Tourismuswirtschaft warnt vor Folgen zentraler AfD-Positionen

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Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hat am 18. September 2026 vor den Folgen zentraler Positionen und Forderungen der AfD für die Tourismuswirtschaft gewarnt. Der Verband erklärte, er bewerte politische Programme und deren Auswirkungen auf die Branche, nicht individuelle Wahlentscheidungen.

Nach Auffassung des BTW stehen insbesondere eine deutlich restriktive Zuwanderungspolitik, die Infragestellung des Schengen-Systems und die im AfD-Parteiprogramm vorgesehene Abkehr vom Euro wesentlichen Interessen der Tourismuswirtschaft entgegen.

BTW bezeichnet Offenheit und Mobilität als zentrale Geschäftsgrundlagen

„Unsere Branche lebt von Offenheit, Mobilität und internationalem Austausch“, erklärte BTW-Präsident Sören Hartmann. Menschen über Grenzen hinweg zusammenzubringen und Gäste aus aller Welt willkommen zu heißen, gehöre zum Kern der Tourismuswirtschaft.

Schengen, Reisefreiheit, die gemeinsame Währung im Euro-Raum und die Arbeitskräftezuwanderung aus dem Ausland seien für die Betriebe keine Symbolthemen, sondern zentrale Geschäftsgrundlagen. Der Verband verweist in diesem Zusammenhang auf den Anteil von Beschäftigten mit Migrationshintergrund im Gastgewerbe.

Nach Angaben des BTW haben 44,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe einen Migrationshintergrund. Damit liege ihr Anteil deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Ohne diese Beschäftigten würden Teile der Branche stillstehen, erklärte der Verband.

Der BTW verwies zudem auf die Vielfalt innerhalb der Tourismuswirtschaft. Einschränkungen des queeren Lebens hätten nach Auffassung des Verbandes nicht akzeptable Konsequenzen für zahlreiche Kunden und Mitarbeiter.

Verband warnt vor Belastungen durch Grenzkontrollen und Euro-Abkehr

Offene Grenzen innerhalb Europas seien für die Tourismuswirtschaft von großer Bedeutung, erklärte der BTW. Dauerhafte Grenzkontrollen würden die grenzüberschreitende Mobilität von Gästen und Beschäftigten erschweren und belasten.

Betroffen wären demnach Pkw- und Flugreisende, die Bus- und Bahntouristik sowie Flusskreuzfahrten. Die Auswirkungen beschränkten sich nicht auf Übernachtungsgäste, sondern beträfen auch den Tagesreiseverkehr.

Im Luftverkehr würden längere Umsteigezeiten nach Einschätzung des Verbandes zudem die Drehkreuzfunktion der deutschen Flughäfen schwächen. Eine Abkehr vom Euro würde neue Wechselkursrisiken schaffen und langfristige Kalkulationen in der Tourismuswirtschaft erschweren.

Hartmann fordert Entlastungen und Lösungen der politischen Mitte

Hartmann verwies zugleich auf den Frust vieler Bürger und Unternehmen. Der Wirtschaftsstandort schwächele in vielerlei Hinsicht, die Kosten – insbesondere für Energie – stiegen, die Menschen hätten immer weniger verfügbares Geld und zahlreiche Unternehmen kämpften um ihre Existenz. Dies gelte auch für Betriebe der Tourismuswirtschaft.

„Die Lösung all dessen liegt jedoch nicht in weniger Internationalität und wirtschaftspolitischer Abschottung“, erklärte Hartmann. Der BTW appellierte an die Parteien der politischen Mitte, gemeinsam, entschlossen und mit weniger Streitigkeiten als zuletzt tragfähige Lösungen zu erarbeiten.

Erforderlich seien Maßnahmen, die Bürger und Unternehmen spürbar entlasteten, neues Vertrauen schafften und den Weg für Wachstum und neue Aufbruchstimmung ebneten. Hartmann äußerte sich zu dem Thema auch auf dem 28. fvw|TravelTalk Kongress, der in der Woche bis zum 18. September 2026 in Leipzig stattfand.

Der BTW ist der Dachverband der deutschen Tourismuswirtschaft. Nach Verbandsangaben steht die Branche für rund 3,7 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland und beschäftigt etwa 2,7 Millionen Menschen. Der Verband werde von Fachverbänden und Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen der touristischen Wertschöpfungskette getragen und bündele mehr als 65.000 Akteure.

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