Hohe Lohnkosten setzt Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt unter Druck

| Politik Politik

Das Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt sieht die seit Jahresbeginn geltende Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zwar als spürbare Entlastung, schätzt die aktuelle Lage aber dennoch weiter als angespannt an. Beim Jahresauftakt des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Magdeburg verwiesen Branchenvertreter auf anhaltend hohe Kosten – unter anderem bei Energie, Personal sowie Lebensmitteln. «Es wird nicht einfacher», sagte Sachsen-Anhalts Dehoga-Präsident Michael Schmidt. Es gebe weiterhin eine große Zurückhaltung der Verbraucher. 

Keine Preissenkungen in Restaurants erwartbar 

Die Bundesregierung hatte die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie zum 1. Januar von 19 auf 7 Prozent reduziert. Dies sei ein wegweisender Schritt gewesen, sagte Schmidt. Dadurch würden Kalkulationen verlässlicher. Größere Preissenkungen für Gäste in Restaurants erwarten Branchenvertreter jedoch nicht. Wirtschaftsstaatssekretärin Stefanie Pötzsch sagte, die Senkung der Mehrwertsteuer werde nicht zu niedrigeren Preisen führen. «Sie müssen erst einmal Luft holen», sagte sie an die Gastronomen gewandt. Es gehe jetzt darum, ein Polster aufzubauen, um nachhaltig Betriebe erhalten zu können. 

Die Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbands, Jana Schimke, betonte, dass sich die Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkung nicht sofort bemerkbar machen würden. Es dauere mindestens sechs Monate bis dies greife. Als größte Herausforderung der Gastronomie bezeichnete sie aufgrund einer Verbandsumfrage nicht etwa hohe Energiekosten oder gestiegene Lebensmittelpreise, sondern hohe Lohnkosten aufgrund des angehobenen Mindestlohns. Die dadurch gestiegenen Kosten seien auch mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent existenzbedrohend. 

Dehoga wirbt für Wochenarbeitszeit 

Als zentrale Baustellen nannte der Verband Bürokratieabbau und eine Reform des Arbeitszeitrechts. Der Dehoga wirbt dafür, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Obergrenze zu ersetzen, um Dienstpläne flexibler an Spitzenzeiten anpassen zu können (Tageskarte berichtete). 

Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen im vergangenen Jahr die Tourismusbranche deutschlandweit einen neuen Rekord bei den Gästeübernachtungen verzeichnete, konnte die Branche in Sachsen-Anhalt nicht bestätigen. Die Lage sei stabil mit leichten Rückgängen, sagte Staatssekretärin Pötzsch. Vor allem bei der Dauer von Übernachtungen und Aufenthalten gebe es noch Luft nach oben. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Hotelverband Deutschland und der Handelsverband Deutschland warnen vor den Folgen einer geplanten EU-Regulierung, die das bedingungslose Rückerstattungsrecht auf händler-initiierte Kartenzahlungen ausweiten könnte.

Der Landtag von Baden-Württemberg hat die Neufassung des Landesgaststättengesetzes beschlossen. Die Reform tritt am 1. Januar 2026 in Kraft und führt zu grundlegenden Vereinfachungen für Gastgewerbebetriebe in Baden-Württemberg.

Das Verbot der Bettensteuer in Bayern bleibt bestehen. Das hat der Verfassungsgerichtshof entschieden. Die Staatsregierung freut sich - aber der Streit könnte bald an anderer Stelle weitergehen.

Weniger als jede zweite in Deutschland verkaufte Weinflasche stammt aus heimischer Produktion. Wie kann hiesiger Wein mehr ins Rampenlicht gerückt werden? Ein Treffen im Kloster Eberbach soll helfen.

Die Dorfkneipen in Brandenburg sollten nach Ansicht von Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) angesichts existenzieller Probleme unterstützt werden - doch wann ist offen. Die CDU-Opposition dringt hingegen auf schnelle Hilfe.

Steigende Kosten und internationale Konkurrenz setzen dem Weinbau zu. Im Kloster Eberbach bei Eltville wollen Minister aus acht Bundesländern der Branche helfen. Worum soll es in ihren Gesprächen gehen?

Verbesserter Datenaustausch und digitale Prüfungen sollen den Kampf gegen illegale Beschäftigung effektiver machen. In der letzten Woche hat der Bundestag das Gesetz zur Modernisierung und Digitalisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung verabschiedet. Der DEHOGA begrüßt die angestrebte Bürokratieentlastung, mahnt aber Ursachenbekämpfung an.

Das Europäische Parlament hat den Weg für eine deutliche Entbürokratisierung im Bereich Lieferketten, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Taxonomie freigemacht. Der DEHOGA begrüßt die damit verbundene Chance auf durchgreifende Vereinfachungen und einen mittelstandsfreundlicheren Ansatz.

Die Koalition plant die Senkung der Luftverkehrsteuer. Das Vorhaben polarisiert: Während die Reisewirtschaft eine Trendwende und Entlastung sieht, hagelt es Kritik von Umwelt- und Klimaschützern.

Nach 36 Jahren beim DEHOGA Bundesverband und fast 20 Jahren als Hauptgeschäftsführerin ist Ingrid Hartges heute in Berlin offiziell verabschiedet worden. Die feierliche Veranstaltung fand im JW Marriott Hotel Berlin statt und vereinte führende Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Medien der Branche und ihrer Partner.