EU-Abstimmung über Veggie-Namen: Kommt das Aus für Tofu-Wurst und Soja-Schnitzel?

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Das Europaparlament stimmt am Mittwoch (ab 12.30 Uhr) über ein mögliches Verbot von Bezeichnungen wie «Tofu-Wurst» oder «Soja-Schnitzel» ab. In dem zur Abstimmung stehenden Bericht sind über einen Änderungsantrag mehrere konkrete Begriffe eingebracht worden. Dazu zählen «Steak», «Schnitzel», «Hamburger» und «Wurst». 

Diese dürften dann nur noch für Lebensmittel tierischen Ursprungs verwendet werden. Damit ein Verbot endgültig wird, muss auch eine Mehrheit der EU-Staaten zustimmen. Die für das Vorhaben im Europaparlament zuständige Abgeordnete Céline Imart teilte auf Anfrage mit, es bestehe «ein echtes Verwechslungsrisiko». Pflanzenbasierte Ersatzprodukte böten etwa nicht die gleichen Nährwerte wie ihre tierischen Originale. Verbraucherschützer sowie Unternehmen wie Aldi, Lidl und Burger King sehen den Vorstoß kritisch.

Darf ein Schnitzel aus Soja sein?

Das Europaparlament stimmt über ein mögliches Verbot von Bezeichnungen wie «Tofu-Wurst» oder «Veggie-Burger» ab. Wem die Begriffe ein Dorn im Auge sind, was Verbraucherschützer und Unternehmen von dem Vorschlag halten und wie es jetzt weitergeht - der Überblick:

Welche Begriffe wären von einem möglichen Verbot betroffen?

In dem zur Abstimmung stehenden Bericht sind über einen Änderungsantrag mehrere Begriffe eingebracht worden. Dazu zählen «Steak», «Schnitzel», «Hamburger» und «Wurst». Sie sollen Produkten vorbehalten sein, die aus Tieren gemacht wurden. 

Wie ist die bisherige Rechtslage?

Bislang dürfen Begriffe wie Wurst, Schnitzel oder Namen anderer typischer Fleischlebensmittel auch für pflanzliche Alternativen verwendet werden. «Für vegane und vegetarische Lebensmittel gibt es keine rechtlich vorgeschriebenen Bezeichnungen, daher können aktuell allgemein übliche oder beschreibende Bezeichnungen verwendet werden», so ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Warum sollen die Begriffe verboten werden? 

Die im Europaparlament zuständige Abgeordnete Céline Imart sieht durch das Vorhaben den Verbraucherschutz gestärkt. Die Politikerin der EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören, teilte auf Anfrage mit, es bestehe «ein echtes Verwechslungsrisiko». Pflanzenbasierte Ersatzprodukte böten etwa nicht die gleichen Nährwerte wie ihre tierischen Originale. 

Zudem gehe es bei dem Vorhaben darum, Landwirte zu schützen. Pflanzliche Lebensmittelhersteller versuchten den Ruf tierischer Lebensmittel, den Generationen von Landwirten aufgebaut hätten, für die Vermarktung von Konkurrenzprodukten zu nutzen. 

Zu den Befürwortern gehört unter anderem der Verband der Fleischwirtschaft. «Fleisch sollte als wertvolles tierisches Lebensmittel klar von anderen Artikeln unterschieden werden können, ohne dass man dadurch einen Kulturkampf entfacht», sagt Geschäftsführer Steffen Reiter. Ein einfacher Weg wäre es, die Bezeichnung Fleisch klar zu schützen.

Was sagen Verbraucherschützer zu dem Vorhaben? 

Die halten wenig davon. Der Geschäftsführer der Organisation foodwatch, Chris Methmann, spricht von «Lobbyismus im Dienste der Fleischindustrie». Niemand kaufe versehentlich Tofuwürstchen, weil er glaube, es seien Rinderwürste. Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) müsse klarstellen, dass Deutschland «diesen Unsinn nicht mitträgt», so foodwatch.

Auch Stephanie Wetzel vom Verbraucherzentrale Bundesverband sieht ein mögliches Verbot kritisch. Sie teilte auf Anfrage mit, es sei wenig hilfreich, wenn Ersatzprodukte keine Namen von Produkten tragen dürfen, die typischerweise mit Fleisch assoziiert würden. Bei einem Begriff wie «Veganes Seitan-Schnitzel» wüssten Verbraucherinnen und Verbraucher, was sie geschmacklich erwartet und welche Ersatzzutat das Produkt enthalte. 

Was sagen andere Gegner des Verbots? 

Mehrere Handelsunternehmen - darunter die Discounter Aldi Süd und Lidl, die Burgerkette Burger King sowie Hersteller wie Beyond Meat - haben sich in einen gemeinsamen Brief dagegen ausgesprochen. Die vertrauten Begriffe böten Orientierung und ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen, heißt es darin. Ein Verbot würde den Verkauf erschweren. «Von dem drohenden wirtschaftlichen Schaden wäre Deutschland besonders betroffen.» Dies sei der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa.

