Lauterbach erwartet flächendeckende Maskenpflicht ab 1. Oktober 2022

| Politik Politik

Trotz sinkender Corona-Zahlen müssen sich die Menschen in Deutschland ab Oktober auf flächendeckende Maskenpflichten und mögliche schärfere Schutzauflagen einstellen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will an seinen umstrittenen Vorschlägen nach Möglichkeit festhalten, wie er am Freitag in Berlin deutlich machte. Trotz teils heftiger Kritik der Länder zeigte sich der SPD-Politiker zuversichtlich, dass sie umgesetzt werden. An die Omikron-Variante angepasste Impfstoffe stehen wahrscheinlich ab September zur Verfügung, wie Lauterbach zudem mitteilte.

Aktuell hat sich die Corona-Situation entspannt. «Die Sommerwelle fängt jetzt langsam an zurückzugehen», sagte Lauterbach. Es gebe einen «robusten Rückgang der Fallzahlen». «Das gibt erst einmal Grund zur Freude. Das ist trotzdem kein Grund für eine Entwarnung.»

Zenit der Sommerwelle überschritten:

Die Sieben-Tage-Inzidenz sank nach einem Rückgang der Vorwoche vergangene Woche erneut um 27 Prozent. Das zeigt der jüngste Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI). Es gibt auch weniger Infizierte mit Symptomen. Fazit des RKI: Der aktuelle Wellengipfel scheine überschritten zu sein. Dennoch gab es immer noch 372 Corona-Tote in der vergangenen Woche nach 444 in der Vorwoche. Schwere Erkrankungen gingen zudem langsamer zurück als die Gesamtzahlen.

Für die nächsten Wochen rechnet das RKI mit einer weiter hohen Zahl an Klinik-Einweisungen, Corona-Intensivpatientinnen und -patienten und Todesfällen - insbesondere in höheren Altersgruppen. Lauterbach meinte unter Berufung auf weitere RKI-Einschätzungen zudem, dass die Dunkelziffer an Infizierten steige.

Fahrplan fürs Infektionsschutzgesetz:

Bereits am 24. August soll das Bundeskabinett grünes Licht für den umstrittenen Entwurf von Lauterbach und FDP-Justizminister Marco Buschmann zu den Corona-Maßnahmen in Herbst und Winter geben, wie der Gesundheitsminister mitteilte. Kommende Woche soll er weiter mit den Ländern abgestimmt werden. In Stein sei er nicht gemeißelt. Aber: «Ich glaube, dass der Vorschlag Hand und Fuß hat.» Bayern und andere Länder hatten teils heftige Kritik geübt. Bundestag und Bundesrat sollen das neue Regelwerk dann beschließen.

Dem Vorschlag zufolge sollen die Länder ab 1. Oktober eine Maskenpflicht in Innenräumen einführen - unabhängig von der Inzidenz. Die Länder könnten auch darauf verzichten, betonte Lauterbach. Doch er erwarte, dass alle Bundesländer die Maßnahme ergreifen. Denn unter anderem das Ende der Sommerferien werde die Corona-Lage wohl wieder verschlechtern.

Die umstrittenen Ausnahmen:

Wenn die Länder die Maskenpflicht einführen, «müssen sie eine Ausnahme vorsehen für die Innenräume, wo das Maskentragen ersetzt werden kann durch entweder einen Impfausweis, Genesenenausweis oder frische Testung», bekräftigte Lauterbach. Die Maske soll dann keine Pflicht sein, wenn man in den drei Monaten zuvor geimpft wurde. «Das ist die Dauer, von der wir glauben, dass die neuen Impfungen auch vor Ansteckungen schützen, nicht nur vor schwerem Verlauf.»

Lauterbach erklärte den Sinn der geplanten Ausnahme so: «Wenn jemand in eine Gastwirtschaft hineingeht zum Beispiel, geht mit der Maske rein, ist nicht geimpft, ist nicht getestet, nimmt dann die Maske ab, sitzt dann dort eine Stunde ohne Maske, weil er speist, dann kann das weniger sicher sein, als wenn er vorher einen frischen Impfausweis gezeigt hat.» Somit könne es im Restaurant eine zusätzliche Sicherheit sein, wenn mehr Geimpfte dort sitzen und frisch Genesene als Leute mit Maske - «obwohl das für den Laien nicht sofort plausibel ist». Lauterbach sagte, dies sollten Anreize sein, sich impfen oder testen zu lassen.

