Wie sich der Weinjahrgang 2022 in den deutschen Anbaugebieten pränsentiert

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Eine Auszeichnung ist dem 2022er Weinjahrgang jetzt schon sicher: Er gedieh im sonnigsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis er die Keller erreichte, erlebten Reben und Winzer jedoch stressige Zeiten. 

Der Monat September erwies sich dabei wie im Vorjahr als entscheidend für die Jahrgangsqualität. In diesem Jahr brachte er nach der Dürre den lang erhofften Regen. Denn die Weinbaugebiete hatten bis dahin nicht nur enorm viel Sonne erlebt, die Hitze wurde auch von einem drastischen Wassermangel begleitet, der die Böden mancherorts tief austrocknen ließ. Das machte vor allem Junganlagen zu schaffen.

Septemberregen sorgte für leichtere Weine

Im Gegensatz zum Vorjahr gab es zwar kaum Probleme mit dem Pflanzenschutz, was die ökologischen arbeitenden Winzer besonders freute. Der Septemberregen ließ die kleinen Beeren anschwellen, zugleich dämpfte er den Anstieg der Mostgewichte und verhinderte so, dass die Weine zu alkohollastig wurden. Die jungen Weine konnten sich ihre Fruchtigkeit bewahren und beeindrucken mit rebsortentypischen Aromen. Die Säure des 2022ers ist weniger ausgeprägt als im Vorjahr, weil sie in der Wärme schneller abgebaut wurde.

Besonders von der Sonne profitiert haben die Rotweine, die sehr farbintensiv sind, je nach Sorte leicht bis kräftig und vermutlich sehr lang lagerfähig. Die frischen und fruchtigen Weißweine wirken eher schlank, werden mitunter gar als „leichtfüßig“ bezeichnet und scheinen früh trinkreif zu werden.

Gute Erntemenge mit regionalen Unterschieden

Genug Wein liegt in den Kellern, wenn man die bundesweite Erntemenge betrachtet. Sie stieg im Vorjahresvergleich um geschätzte sechs Prozent auf 8.993.500 Hektoliter und läge damit um zwei Prozent über dem langjährigen Schnitt. Jedoch gibt es je nach Wasserverfügbarkeit, Rebsortenspiegel und Bodenbeschaffenheit große Unterschiede sowohl innerhalb der Weinregionen als auch untereinander.

Wie sich der aktuelle Weinjahrgang in den 13 Anbaugebieten entwickelt hat, hat das Deutsche Weininstitut (DWI) in Erfahrung gebracht.

Ahr (564 Hektar)

16 Monate nach der verheerenden Flut an der Ahr können die Winzer in „Deutschlands Rotweinparadies“ mit einer Erfolgsmeldung aufwarten. Trotz des Hitzesommers wird die aktuelle Erntemenge auf etwa 43 000 Hektoliter geschätzt - 13 Prozent mehr als im langjährigen Mittel und 39 Prozent mehr als im Vorjahr. Das sei ein „hervorragendes Ergebnis“, wenn man bedenke, dass wegen der Flutkatastrophe nach wie vor rund 40 Hektar Ertragsfläche fehlten, so Dr. Knut Schubert, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Ahr. Hauptgrund für das Plus: Im Vergleich zu anderen Regionen habe die Ahr das Glück gehabt, dass es im Juli und August vereinzelt geregnet habe. Nach einem regenarmen und vergleichsweise warmen Frühjahr begann Anfang September die Lese der frühen Sorten, rund zwei Wochen eher als 2021. Die Leitsorte Spätburgunder, die an der Ahr einen Anteil von 85 Prozent hat, konnte in der Lesephase Ende September und Anfang Oktober „bei zumeist sonnigem Altweibersommerwetter“ nochmals an Mostgewicht zulegen und kam im Schnitt auf 90 Grad Oechsle. Anders der Riesling, bei dem es nach Schuberts Angaben - gerade auf schweren Böden - Probleme mit „Stielfäule“ gab. Bei mittelfrühreifen Sorten wie dem Frühburgunder wurden bei überdurchschnittlichen Mengen gute und vereinzelt sogar hohe Qualitäten geerntet. Weinbaupräsident Hubert Pauly zeigt sich „sehr zufrieden“. Mengen und Qualitäten seien hervorragend, die Weine entwickelten sich vielversprechend in den Kellern. „Was wir auf jeden Fall erwarten, sind fruchtige Weine“, sagt Schubert. Nach seinen Angaben bedienen die Ahrwinzer auch in diesem Jahr die „steigende Nachfrage der Verbraucher nach leichten, helleren Weinen“. Etwa 30 Prozent des Spätburgunders werden für Blanc de Noir verwendet, den beliebten Weißwein aus roten Trauben. Die „klassische Position“ der Ahr, bleibe aber der Rotwein, so Schubert.

