Tarifkonflikt in Rheinland-Pfalz: Verhandlungen im Gastgewerbe ohne Ergebnis

| Politik Politik

In Bad Kreuznach sind die Tarifverhandlungen für das rheinland-pfälzische Gastgewerbe vorerst ohne Einigung zu Ende gegangen. Der DEHOGA Rheinland-Pfalz reagierte auf das Scheitern der Gespräche mit deutlicher Kritik an der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Hintergrund der Verhandlungen ist der von der Gewerkschaft zum 31. März 2025 gekündigte Tarifvertrag, der die Entlohnung von mehr als 100.000 Beschäftigten in der Region regelt.

Arbeitgeberseite unterbreitet Angebot über zehn Prozent

Die Arbeitgeberseite legte im Rahmen der Gespräche ein Angebot vor, das eine schrittweise Lohnerhöhung vorsah. Geplant waren drei Stufen von jeweils 3,5 Prozent, was über einen Zeitraum von 24 Monaten eine Steigerung von insgesamt mehr als zehn Prozent ergeben hätte. Nach Angaben des Verbandes bestand zudem die Bereitschaft, diesen Abschluss für allgemeinverbindlich erklären zu lassen, damit alle Mitarbeiter der Branche von der Erhöhung profitieren.

Gereon Haumann, Präsident des Dehoga Rheinland-Pfalz, äußerte sich unzufrieden über den Verlauf der Verhandlungen: „Die NGG verhindert mit ihren maßlosen und unverantwortlichen Forderungen die arbeitgeberseitig angebotenen Lohnsteigerungen von mehr als 10 Prozent in den kommenden vierundzwanzig Monaten für mehr als 100.000 Beschäftigte im rheinland-pfälzischen Gastgewerbe umzusetzen.“ Er verwies zudem darauf, dass die Gewerkschaft im Bundesland weniger als 1,5 Prozent der Mitarbeiter vertrete, was aus Sicht des Verbandes Fragen zur Verhältnismäßigkeit aufwerfe.

Wirtschaftliche Lage der Betriebe bleibt angespannt

Der Branchenverband begründet sein Angebot auch mit der schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen. Laut Verbandsangaben hat das Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz das sechste Verlustjahr in Folge hinter sich. In den Kalenderjahren 2024 und 2025 hätten jeweils rund 500 Betriebe durch Insolvenzen oder Geschäftsaufgaben den Markt verlassen müssen. Dies entspreche einem Rückgang von zehn Prozent der Betriebe innerhalb von nur zwei Jahren.

Gereon Haumann betonte die Ernsthaftigkeit der Lage: „Diese dramatische Entwicklung kann niemand ernsthaft ignorieren.“ Er forderte die Arbeitnehmervertreter auf, ihre aktuelle Position zu überdenken, um zeitnahe Gehaltssteigerungen zu ermöglichen. „Wir fordern die NGG auf, ihre Blockadehaltung gegenüber den angebotenen verantwortungsvollen Gehaltssteigerungen aufzugeben und den Beschäftigten schnellstmöglich die Lohnerhöhungen von insgesamt mehr als zehn Prozent zu gewähren. Jeder Monat Verzug kostet die Mitarbeitenden im Gastgewerbe wertvolles Geld!“, so der Präsident abschließend.

Gewerkschaftliche Forderungen in der Kritik

Aus Sicht der Arbeitgebervertreter seien die Forderungen der NGG realitätsfern und würden eine tragfähige Lösung für die Branche verhindern. Man bleibe jedoch grundsätzlich gesprächsbereit, um auf Basis einer Sozialpartnerschaft Lösungen zu finden, die sowohl den Interessen der Mitarbeiter als auch der Zukunftssicherung der Betriebe gerecht werden. Bisher konnte jedoch kein neuer Termin für eine Fortsetzung der Gespräche genannt werden, wodurch die Umsetzung der angebotenen Lohnsteigerungen zunächst ausbleibt.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Ein politischer Appell des DEHOGA Sachsen-Anhalt, im Nachgang der Landtagswahlen, sorgt für heftigen Streit: Rund 1.700 Kommentare haben sich unter dem Facebook-Beitrag gesammelt. Während einige Nutzer ankündigen, das Bundesland als Reiseziel zu meiden, werfen andere dem Verband vor, Hotellerie und Tourismus zu schaden.

Ferienwohnungen für Touristen, steigende Mieten für Einheimische: In vielen europäischen Städten wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Die Europäische Kommission will Kommunen und Behörden deshalb einen rechtssicheren Rahmen an die Hand geben, um Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb und Booking stärker zu begrenzen. 

Klare Ansage der Potsdamer Wirtschaft: 85 Prozent der 110 teilnehmenden Unternehmen lehnen die Einführung der kommunalen Verpackungssteuer ab. Das ist das zentrale Ergebnis einer gemeinsamen Mitgliederbefragung verschiedener Verbände.

Hürden für einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben müssen abgebaut werden, sagt der Gewerkschaftsbund. Auch auf hohe Lebenshaltungskosten müsse reagiert werden. Wie sich der DGB das vorstellt.

Vertreter des Berliner Senats und des Dehoga haben das Konzept für die Errichtung des Hoga Campus in Berlin-Tempelhof vorgestellt. Das Projekt soll Ausbildung, Weiterbildung, Praxis und Austausch an einem Ort verknüpfen.

Anfang Juli bezeichnete der DEHOGA Bayern die höhere Pauschalsteuer für Minijobs noch als „moderate Anpassung“. Zwei Monate später spricht der Bundesverband von einem „völlig falschen Signal“. Ein Kommentar von Marc Schnerr über veränderte Rahmenbedingungen – und bemerkenswert unterschiedliche Tonlagen.

Zahlreiche Wirte an der Frankfurter Bockenheimer Landstraße wenden sich gegen den geplanten Straßenumbau. In einem offenen Brief fordern sie Verkehrsdezernent Yannick Schwander auf, die vorgesehene Verkehrsführung zu überarbeiten.

Mit deutlicher Kritik reagiert der Dehoga auf den Kabinettsbeschluss zur Einkommensteuerreform. Wer sich politisch zum Minijob bekenne, müsse ihn auch bezahlbar halten, so Verbandspräsident Guido Zöllick.

Online-Plattformen für Kurzzeitvermietungen müssen erstmals Belegungsdaten über die Datendrehscheibe der Bundesnetzagentur übermitteln. Tobias Warnecke vom Hotelverband Deutschland verweist bei der Umsetzung auf die entscheidende Rolle einer zentralen Infrastruktur auf Landesebene.

Bis zu 120 Betriebe aus Rheinland-Pfalz sollen das kostenfreie Beratungsangebot bis Ende 2027 nutzen können. Minister Ebling hat vor allem Hoteliers oder Gastronomen aus einer Region im Auge.