Geschäftsführer der Braugersten-Gemeinschaft. Aber Winterbraugerste gewinnt nach seinen Worten zunehmend an Bedeutung für die Mälzereien und Brauereien. Früher sei Winterbraugerste verpönt gewesen in der Branche, das habe sich aber geändert: Es seien inzwischen neue Sorten gezüchtet worden. Diese Gerste werde fest eingeplant und zugemischt. Die Saat für Wintergerste wird schon im Herbst ausgebracht.

Die aktuelle Erntebilanz fällt aufgrund der Trockenheit in weiten Teilen Bayerns schlecht aus. Wie das Landesamt für Statistik mitteilte, liegt die Erntemenge bei Sommergerste bei rund 0,37 Millionen Tonnen, das sind 22,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Anbaufläche ging im Vergleich zu 2025 lediglich um 13,8 Prozent zurück.

Man sei in der «glücklichen Situation», noch Überhänge aus dem Vorjahr zu haben, die bis in den Herbst hinein reichten, erläuterte König die Situation der Mälzereien und Brauereien. Die aktuelle Ernte müsse nicht sofort in die Produktion.

Auch alkoholfreies Bier braucht Malz

Der Bierabsatz in Bayern ist rückläufig, was aber nicht automatisch dazu führt, dass weniger Braugerste benötigt wird: Auch alkoholfreies Bier brauche schließlich Malz, erläuterte König.

Bayerische Mälzereien sind grundsätzlich auf Zukäufe angewiesen, etwa aus Thüringen. Die Braugersten-Gemeinschaft wirbt um den heimischen Anbau im Freistaat. Man lebe schließlich in unsicheren politischen Zeiten, sagte König. Lieferketten könnten wegbrechen, die Niedrigwasser-Situation habe gezeigt, wie anfällig die Logistik sein könne. Man unterstütze deshalb regionale Konzepte zum Braugerstenanbau.

Trotz der geringeren Erträge sei in diesem Jahr «gesunde Ware» angekommen, betonte der Experte. Es habe keinen «Krankheitsdruck» und auch keinen Pilzbefall gegeben. «Das mildert die niedrigen Erträge.»

Das sagt der Bauernverband

Entspricht die angebaute Gerste nicht bestimmten Qualitätskriterien, so kann sie nicht als Braugerste, sondern nur noch als Futtergetreide vermarktet werden - mit enormen Einbußen für den Landwirt. «Braugerste verlangt sehr viel vom Landwirt ab: Er verzichtet auf einen Teil der Düngung und damit auf einen Teil des Ertrags im Vergleich zum Anbau von Futtergerste. Dieser Ertragsverlust muss über einen Preisaufschlag für Braugerste ausgeglichen werden. Dies war in den vergangenen Jahren immer seltener der Fall», teilte der Bayerische Bauernverband (BBV) auf Anfrage mit. 

«Außerdem sind die Qualitätsanforderungen für Braugerste sehr hoch und damit das Risiko, Braugerste anzustreben und dann doch Futtergerste zu ernten.» Der Verband habe versucht, in Zusammenarbeit mit dem Mälzerbund das Risiko zu verringern, aber noch nicht alle Mälzereien würden den Standardvertrag umsetzen, hieß es weiter. «Der Hauptgrund für den Rückgang der Anbauflächen ist und bleibt aber am Ende dennoch der zu geringe Erzeugerpreis.»


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