Baden (15.783 Hektar)

Dank gut verteilter Regenfälle ist Deutschlands südlichstes und wärmstes Weinbaugebiet Baden, „noch mit am besten“ durch den Hitzesommer gekommen. Die Niederschläge fielen nicht wie andernorts erst im September, sondern noch im August und begleiteten die mehrwöchige Lese, die auch von kühlen Temperaturen profitierte. Fazit: „Wir haben einen sowohl qualitativ als auch quantitativ guten Jahrgang im Keller“, sagt der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, Holger Klein. Etwa 1.350.000 Millionen Hektoliter Most wurden geerntet, 13 Prozent mehr als im langjährigen Schnitt und 50 Prozent mehr als im Vorjahr, in dem Fröste und Rebkrankheiten die Menge geschmälert hatten. „Noch Mitte August hätte keiner mit so einem Ertrag gerechnet“, erklärte Klein. „Der Jahrgang hat sich tatsächlich in den letzten Wochen vor der Lese noch einmal deutlich gedreht.“ Auch das in puncto Regen benachteiligte Nordbaden habe „kurz vor der Lese“ aufgeholt. Einbußen gab es in jungen Anlagen oder an Standorten mit leichten, sandigen Böden, in extrem trockenen Lagen wurde auch bewässert. Ein sehr gutes Jahr sei es für die Burgunder gewesen, sagt Klein, der auch von edelsüßen Spezialitäten berichtet. So seien Ende Oktober auch Beeren- und Trockenbeerenauslesen geerntet worden. Der Schwerpunkt werde allerdings eher im Kabinett- und Spätlesebereich liegen, „nicht so sehr in den höheren Prädikatsbereichen“. „Es wird auf jeden Fall ein etwas leichteres Jahr“, so der Geschäftsführer. Da die Mostgewichte wegen des Regens „nicht übers Ziel hinausgeschossen“ seien, erwarte man moderate Alkoholgehalte, was den Wein „vom Trinkfluss her“ zu einem sehr angenehmen Jahrgang mache, „auch die Säurewerte sind recht moderat“. Zudem rechne er „unter dem Strich auch mit einer guten Aromatik“.

Franken (6.174 Hektar)

