Wirtschaftsverbände fordern Umstellung auf wöchentliche Höchstarbeitszeit

| Politik Politik

Ein Bündnis aus 14 deutschen Wirtschafts- und Branchenverbänden unterstützt die Initiative „Wochenarbeitszeit jetzt“. Ziel der beteiligten Akteure ist die Modernisierung des Arbeitszeitrechts, um Betrieben sowie Beschäftigten mehr Spielraum bei der Gestaltung der Arbeitszeit zu ermöglichen. Die Forderung orientiert sich dabei an den Vorgaben der Europäischen Arbeitszeitrichtlinie.

Flexibilisierung der Arbeitszeitregelungen

Nach Angaben des DEHOGA Bundesverbandes, der die Initiative ursprünglich ins Leben gerufen hat, soll die Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit den wachsenden Anforderungen an flexible Arbeitsmodelle gerecht werden. Die beteiligten Verbände begründen ihr Vorhaben mit den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Laut Mitteilung belasten Faktoren wie Inflation, Steuern, Abgaben sowie Bürokratie den Standort, während gleichzeitig kaum wirtschaftliches Wachstum zu verzeichnen ist.

Die Forderung nach einer Flexibilisierung greift ein Vorhaben auf, das bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbart wurde. Wie aus den Informationen hervorgeht, wird erwartet, dass das Bundesarbeitsministerium noch vor der anstehenden Sommerpause einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen wird.

Branchen fordern Anpassung an betriebliche Realitäten

Vertreter der beteiligten Verbände betonen, dass eine Anpassung der Arbeitszeitregelungen nicht mit einer Ausweitung der Arbeitszeit gleichzusetzen sei. Vielmehr stehe die bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Ehrenamt und Pflege im Fokus. Insbesondere in der mittelständisch geprägten Tourismus- und Veranstaltungsbranche, zu der unter anderem Hotellerie, Gastronomie, Reisebüros sowie die Messewirtschaft zählen, sei die geltende tägliche Höchstgrenze für die betriebliche Praxis unzureichend.

Laut den Stellungnahmen der Bündnispartner, darunter der Deutsche Reiseverband (DRV), der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) und der Hotelverband Deutschland (IHA), ermöglichen flexible Arbeitszeitmodelle eine bessere Bewältigung von Auftragsspitzen und kurzfristigen Anforderungen. Die Verbände verweisen darauf, dass die Branche auf Flexibilität angewiesen sei, um den Serviceansprüchen der Kunden gerecht zu werden und internationale Gäste in Deutschland angemessen zu betreuen. Die Initiative „Wochenarbeitszeit jetzt“ steht weiteren Partnern offen, die sich der Forderung nach einer Reform anschließen möchten.

Vielfältige Unterstützung aus der Wirtschaft

Zu dem aktuell 14 Verbände umfassenden Bündnis zählen neben dem DEHOGA Bundesverband und dem BTW unter anderem der AUMA – Verband der deutschen Messewirtschaft, der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) sowie die LiveMusikKommission. Auch der Bundesverband der Campingwirtschaft, der Bundesverband der Deutschen Incoming-Unternehmen und der Verband Deutsches Reisemanagement unterstützen das Vorhaben aktiv.

Die beteiligten Organisationen betonen, dass die angestrebte Neuregelung die Möglichkeiten europäischer Vorgaben nutzen soll, um sowohl die Produktivität der Unternehmen zu steigern als auch den Wünschen der Arbeitnehmer nach mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeitverteilung entgegenzukommen. Dabei soll der Arbeitsschutz sowie die Einhaltung von Ruhezeiten weiterhin gewahrt bleiben.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die Bundesregierung hat die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie verpasst. Nach derzeitiger Planung soll das Gesetz erst Anfang 2027 in Kraft treten, während Berichtspflichten und Auskunftsansprüche ab Juni 2028 greifen sollen.

Eine eigene Rentenkommission des Deutschen Gewerkschaftsbunds hat eine Alternative zu den Reformplänen der Regierung erarbeitet. Das Konzept verspricht ziemlich viel. Wie soll es finanziert werden?

Arbeiten bei mehr als 30 Grad, vielleicht sogar körperlich? Das ist nicht nur anstrengend, sondern kann auch gefährlich werden. Gewerkschaften setzen sich für mehr Schutz ein.

Mit Ernst Fischer verliert das deutsche Gastgewerbe eine seiner bedeutendsten Persönlichkeiten. Der langjährige Präsident und spätere Ehrenpräsident des DEHOGA Bundesverbandes ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Sein Wirken reicht weit über seine Amtszeit hinaus.

Die Diskussion um die mögliche Abschaffung oder deutliche Einschränkung von Minijobs wird derzeit mit erstaunlich vielen Emotionen geführt – und erstaunlich wenig über die eigentlichen Auswirkungen. Ein Kommentar von Marc Schnerr.

Die Rentenkommission hat eine Reihe von Vorschlägen zur Zukunft der Alterssicherung vorgelegt. Vom Renteneintrittsfenster bis zur Kapitalrente – das steckt hinter den ungewohnten Begriffen.

Der DEHOGA kritisiert Pläne der Rentenkommission, den Sonderstatus von Minijobs künftig auf Schüler zu beschränken. Der Verband warnt vor erheblichen Folgen für die Personalplanung in Hotellerie und Gastronomie.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat ein neues Landesgaststättengesetz beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem längere Öffnungszeiten für die Außengastronomie in künftig festzulegenden Ausgehvierteln.

Die Rentenkommission will beitragsfreie Minijobs künftig auf Schüler beschränken. Besonders das Gastgewerbe könnte von der geplanten Änderung betroffen sein: Jeder zweite Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie arbeitet auf Minijob-Basis.

München will die Vermietung von Ferienwohnungen künftig stärker kontrollieren. Der Sozialausschuss des Stadtrats hat eine Registrierungspflicht beschlossen und weitere Änderungen bei der Zweckentfremdung von Wohnraum auf den Weg gebracht.