Unterzeichnet hat auch die Rügenwalder Mühle, die Fleisch- und Fleischersatzprodukte herstellt. «Aus unserer Sicht ist das nicht sinnvoll. Schnitzel oder Burger beschreiben eine Zubereitungsart – nicht das Ausgangsprodukt», sagte eine Unternehmenssprecherin. Die kurzfristigen Umstellungskosten schätze man auf einen einstelligen mittleren Millionenbetrag. Auch andere Handelsketten wie Rewe und Aldi Nord sowie der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels und der Lebensmittelverband Deutschland lehnen ein Verbot ab.

Wie denken Verbraucher darüber?

Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov befragte rund 4.200 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland repräsentativ. Jeder Zweite (50 Prozent) findet, dass Bezeichnungen wie Schnitzel oder Wurst ausschließlich für tierische Produkte verwendet werden dürfen und pflanzliche Alternativen andere Namen tragen müssen. 28 Prozent lehnen dies ab, 21 Prozent machten keine Angabe. Nur jedem Vierten (24 Prozent) ist es wichtig, dass sich das EU-Parlament mit der Frage befasst, ob Bezeichnungen wie Wurst, Burger oder Schnitzel für pflanzliche Produkte genutzt werden dürfen. Zwei Drittel (67 Prozent) halten das für unwichtig. Knapp zehn Prozent haben keine Meinung.

Wie steht Deutschland zu dem Vorhaben?

Eine Position zu dem konkreten Vorhaben des Parlaments hat die Bundesregierung bislang nicht kommuniziert. «Die Regierungsparteien haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass Verbraucherinnen und Verbraucher selbstbestimmt entscheiden sollen, wie sie sich ernähren», teilte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums mit.

Grundsätzlich begrüße das Ministerium die klare Unterscheidung und Erkennbarkeit traditionell tierischer Lebensmittel und pflanzlicher Fleischersatzprodukte. 

Wie groß ist der Markt für Fleischersatzprodukte in Deutschland?

Als Fleischersatz gelten Produkte wie vegane Schnitzel, Hack, Bratwurst und Wurst sowie Tofu und Falafel. Der Markt ist in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gewachsen. 2024 wurden laut Statistischem Bundesamt rund 121.600 Tonnen solcher Produkte hergestellt - 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2019 hat sich die Menge verdoppelt. 

Im Vergleich zur konventionellen Fleischproduktion ist der Markt für Fleischersatz noch relativ klein. Der Pro-Kopf-Konsum von Produkten wie Veggie-Burgern oder Tofuwurst lag 2024 bei 1,5 Kilogramm, bei echtem Fleisch waren es 53,2 Kilo. Der Fleischkonsum hierzulande war jahrelang rückläufig, ist zuletzt aber leicht gestiegen, vor allem durch Geflügel.

Was sind die nächsten Schritte? 

Das Parlament muss nun in Verhandlungen mit den EU-Staaten eine endgültige Einigung auf die neuen Regeln finden. Die dänische Ratspräsidentschaft teilte mit, man hoffe darauf, sich schnell einigen zu können. Ob sich für das Bezeichnungsverbot eine Mehrheit findet, ist unklar.

Veggie-«Schnitzel» vor dem Aus? Rügenwalder Mühle warnt

Dürfen pflanzliche Produkte bald nicht mehr «Schnitzel» oder «Wurst» heißen? Der Lebensmittelhersteller Rügenwalder Mühle warnt angesichts einer Abstimmung im EU-Parlament vor erheblichen Folgen. «Die kurzfristigen Umstellungskosten schätzen wir auf einen einstelligen mittleren Millionenbetrag», sagte eine Unternehmenssprecherin. Betroffen wären rund 60 Produkte, deren Namen und Verpackungen neu gestaltet werden müssten.

Rügenwalder ist nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich veganer und vegetarischer Ersatzprodukte. Nach Einschätzung des Unternehmens könnten durch eine entsprechende EU-Regelung auch zweistellige Millionenbeträge im Jahr verloren gehen, weil bis zu 20 Prozent der Neukäufer abspringen könnten.

Am Mittwoch stimmt das EU-Parlament über einen Bericht ab, in dem ein Änderungsantrag vorsieht, Begriffe wie «Steak», «Schnitzel», «Hamburger» und «Wurst» künftig ausschließlich für Lebensmittel tierischen Ursprungs zuzulassen. Damit wären Bezeichnungen wie «Tofu-Wurst» oder «Soja-Schnitzel» tabu. Damit ein Verbot endgültig wird, muss auch eine Mehrheit der EU-Staaten zustimmen.

Rügenwalder verweist auf Sellerie-Schnitzel

Rügenwalder Mühle hält die Pläne für den falschen Weg. Die Sprecherin sagte, Fleischbegriffe seien für Verbraucher eine wichtige Orientierung, weil sie etwa wüssten, was sie geschmacklich erwarte. «Schnitzel ist nicht Verbrauchertäuschung, wenn kein Fleisch drin ist.» Wenn Hersteller dagegen gezwungen wären, Fantasienamen zu erfinden, könnte das die Verbraucher nach ihrer Einschätzung sogar noch mehr verwirren.

Als Beispiel verwies sie darauf, dass es das Sellerie-Schnitzel seit mehr als 150 Jahren in der deutschen Küche gebe. Sie glaube nicht, dass Menschen sich dadurch getäuscht fühlten. Deutschland ist nach Angaben des Unternehmens der größte Markt für vegane Lebensmittel in Europa. Rund 70 Prozent des Rügenwalder-Portfolios seien vegan. (mit dpa)


 

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