In Franken bremsten nach einem vielversprechenden Vegetationsstart sechs trockene und heiße Wochen die Reben und machten mitunter Eingriffe in die Laubwände der Reben nötig. Gerade bei hochqualitativen Weinen habe viel weggeschnitten werden müssen, um entsprechende Ergebnisse zu erzielen, so Beate Leopold, Geschäftsführerin des Weinbaurings Franken. Kurz nach Lesebeginn im September wurde es kühler und regnete anhaltend, worauf viele Beeren noch mit einer „Versaftung“ reagierten. Positiv überrascht wurden die Winzer von der Erntemenge, die mit etwa 456.000 Hektoliter um sechs Prozent über dem langjährigen Mittel und um drei Prozent über dem Vorjahreswert lag. „Es gibt, so wie der Jahresverlauf war, nichts zu meckern“, sagt Hermann Mengler, Leiter der Fachberatung Kellerwirtschaft und Kellertechnik im Bezirk Unterfranken. Es sei kein perfekter, aber ein sehr guter Jahrgang – besser als 2021. Man habe gesunde Trauben geerntet und damit die - 3 - Voraussetzung für „blitzsaubere“ Weine mit einem guten Rebsortencharakter und guten Aromen. „Wir haben einen hervorragenden Rotweinjahrgang“, so Mengler. Die „Roten“, die einen Anbauanteil von 17,7 Prozent haben, hätten alles mitbekommen, was für einen „farbintensiven, rebsortencharakteristischen, gut von der reifen Tanninstruktur lebenden und profitierenden Rotwein“ nötig sei. Ihr Mostgewicht liege überwiegend zwischen 90 und 95 Grad Oechsle. Viele Weißweine kommen auf Werte zwischen 79 und 85 Grad. Sie seien „sehr leichtfüßig unterwegs, es ist ein Jahrgang, der einen offen umarmt und der keine große Lagerzeit braucht“, so Mengler. „Der sagt einfach: Hier bin ich, trink mich!“ Während der Silvaner, die Hauprebtsorte, laut Mengler gut mit dem Wetter klarkam, litt der Riesling im Regen, und beim Bacchus gab es Ausfälle bis zu 80 Prozent.

Hessische Bergstraße (462 Hektar)

Auch wenn es ein langer, heißer und trockener Sommer war: Für das kleinste deutsche Weinbaugebiet, die Hessische Bergstraße, endete er nass – und wegen der damit verbundenen Fäulnisgefahr auch mit der gebotenen Eile bei der Traubenlese. Als am 5. September rund um Heppenheim und Bensheim die Hauptlese für die frühen Sorten begann, hatten es die Winzer mit „gesunden, vollreifen Trauben und sehr befriedigenden Mostgewichten“ zu tun, wie der Vorsitzende des Weinbauverbands Hessische Bergstraße, Otto Guthier, berichtet. Im zweiten Septemberdrittel begann es jedoch heftig zu regnen, was vor allem bei kompakten Trauben eine zügige Ernte ratsam machte, da die prall gefüllten Beeren zu platzen drohten. So ging es für die Hauptsorte Riesling schon am 12. September los, Spätburgunder und Chardonnay folgten kurz darauf, der Grauburgunder wurde bereits seit dem 10. September geerntet. Obwohl Regen immer wieder die Lese erschwerte, konnten die Burgundersorten weitgehend gesund eingebracht werden und erreichten beim Grau- und Spätburgunder Mostgewichte von 93 bis 94 Grad Oechsle, der Chardonnay legte sogar noch ein Grad drauf. Der Riesling, dessen Lese wegen eines schwierigen Ablaufs bis zum 12. Oktober dauerte, kam im Schnitt auf 80 Grad. Während die Erntemenge mit geschätzten 31 000 Hektoliter um drei Prozent über dem langjährigen Mittel und dem Vorjahr liegt und laut Guthier „einem Normaljahr“ entspricht, werden die Qualitäten als „gut bis sehr gut“ bezeichnet. Erwartet werden fruchtig-frische Weiß- und kräftige Rotweine, „die sich mit Sicherheit für eine längere Lagerung eignen“.

