2021 rund 59 Milliarden Euro Verlust in deutschen Destinationen durch Corona

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Nach aktuellen Berechnungen der Tourismusberatung dwif beläuft sich der Umsatzausfall in den Destinationen in Deutschland für den Zeitraum Januar bis Dezember 2021 auf 58,9 Mrd. Euro. Der Übernachtungstourismus ist davon etwas stärker betroffen als der Tagestourismus.

Umsatzeinbußen von rund 59 Mrd. Euro in den Destinationen in Deutschland

Nach wie vor hält die durch Covid-19 ausgelöste Krise die Tourismusbranche in Atem. Die Nachfrage ist eingebrochen, dann hat sie wieder angezogen, ist erneut eingebrochen, wieder angezogen. Die gesamte Tourismuswirtschaft hofft, 2022 wieder an alte Erfolge anknüpfen und neue Potenziale nutzen zu können. Doch die Rahmenbedingungen bleiben volatil.

Nach aktuellen Berechnungen der Tourismusberatung dwif im Rahmen des dwif-Corona-Kompass beläuft sich der Umsatzausfall in den Destinationen in Deutschland für den Zeitraum Januar bis Dezember 2021 auf 58,9 Mrd. Euro. Der Übernachtungstourismus (Umsatzausfall 31,7 Mrd. Euro) ist davon etwas stärker betroffen als der Tagestourismus (27,2 Mrd. Euro).  Das entspricht rein statistisch wöchentlichen Umsatzeinbußen in diesem Zeitraum in Höhe von 1,1 Mrd. Euro. Hierbei sind die Fahrtkosten für die An- und Abreise noch nicht berücksichtigt.

Die aktuellen Ergebnisse wurden am 29. März 2022 im Rahmen der Online-Reihe „dwif-Impulse“ von Karsten Heinsohn und Moritz Sporer vom dwif präsentiert. Mit ihren Gästen Matthias Hickl (Director Business Intelligence Deutsche Zentrale für Tourismus e. V.) und Dr. Jürgen Amann (Geschäftsführer KölnTourismus GmbH) diskutierten sie zudem die Perspektiven und Herausforderungen für den Deutschland-Tourismus 2022.

Tagestourismus & Freizeitwirtschaft: Rückgang der Tagesreisen um 17 Prozent

Für den Zeitraum Januar bis Dezember 2021 bilanziert der deutschlandweite dwif-Tagesreisenmonitor einen Rückgang der Tagesreisen um rund 17 Prozent im Vergleich zu einem Normaljahr. Ab Frühsommer 2021 war analog zu 2020 jedoch eine schnelle Regenerationsgeschwindigkeit im Gesamtmarkt zu beobachten, sodass im Sommer 2021 in einigen Kalenderwochen das Ausgangsniveau von 2019 sogar übertroffen wurde. Seit dem zweiten Halbjahr 2021 ist eine zunehmende Normalisierung der Aktivitäten zu beobachten, wenngleich für 2021 als Gesamtjahr weiterhin „naturnahe Aktivitäten“ im Trend lagen und tagestouristische Anlässe wie Shopping und Veranstaltungsbesuche immer noch Rückgänge verzeichneten.

Die Freizeitwirtschaft mit ihren Einrichtungen als wichtiger Anlaufpunkt für die Aktivitäten der Einheimischen, der Tages- und Übernachtungsgäste stand zwischen Januar und April 2021 nahezu komplett still. Ab Mai liefen viele Aktivitäten wieder an. Im Sommer 2021 (zwischen Juni und September 2021) lagen die Besucherzahlen noch 21 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Für das Gesamtjahr 2021 lagen die Besucherzahlen gemäß dem dwif-Freizeitmonitoring allerdings immer noch um knapp 44 Prozent unter dem Niveau von 2019 und 5 Prozent unter den Vorjahresergebnissen aus 2020. Erneute Einschränkungen durch 2G-Regelungen sowie vereinzelt regionale Lockdowns zum Jahresende verhinderten eine bessere Entwicklung.

Outdoor-Einrichtungen sind nach wie vor im Vorteil. Die Entwicklung in Indoor-Einrichtungen ist vom weiteren Pandemieverlauf abhängig. Aus momentaner Sicht ist mit wegfallenden Einschränkungen jedoch eine Annäherung der Besucherzahlen für 2022 an das Vorkrisenjahr 2019 möglich.

Übernachtungstourismus 2021

Im Zeitraum Januar bis Dezember 2021 wurden im Vergleich zu einem Normaljahr bundesweit rund 185 Mio. gewerbliche Übernachtungen weniger verzeichnet (-37,4 Prozent). Die Entwicklung zeigte sich länderspezifisch jedoch sehr unterschiedlich und reichte von -10,0 Prozent (Schleswig-Holstein) bis -59,1 Prozent (Berlin). 2021 waren die innerdeutschen Aktiv-Urlaubsziele an den Küsten und Seen stark nachgefragt. Lokal waren bereits wieder Zuwächse durch einen ausgebuchten Ferienwohnungsmarkt und das starke Camping-Segment zu beobachten. Die Recovery in Städtedestinationen gestaltet sich nach wie vor langsamer, aber mit ersten positiven Signalen.

Regional betrachtet waren die Übernachtungsrückgänge im Vergleich zu einem Normaljahr an der Ostsee Schleswig-Holstein, in der Holsteinischen Schweiz, in der Prignitz, an der schleswig-holsteinische Nordessküste und im Lausitzer Seenland sowie in der Region Mittelweser am geringsten. Unter den Regionen mit den größten Einbußen gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie finden sich die Ahr (bedingt durch die Flutkatastrophe) sowie die Städtedestinationen Düsseldorf und Kreis Mettmann, Berlin, Main und Taunus (mit Frankfurt/Main) und München – allesamt geprägt von hohen Anteilen in den Geschäftsreisesegmenten und/oder im Incoming.

In den Sommerferienmonaten Juli bis August 2021 verbuchten bundesweit immerhin fast 50 Destinationen Übernachtungszuwächse gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019.

Fokus Gastgewerbe

Viele Betriebe in Urlaubsregionen konnten 2021 höhere Preise durchsetzen, während die durchschnittlichen Zimmerpreise bundesweit um rund 15 Prozent zurückgingen (2021 gegenüber 2019). Allerdings erreichen die Preisniveaus in der Hochsaison teilweise bereits die Akzeptanzgrenze bei den Gästen. Die Stadthotellerie erholt sich nur langsam und Kapazitäts-/Zugangsbeschränkungen durch Hygiene- und Abstandsregeln drücken weiterhin die Auslastung. MICE-Betriebe und der Kultur- und Eventbereich erholen sich zunehmend.

Eine der größten Herausforderungen für die Betriebe ist und bleibt der Personalmangel. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: -12 Prozent bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im deutschen Gastgewerbe (2021 gegenüber 2019) und -21 Prozent bei den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Hinzu kommen steigende Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise, die kurzfristig weitere Preisanpassungen bei den Betrieben notwendig machen.

Die aktuelle Datenlage lässt keine Rückschlüsse auf ein „massives Unternehmenssterben“ im bundesdeutschen Gastgewerbe zu, bestätigt aber insgesamt eine geringere Dynamik, denn die Anzahl der Insolvenzen sowie Gewerbeabmeldungen/-anmeldungen sind rückläufig.


 

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