Özdemir wirbt für mehr heimischen Wein im Glas

| Politik Politik

Baden-Württemberg reagiert mit einem neuen Förderprogramm und einem Appell an die Verbraucher auf die schwierige Lage seiner Weinbaubetriebe. Mit dem Inkrafttreten der neuen Verwaltungsvorschrift Weinbau am 1. Juli 2026 startet die Landesregierung ihre weiterentwickelte Weinbaustrategie. Gleichzeitig rief Ministerpräsident Cem Özdemir dazu auf, häufiger Wein aus Baden-Württemberg zu trinken, um Winzer, Kulturlandschaft und Tourismus zu unterstützen.

„Niemand muss mehr trinken als bisher. Aber ich werbe dafür, dass wir mehr einheimischen Wein trinken“, sagte Özdemir in Stuttgart. Baden und Württemberg verfügten über exzellenten Wein. Steige dessen Anteil im Glas, helfe dies den Winzern und trage zugleich zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.

Rückläufiger Weinbau setzt Winzer und Regionen zunehmend unter Druck

Nach Angaben der Landesregierung befindet sich die Weinbranche in Baden-Württemberg in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Gestiegene Kosten für Betriebsmittel, Energie, Löhne, Pflanzenschutz und Technik träfen auf einen rückläufigen Weinkonsum. Als Ursachen gelten unter anderem veränderte Konsumgewohnheiten, höhere Lebenshaltungskosten und der demografische Wandel. Viele Weinbaubetriebe stießen dadurch an ihre wirtschaftlichen Grenzen.

Die Entwicklung spiegelt sich auch in den Anbauflächen wider. Nach Angaben des Statistischen Landesamts sank die Rebfläche im Jahr 2025 um drei Prozent auf 25.822 Hektar. Flächen würden häufig aufgegeben, weil sich ihre Bewirtschaftung wirtschaftlich nicht mehr lohne. Nach Darstellung des Landwirtschaftsministeriums übersteigt das Angebot an Rebflächen derzeit deutlich die Nachfrage.

Özdemir warnt vor Folgen für Landschaft und ländlichen Tourismus

Der Rückzug des Weinbaus gefährde nach den Worten des Ministerpräsidenten weit mehr als nur einen Wirtschaftszweig. „Unsere Kulturlandschaft ist ohne Weinbau schlicht nicht vorstellbar“, sagte Özdemir. Mit jedem Weinbaubetrieb oder jeder Winzergenossenschaft, die aufgegeben werde, könne ein Teil der Weinkultur und der Kulturlandschaft verloren gehen.

Auch der Tourismus im ländlichen Raum sei betroffen. Brachliegende Weinberge seien keine attraktive Landschaft für Besucher. Den Kauf heimischer Weine bezeichnete Özdemir als einen „Akt des Patriotismus“.

Land verbindet neue Förderung mit Appell an die Verbraucher

Landwirtschaftsministerin Marion Gentges erklärte, das bereits am Ende der vergangenen Legislaturperiode gestartete Sofortprogramm sei zu einer Weinbaustrategie mit Förderprogramm weiterentwickelt worden. Mit dem Inkrafttreten der Verwaltungsvorschrift Weinbau stärke das Land den heimischen Weinbau durch gezielte Fördermaßnahmen, um Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Betriebe zu fördern. Zugleich sollten die Voraussetzungen für einen umweltbewussteren und nachhaltigeren Weinbau geschaffen werden.

Gentges kündigte außerdem ein Spitzengespräch mit den beiden Weinbauverbänden und dem Genossenschaftsverband an. „Wir stehen an der Seite unserer Winzerinnen und Winzer und helfen ihnen in dieser schwierigen Zeit mit verschiedenen Maßnahmen. Es kommt aber auch auf uns als Verbraucher an. Denn es geht nicht darum, mehr Alkohol zu trinken. Vielmehr geht es darum, bewusst zu genießen und dafür bewusst zu Weinen aus der Region zu greifen“, sagte die Ministerin.

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Kommt die Zuckersteuer noch? Die neun Länder-Agrarminister von CDU und CSU sind dagegen - und schreiben dem Kanzler einen Brief.

Bestimmte Geschäftsreisen sollen nach einer EU-Reform von der vorherigen A1-Meldung ausgenommen werden, berichtet der VDR. Bis die neuen Vorschriften anwendbar sind, müssen Unternehmen die bisherigen Vorgaben beachten.

Erst am Mittwoch hatte Vizekanzler Klingbeil seinen Entwurf an die Ministerien gegeben, nun tritt das Kanzleramt auf die Bremse. Die Zuckersteuer liegt erst einmal auf Eis. Klingbeil rechnet dennoch mit schneller Einigung.

Die geplante Steuer auf zuckerhaltige Getränke soll dem Staat im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. Das geht aus einem Entwurf des Finanzministeriums hervor, über den zuerst das «Handelsblatt» berichtete. Im Bundestag sind die Pläne der Regierung umstritten.

Ab 1. Oktober dürfte der Kaffee im Wegwerfbecher in Potsdam teurer werden. Die Landeshauptstadt führt im Alleingang eine Verpackungssteuer ein. Massive Kritik kommt aus der Wirtschaft.

Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband hat die Plattform minijobs-erhalten.de gestartet, um auf drohende Kostensteigerungen und Belastungen für Minijobs aufmerksam zu machen.

Die deutsche Wirtschaft fordert eine umfassende Reform des Datenschutzes. 90 Prozent der Unternehmen halten laut Bitkom-Umfrage eine gezielte Reform der Datenschutz-Grundverordnung für notwendig.

Kurz vor dem geplanten Start der Verpackungssteuer in der brandenburgischen Stadt Potsdam reißt die Kritik nicht ab. Die Gastronomie ist verärgert, Bürger sind verunsichert. Die Steuer auf Einweg-Verpackungen soll trotzdem zum 1. Oktober kommen.

Bei einer Anhörung des Tourismusausschusses haben Vertreter der Reisebranche über Verwaltungsaufwand und digitale Konkurrenz gesprochen. Der Deutsche Reiseverband fordert faire Wettbewerbsbedingungen und Unterstützung kleinerer Unternehmen beim Einsatz von KI.

Digitale Belege sollen bald Standard werden. Dazu hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums beschlossen. Welche Regeln und Ausnahmen das Kabinett für die Kassenpflicht vorsieht.