Mittelrhein (468 Hektar)

Dass auf sehr viele Sonnenstunden nicht immer sehr hohe Mostgewichte folgen müssen, haben die Winzer am Mittelrhein in diesem Jahr erlebt. Zwar habe man einen Wein, wie ihn „die Mehrheit der Verbraucher gerne wünscht“, aber er sei nicht so wie es aufgrund der Sonnenscheindauer zu erwarten gewesen wäre, sagt der Präsident des Weinbauverbandes Mittelrhein, Heinz-Uwe Fetz. „Bei diesen Sonnenscheinstunden rechnen die Leute mit Mostgewichten, die alle bei 90 oder 100 Grad Oechsle liegen, und das ist bei weitem nicht so.“ Es gebe „Spitzen“, aber in kleinen Mengen, etwa nach Selektion. Bei der Mehrheit der Weine lägen die Mostgewichte „um die 80 Grad“, es seien „sehr gute Kabinettweine“, mit nicht zu viel Alkohol, einer sehr strukturierten, feinen Säure, die vermutlich schon im Frühjahr seien. Bei den Reben in der von Terrassen- und Steillagen geprägten Region zwischen Bingen und Bonn hatte sich im Sommer wegen der Trockenheit ein „Wachstumsstau“ eingestellt. Zwar war wegen des fehlenden Regens kaum Pflanzenschutz nötig, dafür mussten die Winzer in dieser Zeit „Wasser fahren“. Als im September aber endlich ein „wahrnehmbarer“ Regen fiel, sei der für den Riesling vier Wochen zu spät gekommen. „Es war nicht das beste Rieslingjahr“, so Fetz. „Gewinner“ sind aus seiner Sicht die Burgundersorten, die „deutlich bessere Erträge und auch deutlich bessere Mostgewichte“ erzielten. Fetz sieht auch „sehr gute“ Rotweine, „die Färbung war natürlich aufgrund der Sonnenschein-Stunden intensiv“. Die Erntemenge am Mittelhrein stieg im Vorjahresvergleich um 15 Prozent auf 30 000 Hektoliter, das waren sieben Prozent mehr als im langjährigen Mittel.

Mosel (8.664 Hektar)

Juli-Temperaturen bis an die 40 Grad und ein Wasserdefizit bis zu 210 Liter pro Quadratmeter: An der von Steillagen geprägten Mosel zeigte sich der Sommer unerbittlich. Das spürte vor allem der Riesling, mit einem Ernteanteil von 61 Prozent die wichtigste Rebsorte in dem Anbaugebiet, in dem die Lese „rekordverdächtig früh“ am 20. August begann. Als im September endlich Regen fiel, kam der für den-Riesling drei bis vier Wochen zu spät. Angesichts der Wetterkapriolen sprechen die Winzer an Mosel, Saar und Ruwer insgesamt von einem guten Jahrgang mit zufriedenstellender Qualität und Menge – auch weil zunächst mit „deutlich weniger Wein“ gerechnet worden war. Während die Trockenheit vor allem Junganlagen und Reben auf Böden mit wenig Speicherkapazität zu schaffen gemacht habe, seien ältere Reben gut zurechtgekommen, weil sie „mit ihren viele Meter tief reichenden Wurzeln noch an Wasser gelangen konnten“. Am Ende landeten voraussichtlich 688.000 Hektoliter Weinmost in den Kellern, sieben Prozent weniger als im langjährigen Mittel und - 5 - sechs Prozent weniger als im schwierigen Regenjahr 2021. Erwartet werden leichte, aromatische und harmonische Weißweine, die mehr als 90 Prozent der Ernte ausmachen, sowie farbintensive Rot- und Roséweine. Die Säurewerte sind laut Moselwein durchweg niedrig. Die Burgunderweine kamen bei optimalen Bedingungen auf Mostgewichte bis zu 90 Grad Oechsle und mehr, der Schnitt lag bei 85 Grad. Auch der Riesling kam stellenweise auf 90 Grad, Trauben mit Spät- und Auslesequalität sowie für edelsüße Raritäten blieben aber die Ausnahme, das Gros liegt bei 70 bis 80 Grad. Der Alkoholgehalt wird als moderat und marktgerecht bezeichnet.