Auf die Kritik an mangelnder Umsetzbarkeit hin erläuterte Lauterbach die geplante Umprogrammierung der Corona-WarnApp. Wer frisch geimpft, getestet oder genesen sei, bei dem werde die App automatisch und ohne Verzögerung grün statt blau zeigen - in der Gaststätte sei dies dann auf einen Blick erkennbar.

Die vierte Impfung:

Die europäische Zulassung der Impfstoffe gegen die Omikron-Varianten BA.1 und BA.5 ist im September zu erwarten, wie Lauterbach sagte. Am 1. September stehe dies für BA.1 an und am 27. September für BA.5. Am jeweiligen Tag drauf könnten die Vakzine ausgeliefert werden. «Die Bundesregierung hat beide Impfstoffe in auskömmlicher Menge besorgt», sagte Lauterbach.

Damit stellt sich die Frage, wer sich wann mit welchem Impfstoff impfen lassen soll. Lauterbach war vorgeworfen worden, mit bisherigen Aussagen dazu Verwirrung gestiftet zu haben und das Ansehen der Ständigen Impfkommission (Stiko) untergraben zu haben.

Nun erläuterte der Gesundheitsminister: Wer älter, vorerkrankt oder in ständigem Kontakt zu vielen Menschen sei, solle nicht auf die angepassten Impfstoffe warten. Auch die bisherigen Vakzine könnten schwere Folgen einer Infektion bis zum Tod verhindern. Jüngeren empfahl er erneut, ihren Hausarzt zu fragen, ob die vierte Impfung jetzt schon zu empfehlen sei. Lauterbach: «Der Hausarzt kann sagen: Nein, auf keinen Fall, oder der Hausarzt kann sagen: Um Gottes Willen, Sie sind ja so ein starker Asthmatiker, dann auf jeden Fall.»

Die Stiko arbeite zudem an Impfempfehlungen für die angepassten Impfstoffe. Die Impfkommission werde zudem gestärkt, kündigte Lauterbach an. So solle die Stiko eine Pandemie-Arbeitsgruppe (PAIKO) mit externe Expertinnen und Experten erhalten, an deren Sitzungen auch er selbst teilnehmen wolle, sagte Lauterbach


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der Bundesregierung beschlossen. Der Bundestag ist am Zug.

Union und SPD wollen eine Steuer auf stark gezuckerte Getränke einführen. Um die Details wurde lange gerungen. Jetzt gibt es eine Einigung. CDU-Ministerpräsident Boris Rhein aus Hessen spricht von einem falschen Signal.

Sieben Prozent mehr Lohn fordert die NGG im bayerischen Gastgewerbe. Der Dehoga Bayern bietet zwei Erhöhungen bei 30 Monaten Laufzeit an – die Gewerkschaft hat das Angebot nach Angaben des Verbandes abgelehnt.

Kommt die Zuckersteuer noch? Die neun Länder-Agrarminister von CDU und CSU sind dagegen - und schreiben dem Kanzler einen Brief.

Bestimmte Geschäftsreisen sollen nach einer EU-Reform von der vorherigen A1-Meldung ausgenommen werden, berichtet der VDR. Bis die neuen Vorschriften anwendbar sind, müssen Unternehmen die bisherigen Vorgaben beachten.

Erst am Mittwoch hatte Vizekanzler Klingbeil seinen Entwurf an die Ministerien gegeben, nun tritt das Kanzleramt auf die Bremse. Die Zuckersteuer liegt erst einmal auf Eis. Klingbeil rechnet dennoch mit schneller Einigung.

Die geplante Steuer auf zuckerhaltige Getränke soll dem Staat im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. Das geht aus einem Entwurf des Finanzministeriums hervor, über den zuerst das «Handelsblatt» berichtete. Im Bundestag sind die Pläne der Regierung umstritten.

Ab 1. Oktober dürfte der Kaffee im Wegwerfbecher in Potsdam teurer werden. Die Landeshauptstadt führt im Alleingang eine Verpackungssteuer ein. Massive Kritik kommt aus der Wirtschaft.

Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband hat die Plattform minijobs-erhalten.de gestartet, um auf drohende Kostensteigerungen und Belastungen für Minijobs aufmerksam zu machen.

Die deutsche Wirtschaft fordert eine umfassende Reform des Datenschutzes. 90 Prozent der Unternehmen halten laut Bitkom-Umfrage eine gezielte Reform der Datenschutz-Grundverordnung für notwendig.