Tourismusausschuss ​​​​​​​- Reisebranche fordert weniger Bürokratie und faire Wettbewerbsbedingungen

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Vertreter von Reisebüros und Reiseveranstaltern haben bei einer öffentlichen Anhörung des Tourismusausschusses des Bundestages am 23. September 2026 über Verwaltungsaufwand, digitale Plattformen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz gesprochen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) forderte faire Wettbewerbsbedingungen und Unterstützung für kleinere Unternehmen bei der Digitalisierung.

Der Reisewissenschaftler Nico Stengel bezifferte die Zahl der Reisebüros in Deutschland auf rund 11.000. Etwa 5.000 davon seien unabhängige, inhabergeführte Betriebe. Der gesamte gebuchte Reiseumsatz der Reisebüros habe 2025 rund 21 Milliarden Euro betragen. Hinzu kämen rund 1.700 Reiseveranstalter und etwa 1.000 Busreiseveranstalter.

Kleine Veranstalter verlangen abgestufte Pflichten bei Nachweisen und Prüfungen

Stengel verwies auf mehrere Vorgaben, mit denen sich die Unternehmen gleichzeitig befassen müssten: die novellierte EU-Pauschalreiserichtlinie, die Reform der EU-Fluggastrechteverordnung, die E-Rechnung sowie Änderungen im Verbraucher- und Versicherungsrecht. Das könne kleine Betriebe „an den Rand der Belastbarkeit bringen“, sagte er.

Jens Freudenberg, Gründer und Geschäftsführer von Scandtrack Touristik, schilderte den Aufwand anhand seines Unternehmens mit fünf festangestellten Mitarbeitern. Nach seiner Rechnung entfielen 35 bis 40 Prozent seiner Arbeitszeit und rund zehn Prozent des Umsatzes auf Verwaltung und Nachweise. Freudenberg forderte abgestufte Nachweis-, Melde- und Prüfpflichten für Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten.

Reiseverband fordert Zugang zu Technik und faire Wettbewerbsbedingungen

DRV-Präsident Albin Loidl verwies auf verändertes Kundenverhalten, digitale Vertriebsplattformen und steigende Anforderungen an Technik und Prozesse. „Entscheidend ist, ob Unternehmen Zugang zu dieser Technologie haben, ob der Wettbewerb fair bleibt und wie sie ihre eigenen Stärken ausspielen können“, sagte er nach Angaben des Verbands.

Der DRV sehe geringe Chancen, das Geschäftsmodell digitaler Plattformen durch wettbewerbsrechtliche Einschränkungen zurückzudrängen. Stattdessen müssten Reisebüros ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Loidl nannte Beratung, Erfahrung und Unterstützung bei Problemen während einer Reise als Stärken des persönlichen Vertriebs. Zudem brauche die Branche effizientere Prozesse und Schnittstellen zwischen Reisebüros, Veranstaltern und Leistungsträgern.

Nach Darstellung des DRV nutzen Reiseveranstalter KI bereits in verschiedenen Bereichen. Im Reisevertrieb komme sie insbesondere bei Planungs- und Buchungsprozessen zum Einsatz. Der Verband unterstützt seine Mitglieder eigenen Angaben zufolge mit Schulungen, Webseminaren und Informationspapieren. Zugleich warnte Loidl vor einer Konzentration von Kundendaten sowie digitalen Besucher- und Umsatzströmen bei wenigen globalen Technologiekonzernen. Der DRV fordert Schutz für geistiges Eigentum und Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen beim Aufbau digitaler Kompetenzen.

Reisebüros und Veranstalter sprechen über Beratung und Nachhaltigkeitsaussagen

Peggy Hähnel, Geschäftsführerin eines mobilen Reisebüros in Cottbus, bezeichnete persönliche Beratung als Stärke kleiner Reisebüros. Ihre Kunden schätzten einen festen Ansprechpartner, insbesondere bei Fernreisen, Kreuzfahrten und Individualreisen.

Roland Streicher, Gründer des Reiseveranstalters ReNatour, berichtete von Unsicherheit bei der Umsetzung der europäischen EmpCo-Richtlinie. Unter Fachleuten werde diskutiert, welche Aussagen zur Nachhaltigkeit künftig mit welchen Nachweisen zulässig seien. Streicher forderte einen Leitfaden für zulässige Formulierungen.

Marija Linnhoff, Erste Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbständiger Reiseunternehmen, regte eine Debatte über die rechtliche Stellung unabhängiger Reisebüros an. Diese investierten in eigene Technik, entschieden über ihr Sortiment und trügen unternehmerische Risiken. Linnhoff forderte Rechtssicherheit für ihre Tätigkeit.

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