Nahe (4.237 Hektar)

Nach dem Motto „besser spät als nie“ hat der Regen im September im Anbaugebiet Nahe der monatelangen Trockenheit ein Ende bereitet. Bis dahin hatte sich der etwa elftägige Vegetationsvorsprung, den die Reben bei Blütebeginn noch hatten, durch die Dürre auf drei Tage verkürzt. Junganlagen mussten stellenweise bewässert werden, Ertragsanlagen aber eher selten. Man habe zwar auf gute Qualitäten gehofft, zugleich aber befürchtet, dass die Ernte wegen der Trockenheit sehr, sehr klein ausfallen könne, sagt der Geschäftsführer des Weinbauverbandes Nahe, Harald Sperling. „Die Beeren waren natürlich relativ klein.“ Der Regen kam jedoch „nicht zu spät“: Die Trauben sogen sich noch etwas voll und beeindruckten die Winzer nach Sperlings Angaben „mit einer guten bis zum Teil sehr guten Qualität und einer guten Quantität“. Insgesamt landeten schätzungsweise 319.000 Hektoliter Most in den Kellern, so viel wie im langjährigen Schnitt und sieben Prozent mehr als 2021. Das ist aus Sperlings Sicht „in Ordnung“. Allerdings sind auch an der Nahe die Erntemengen sehr unterschiedlich verteilt. Bei der Frage nach Gewinnern hebt Sperling die Rotweine sowie Weiß- und Grauburgunder hervor, aber alle Rebsorten, auch der Riesling, hätten einen Anteil an Prädikatsweinen, die vereinzelt Mostgewichte bis zu 100 Grad Oechsle erreichten. Der Prädikatsweinanteil wird auf 15 bis 20 Prozent geschätzt, der Rest entfällt auf den „guten bis sehr guten Qualitätsweinjahrgang“. „Insgesamt eher ein leichterer Jahrgang“, sagt Sperling. Zu erwarten seien „leichtere, filigranere Weine“ mit mittelkräftigen Körpern sowie positiv entwickelten Sortenaromen, die nicht vom Alkohol gestört würden, und „einer zurückhaltenden, aber trotzdem frischen Säure“.

Pfalz (23.759 Hektar)

Wegen ihres milden Klimas kennt die Pfalz die Wärme, doch der Hitzesommer 2022 stellte auch das zweitgrößte deutsche Weinbaugebiet vor besondere Herausforderungen. Nach einer frühen Rebblüte und gleichmäßigen Reife der Beeren zeigte sich der Sommer laut Pfalzwein - 6 - e.V. von seiner heißesten Seite, zudem gab es wegen Regenmangels im Juli und August vielerorts zu wenig Wasser, was vor allem jungen Rebstöcken einen „enormen Stress“ bereitete. Zwar fiel pünktlich zur Lese der ersehnte Regen, „teilweise jedoch zu häufig und zu heftig mit punktuellen Starkregen-Ereignissen“, so Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR). Insgesamt aber sorgte die Regenphase ab Mitte September dafür, dass die Mostgewichte nur sehr langsam zunahmen, so dass die „zumeist kerngesunden Trauben“ weiter zulegen konnten. Die Schätzungen für die diesjährige Weinmosternte belaufen sich auf zirka 2.300.000 Hektoliter und damit vier Prozent über dem Vorjahreswert und dem langjährigen Mittel. Auch wenn es ein „extremer Jahrgang“ mit stellenweise unterschiedlichen Ergebnissen war: Die Winzer versprechen „hervorragende Weine“, feinfruchtig, „mit einem frischen Charakter und deutlich weniger Säure im Vergleich zum Jahrgang 2021“, so der 1. Vorsitzende von Pfalzwein, Boris Kranz. DLR-Experte Oberhofer sagt, Trockenheit und Hitze hätten sich wie schon 2018 und 2020 „dank angepasster Traubenverarbeitung“ kaum auf die Sensorik ausgewirkt. „Die Weißweine probieren sich fruchtig, klar und präzise.“ Er erwartet zudem hervorragende Rotweine, die vor allem bei den internationalen Rebsorten: „sehr strukturiert, farb- und ausdrucksstark“ ausfallen würden.

