McDonald's klagt gegen Verpackungssteuer in Tübingen

| Politik Politik

Der örtlich Betreiber eines McDonald's hat Klage gegen die Verpackungssteuer in Tübingen eingereicht. Lokale Sonderwege stünden einem nationalen Konzept im Weg, argumentiert der Burger-Brater-Konzern und unterstütze die Klage der Inhaberin der Tübinger Filiale.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat der Fast-Food-Kette McDonald's wegen der Klage gegen die Verpackungssteuer in Tübingen vorgeworfen, den Klima- und Umweltschutz zu sabotieren. Durch sein Geschäftsgebaren sowie die Klage blockiere das Unternehmen die dringend überfällige Umstellung auf umwelt- und klimafreundliche Mehrweg-Alternativen, teilte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch am Montag in Ravensburg mit.

Zusammen mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) stellte Resch mehrere Mehrweg-Verpackungen von McDonald's vor, die das Unternehmen in Ländern wie Frankreich und England bereits einsetze. Das Unternehmen könne sofort auf vorhandene Mehrweg-Alternativen umstellen, schlussfolgerte Resch.

OB Palmer berichtete, die Mülleimer in der Stadt seien seit dem Start der Verpackungssteuer am 1. Januar «erstaunlich leer». Das Ziel der Müllvermeidung lasse sich also leicht erreichen. Es brauche aber Anreize wie die Steuer, damit es funktioniere. Er rechne künftig mit sinkenden Kosten für die Müllbeseitigung in der Stadt, sagte Palmer. Resch bezeichnete Tübingens Verpackungssteuer als Vorbild und forderte andere Städte auf, dieses Modell zu übernehmen.

McDonald's teilte am Montag auf Anfrage mit, es brauche in dieser Sache einen bundesweit einheitlichen Rahmen. Lokale Sonderwege einzelner Städte oder Gemeinden stünden einem national erfolgreichen und implementierbaren Konzept im Weg. Deshalb unterstütze man weiterhin die Klage der Inhaberin der Tübinger Filiale. Die Inhaberin teilte zudem mit, sie stehe zu ihrer Verantwortung, einen Beitrag zur Ressourcenschonung und weniger Verpackungsmüll zu leisten. Jedoch halte sie die Verpackungssteuer in Tübingen für unverhältnismäßig. «Lege ich den Preis auf die Gäste um, können gerade die mit einem schmalen Geldbeutel nicht mehr kommen. Trage ich die Kosten selbst, liegen wir bei einem mindestens sechsstelligen Betrag im Jahr», so die Unternehmerin.

Noch vor der Mitteilung von Umwelthilfe und OB Palmer hatte McDonald's an Montag angekündigt, ab sofort auch in der Tübinger Filiale Mehrweg-Verpackungen für Getränke und Desserts anbieten zu wollen.

Die Inhaberin der Tübinger Filiale von McDonald's ist wegen der Verpackungssteuer vor den Verwaltungsgerichtshof in Mannheim gezogen. Sie ist demnach der Auffassung, dass die Verpackungssteuersatzung gegen Bundes-Abfallrecht verstößt. Eine mündliche Verhandlung in dem Normenkontrollverfahren ist laut Stadt frühestens für das Ende des ersten Quartals 2022 geplant.

Seit diesem Jahr sind in Tübingen durch die Verpackungssteuer 50 Cent fällig für jeden Einweggetränkebehälter sowie für Einweggeschirr und -speiseverpackung und 20 Cent für jedes Einwegbesteck-Set. Pro Mahlzeit werden maximal 1,50 Euro kassiert. Die Steuern müssen die Verkaufsstellen zahlen, die in den Einwegverpackungen Speisen und Getränke für den sofortigen Verzehr oder zum Mitnehmen ausgeben.


 

Notizblock

Internet

Verpackungssteuer Tübingen

Zurück

Vielleicht auch interessant

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigt die Pläne der schwarz-roten Koalition, die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen und die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Es sei zwar das Ende der telefonischen Krankschreibung vereinbart, nicht aber die Möglichkeit eines Attests per Video. 

Die Stadt Bamberg will die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnungen in weiten Teilen des Stadtgebiets künftig verhindern. Neue Bebauungspläne und Veränderungssperren sollen den Wohnungsmarkt langfristig schützen.

Mit den Worten „Die Minijobs bleiben“ hat sich CSU-Chef Markus Söder klar gegen eine Abschaffung der geringfügigen Beschäftigung ausgesprochen. Seine Aussage erfolgt wenige Tage nach einem Brandbrief von Wirtschaftsverbänden und vor der für den Herbst angekündigten Entscheidung der Bundesregierung.

Eine breite Allianz von Wirtschaftsverbänden, darunter der DEHOGA, hat die Bundesregierung eindringlich davor gewarnt, Minijobs im Zuge der geplanten Sozial- und Rentenreformen faktisch abzuschaffen oder deutlich zu verteuern. In einem Brandbrief fordern sie den Erhalt der Minijobs in ihrer heutigen Form. 

Für die rund 80.000 Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe im Norden beginnen die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft NGG hat mit Forderungen nach einem Lohnplus von fast 6 Prozent vorgelegt.

Die staatlichen Wirtschaftshilfen während der Corona-Pandemie haben nach einer ZEW-Analyse zahlreiche Arbeitsplätze gesichert. Die zunächst befristete Mehrwertsteuersenkung für Speisen in der Gastronomie kam hingegen nicht so gut an bei den Forschern.

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen bald teurer werden – durch einen Aufschlag bei der Steuer. Das soll nicht nur dazu beitragen, den Haushalt zu sanieren.

Die Bundesärztekammer begrüßt die Pläne der Bundesregierung Alkohol, Tabak und gesüßte Getränke stärker zu besteuern - fordert aber noch weitergehende Schritte: Bei Alkohol greife die Beschränkung auf einzelne Produktgruppen wie Spirituosen oder Schaumwein zu kurz.

Mehr Ausgaben und höhere Schulden: Das sind Kernpunkte des Bundeshaushalts 2027. Finanzminister Lars Klingbeil schließt Milliardenlücken, muss dazu aber in eine Rücklage greifen. Zur Konsolidierung des Haushalts plant die Regierung zudem den Abbau von Finanzhilfen.

Branchenverbände sehen in den Koalitionsbeschlüssen ein Signal für den Fortbestand der Minijobs. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte die Entscheidung über den rentenpolitischen Umgang mit Beschäftigungsverhältnissen jedoch erst für den Herbst an.