75 Jahre Unesco: Unbekanntes Welterbe in Deutschland

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Die legendäre Inka-Stadt Machu Picchu, die Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha, das indische Taj Mahal: Weltweit gibt es 1121 Unesco-Welterbestätten in 167 Ländern – und es werden jedes Jahr mehr.

Allein in Deutschland hat die UN-Kulturorganisation Unesco, die im November ihren 75. Geburtstag feiert, bisher schon 46 künstlerische Meisterwerke, einzigartige Naturlandschaften und bedeutende Zeugnisse vergangener Kulturen unter Schutz gestellt.

Da ist es nicht einfach Schritt zu halten. Das Siegel sei zwar ein «Qualitätsmerkmal», sagt Claudia Schwarz, Vorsitzende des Vereins Unesco-Welterbestätten Deutschland. Doch es gelinge eben nicht jeder Stätte, nach dem Rummel um die Titelverleihung das Interesse auch aufrechtzuerhalten – und in Besucherzahlen umzusetzen.

So lautete das ernüchternde Ergebnis einer Tourismusstudie vor einigen Jahren: Der Kölner Dom ist weithin bekannt. Um den besonderen Status vieler Sehenswürdigkeiten vor ihrer Haustür allerdings wissen die Deutschen gar nicht. Hier sind daher fünf Welterbestätten, von denen man vielleicht noch nie gehört hat.

Ein lebendes Architekturdenkmal: das Fagus-Werk Alfeld

Jede Menge Glas und Stahl lassen das Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld jünger aussehen als es ist. Dabei werden in der alten Fabrik schon seit mehr als 100 Jahren Schuhleisten produziert. Die Anlage von 1911 gilt als Ursprungsbau der modernen Industriearchitektur und ist das Erstlingswerk des berühmten Architekten und Bauhausgründers Walter Gropius. 2011 würdigte das Unesco-Welterbekomitee die außergewöhnliche, schwerelose Eleganz des Gebäudes und setzte das Fagus-Werk auf die Weltkulturerbeliste.

Doch hier kommen nicht nur Architekturfans auf ihre Kosten: Führungen auf dem Außengelände und die Fagus-Gropius-Ausstellung im ehemaligen Lagerhaus geben interessante Einblicke in die Industriegeschichte. Und wer ein Faible für Schuhe hat, kann im Modellkeller gleich 30 000 Originalmodelle bewundern.

Landschaftskunst im Reinformat: der Muskauer Park

Gartenkunst, Naturmalerei, Welterbe: Das Meisterwerk von Hermann Fürst von Pückler-Muskau im sächsischen Bad Muskau trägt viele Attribute. Der Muskauer Park, der 2004 als außergewöhnliches Beispiel eines europäischen Landschaftsparks sowie einer künstlerischen Ideallandschaft auf deutsch-polnischen Antrag in die Unesco-Liste aufgenommen wurde, gleicht einem lebendigen Gemälde.

Mit den Stilmitteln der Landschaftsmalerei stimmte der Fürst Vorder- und Hintergrund aufeinander ab, die weitläufigen Parkräume gehen harmonisch in die umgebende Landschaft beiderseits der Neiße über, Parkwege eröffnen immer wieder neue Perspektiven in der Inszenierung.

Der 1815 angelegte Landschaftsgarten mit einem 50 Kilometer langen Wegenetz lässt sich prima per Fahrrad oder Kutsche erkunden. Wer den exzentrischen Fürsten und seine «Parkomanie» besser kennenlernen möchte, kann die unterhaltsame Dauerausstellung im Neuen Schloss besuchen.

Schöne Fassade: die Siedlungen der Berliner Moderne

Die Museumsinsel gehört bei einem Berlin-Besuch zum Pflichtprogramm. Auch die Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin stehen bei vielen Touristen hoch im Kurs. Angesichts dieser Konkurrenz tut sich die dritte Welterbestätte der Hauptstadt etwas schwerer.

Dabei wurden die sechs Siedlungen der Berliner Moderne, die zwischen 1913 und 1934 als Gegenentwurf zum Mietskasernenelend der Arbeiterfamilien entstanden, zum Vorbild für das ganze 20. Jahrhundert – und sind auch heute noch beliebte Wohnquartiere.

Besonders schön ist ein Spaziergang durch die Gartenstadt Falkenberg im Bezirk Treptow-Köpenick. Die sogenannte Tuschkastensiedlung des Architekten Bruno Taut zieht mit bunten Fassaden und geometrischen Formen die Blicke auf sich. Info-Stationen gibt es in der Großsiedlung Siemensstadt und in der Hufeisensiedlung, außerdem werden in allen sechs Siedlungen Führungen zu angeboten.

Zurück zu den Wurzeln: Deutschlands alte Buchenwälder

Ohne den Einfluss des Menschen wäre Deutschland zu zwei Dritteln mit Buchenwäldern bedeckt, doch die einzigartigen Waldökosysteme schwinden. Wo man heute noch unberührte Laubwälder findet, verrät die Welterbeliste der Unesco: Seit 2011 stehen fünf Buchenwaldgebiete in den Nationalparks Jasmund, Müritz, Hainich und Kellerwald-Edersee sowie im Unesco-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zusammen mit anderen europäischen Regionen unter Schutz.

Erkunden kann man die Wälder zum Beispiel mithilfe der kostenlosen Weltnaturerbe-App, die den Besucher auf ausgewählten Routen durch die so unterschiedlichen Schutzgebiete lotst. Während die Buchen auf Rügen vom Kreidefelsen ins Meer zu stürzen scheinen, neigen sie sich an der Müritz über das Moor. In der Schorfheide in Brandenburg spiegeln sich die Stämme in klaren Seen, im hessischen Kellerwald drücken sich knorrige Baumgestalten an karge Hänge. Und im thüringischen Hainich ragen die mächtigen Bäume im Frühling aus einem wahren Blütenmeer heraus.

10.000 Jahre Geschichte: die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen

Die archäologischen Stätten liegen unsichtbar unter Wasser, doch am Bodensee kommen bis heute sensationelle Funde ans Tageslicht: Textilien, Einbäume, Räder – im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen ballen sich 10 000 Jahre Geschichte auf nur 800 Metern Strecke.

Der Rundgang durch Deutschlands ältestes Freiluftmuseum führt durch Steinzeitdörfer und befestigte Siedlungen der Bronzezeit. Rekonstruierte Pfahlhäuser und Inszenierungen geben einen Einblick in den Alltag unserer Urahnen. An schönen Herbst- und Wintertagen lässt sich auch das Seepanorama von den Stegen über dem Wasser wunderbar genießen. Insgesamt sind 111 Orte mit Pfahlbauten in sechs europäischen Ländern im Jahr 2001 Unesco-Weltkulturerbe geworden. (dpa)


 

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