Rheingau (3.197 Hektar)

Mit den aktuellen Ergebnissen zufrieden, aber wissend, dass man sich auf künftige Extremsituationen weiter vorbereiten muss: Dieses Fazit zieht der Geschäftsführer des Rheingauer Weinbauverbandes, Dominik Russler, nach der Hitze-Saison 2022. Die verlief uneinheitlich, der Zustand der Reben variierte je nach Standort und Bewirtschaftungsweise – von sehr gut bis zu großen Trockenschäden. Auch die Lese fiel unterschiedlich aus: So ernteten Winzer in Steillagen ohne viel Feinerde zum Beispiel nur 15 Hektoliter je Hektar, auf tiefgründigen Böden waren dagegen über 100 Hektoliter drin. Manche Winzer hätten aus ihren in Hitze und Trockenheit darbenden Junganlagen alle Trauben entfernt, damit die Reben überlebten, so Russler. Insgesamt wurden schätzungsweise 219.000 Hektoliter Most geerntet, drei Prozent mehr als im langjährigen Mittel und zwei Prozent mehr als 2021. Für den Riesling, mit einem Anteil von über 70 Prozent die Hauptsorte, erwarten die Winzer laut Russler „einen guten bis sehr guten Jahrgang“, „tolle, marktgerechte Weine, die nicht so alkohollastig sind“. Die Mostgewichte hätten ab einem gewissen Zeitpunkt stagniert, der Schnitt liege bei 80 bis 85 Grad Oechsle. Trotzdem seien es sehr reife und aromatische Trauben. Wegen der Wärme wurden Äpfel- und Weinsäure stark abgebaut, weshalb man eine „sehr, sehr gut eingebundene und moderate Säure“ erwarte. Einige Winzer haben auch erfolgreich auf Beeren- und - 7 - Trockenbeerenauslesen spekuliert. Mit dem Spätburgunder, der nahezu vollständig vor dem ersten Regen gelesen werden konnte und auf Mostgewichte zwischen 85 und 95 Grad Oechsle kam, seien alle „sehr, sehr zufrieden“. Auch ihn zeichneten eine tolle Aromatik und hohe Grundgehalte an Primäraromen aus. „Die rebsortentypischen Eigenschaften werden relativ gut ausgeprägt sein“, so Russler. Mit Blick auf künftige Maßnahmen gegen die Trockenheit nannte er die Bewässerung als „Kernthema“.

Rheinhessen (27.159 Hektar)

Auch wenn der Witterungsverlauf in diesem Jahr nicht so optimal für den Riesling verlief, findet Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, dass die Weine der Hauptrebsorte Rheinhessens auch in diesem Jahr so seien, wie sie nur in Deutschland entstehen könnten: mit moderatem Alkoholgehalt, einer sehr aussagekräftigen und fruchtigen Aromatik und einer Säure, „die das ganze frisch macht“. Fazit: „Glück gehabt“, denn ohne die Abkühlung im September, hätte die riesling-typisch Frische leiden können. Insgesamt sind die Winzer im größten deutschen Anbaugebiet aus Köhrs Sicht mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davongekommen. Sie brachten eine Weinmosternte von geschätzten 2.470.000 Hektolitern ein - zwei Prozent weniger als im zehn-Jahres-Schnitt und neun Prozent weniger als im regnerischen Vorjahr. Wenn man sich an den Zahlen orientiere, könne man meinen, dass alle enttäuscht seien, aber tatsächlich „überwiegt in Rheinhessen die Zufriedenheit – weil wir zwischenzeitlich mit viel geringeren Mengen gerechnet haben“, so Köhr. Der SeptemberRegen sei gerade noch rechtzeitig gekommen und habe sich positiv auf Qualität und Quantität ausgewirkt. Allerdings gebe es innerhalb des Gebiets sehr unterschiedliche Erträge bei den Rebsorten, weil es im Sommer nur lokal geregnet habe. Den Rotweinsorten, die in Rheinhessen auf etwa 30 Prozent der Fläche wachsen, „spielte das Wetter in die Karten“, von der Farbintensität und dem Gerbstoffgerüst her müssten sie den Vergleich mit internationalen Sorten nicht scheuen. Dank der tollen Reife hätten die Winzerinnen und Winzer mit der Entscheidung über den Erntezeitpunkt „die Stilistik bekommen, die sie sich für ihr Angebot gewünscht haben“. Der Regen bremste zudem den Anstieg der Mostgewichte und damit auch den späteren den Alkoholgehalt der Weine, was den Bedürfnissen der Verbraucher entgegenkomme, so Köhr.

Saale-Unstrut (837 Hektar)

Nach vier Jahren mit „kleinen“ Ernten hat ausgerechnet der Hitzesommer 2022 der Weinbauregion Saale-Unstrut eine zufriedenstellende Menge beschert. Mit etwa 54 000 Hektolitern übertrifft das Ergebnis im nördlichsten deutschen Anbaugebiet das langjährige - 8 - Mittel um 23 und das von frostbedingten Ausfällen geprägte Vorjahr sogar um 54 Prozent. Auch in Sachen Qualität stimmen die Aussichten zufrieden. „Ich rechne damit, dass der 22er Jahrgang für Saale-Unstrut zu den guten Jahrgängen zählen wird“, sagt der Präsident des Weinbauverbandes, Hans Albrecht Zieger. Die Trockenheit, die auch an den Ufern von Saale und Unstrut schon „typischer Begleiter“ ist, hatte allerdings lange für eine Zitterpartie gesorgt. Denn nach einem optimistisch stimmenden Start habe der trockene Sommer „Woche um Woche die Erwartungshaltung nach unten gedrückt“, so Zieger. Der Septemberregen setzte gerade noch rechtzeitig ein Ende und sorgte dafür, dass die Winzer „in der zweiten Erntehälfte insbesondere bei den mittel- und spätreifenden Sorten auch gute Qualitäten einfahren konnten“. Mit Mostgewichten von durchschnittlich mehr als 90 Grad Oechsle erreichten die Burgunder, vor allem Grau- und Spätburgunder, überwiegend Prädikatsweinniveau, ebenso der Traminer. Weil es nicht zu viel regnete konnten die Winzer durchweg gesundes Lesegut einbringen. „Wir rechnen mit einem fruchtbetonten Jahrgang mit sehr sortentypischen Weinen, die nicht zu überladen sind, nicht zu wuchtig“, so Zieger. Der Jahrgang sei zudem sehr ausgewogen im Säurespiel. Nachdem in der Nacht zum 21. November überraschend und vergleichsweise früh im Jahr die Temperaturen noch auf unter minus sieben Grad Celsius fielen, konnten einige Winzerinnen und Winzer den Jahrgang auch noch mit Eiswein krönen.

Sachsen (509 Hektar)

„Jahrhundertwein“ oder „mittlere Katastrophe“, für Sachsens Winzer schien in diesem Sommer beides denkbar. Am Ende lag das Ergebnis in der Mitte: „Es ist guter bis sehr guter Jahrgang“, wie der Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Felix Hößelbarth, sagt. Anhaltender Regenmangel setzte auch Deutschlands östlichstem Anbaugebiet zu, für junge und schwachwüchsige Anlagen sowie die Steillagen im Elbtal zwischen Meißen und Dresden begann bereits im Juni der Trockenstress. Mit der Vollreife und dem Lesestart Mitte August – einem der frühesten überhaupt - setzte intensiver Regen ein. „In vier bis fünf Wochen Ernte hatten wir mehr Niederschläge als in den siebeneinhalb Monaten davor“, so Hößelbarth. Das habe sich zum einen positiv ausgewirkt, weil Bestände, bei denen man mit weniger Ertrag gerechnet habe, das Wasser noch hätten aufnehmen können. Mit etwa 23.500 Hektolitern liegt die Ernte voraussichtlich um zwei Prozent über dem langjährigen Mittel und über dem Vorjahreswert. „Wäre der Niederschlag ein, zwei Monate eher gekommen, dann hätte es ein Jahrhundertjahrgang werden können“, erklärte Hößelbarth. Dennoch sei man froh, denn „man hat ja eher schon mit einer mittleren Katastrophe gerechnet“. Qualitativ sei alles dabei. Spitzenqualitäten gebe es gerade in den Steillagen, die den Regen besser verkraftet hätten und außerdem „ein sehr gutes Mittelfeld“. „Ein bisschen schwieriger“ sei es für spätreifende - 9 - Sorten außerhalb der Steillagen gewesen. Der Jahrgang habe deutlich reifere Mostgewichte und deutlich reifere Säuren als 2021und eine gute Aromatik. Zu rechnen sei mit eleganten, fruchtigen, frischen Weißweinen. Diese „cool-climate-Weine“, für die Sachsen stehe, habe man trotz Hitze und Trockenheit wieder hinbekommen. Auch beim Rotwein, etwa beim Spätburgunder, habe man in Steillagen Spitzenqualitäten erzielt. Insgesamt liege das Mostgewicht im Schnitt wohl über 80 Grad Oechsle. Am 21. November konnten auch in Sachsen noch vereinzelt Weinbaubetriebe den Jahrgang 2022 mit einer Eisweinlese abschließen.

Württemberg (11.358 Hektar)

Während der September-Regen mancherorts für den Riesling zu spät kam, kam er für die Württemberger Winzer wie bestellt. Es sei ein „Phänomen“, dass es „zum richtigen Zeitpunkt noch mal Regen gab“, sagt der Geschäftsführer des Weinbauverbandes Württemberg, Dr. Hermann Morast, der von zufriedenen Weinbauern berichtet. Der Niederschlag sorgte nicht nur dafür, dass die Beeren, die wegen der andauernden Trockenheit eher „Beerchen“ waren, noch Wasser einlagern und an Gewicht zulegen konnten. Er habe auch die Qualität sichergestellt, sagt Morast. So sei die Traube „vital“ geblieben und habe weiter Assimilate, Inhaltsstoffe und Aromen bilden können - „alles Prozesse, die bei Trockenheit reduziert werden“ - und die Mostgewichte, die wegen der Trockenheit zu explodieren drohten, hätten sich durch den Regen noch einmal „korrigiert“, so dass wir auch marktgerechte Alkoholgehalte haben“. Bei den Weißweinen, etwa der Hauptrebsorte Riesling, gebe es feinfruchtige, aromatische und eher schlanke Weine. Auch in Sachen Säure sei der Wein „genau das, was der Markt zum jetzigen Zeitpunkt fordert“. Der Trollinger, Nummer zwei hinter dem Riesling, wurde dank des Regens das, „was man will“ - nämlich zum „leichten, feinfruchtigen Rotwein“. Zu den Weinen, die vor dem Regen geerntet wurden, gehören Müller-Thurgau und Kerner, zwei Tropfen, die Morast – wie auch den Lemberger - zu den „Gewinnern“ zählt, was aber nicht heiße, betont er, dass die anderen Weine Verlierer seien. Die frühen Weine seien so, „wie man sie sich wünscht“, hätten vergleichsweise höhere Alkoholgehalte ohne „brandig“ zu sein, „die Fruchtigkeit überwiegt“. Sein Fazit: Bei einer „marktgerechten“ Menge, die gegenüber 2021 um 15 Prozent und im Vergleich zum langjährigen Mittel um zwei Prozent auf geschätzte eine Million Hektoliter wuchs, könnten sich die Verbraucher auf gleichermaßen gehaltvolle, intensive und charakterstarke Rotweine sowie auf fruchtige Weißweine freuen.


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