Aktuelle Daten: Situation der Reisebranche „dramatisch“

| Tourismus Tourismus

Die Reisebranche kann den Corona-Rückstand in diesem Jahr wohl nicht mehr aufholen. Nach wochenlangem Stillstand zieht die Nachfrage nach Veranstalterreisen zwar allmählich an. Die Buchungen steigen in der Ferienzeit, wie aus Daten von Travel Data + Analytics (TDA) hervorgeht, die für den Reiseverband DRV zur Halbzeit der Sommerurlaubszeit ausgewertet wurden. Sie machen aber nur ein Drittel der Vorjahresumsätze zu diesem Zeitpunkt aus, wie der DRV berichtete. Die gestiegene Nachfrage zeige, «dass Verreisen auch im Corona-Sommer ein Thema ist», sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Insgesamt sei die Situation der Branche allerdings nach wie vor dramatisch.

«Das Niveau der Neubuchungen fängt die Verluste durch das Stornoaufkommen aufgrund der Reisewarnungen zurzeit noch bei weitem nicht auf», erläuterte Fiebig. Das Auswärtige Amt hatte Mitte Juni die Reisewarnung für viele Länder in Europa aufgehoben. Außerhalb Europas gilt sie aber bis mindestens Ende August weiter, zum Beispiel für die Türkei, ein bei Urlaubern aus Deutschland besonders beliebtes Ziel. Veranstalter müssen bereits gebuchte Reisen absagen.

Das gilt seit Freitag auch für Teile Spaniens. Wegen der stark steigenden Zahl von Corona-Infektionen warnte das Auswärtige Amt vor touristischen Reisen nach Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava sowie die westlich davon im Landesinneren liegenden Regionen Aragón und Navarra. Die Reisewarnung gilt nicht für Mallorca und auch nicht für die Kanaren.

Fiebig zufolge buchen die Menschen zurzeit extrem kurzfristig. Zwar steigen derzeit die Buchungen für die Herbstmonate September und Oktober. So lag ihr Anteil in der vorletzten Juli-Woche bei 22 Prozent. Die Nachfrage für die Wintersaison 2020/21 ist den Angaben zufolge aber weit unterdurchschnittlich, auch wenn sich die Daten nur auf eine Woche beziehen. «Die Unsicherheit der Kunden ist nach wie vor spürbar», sagte Fiebig. Im Winter sind vor allem Fernreisen beliebt.

Beliebt sind momentan Ziele am Mittelmeer. Ihr Buchungsanteil liegt bei Veranstalterreisen seit dem Ende der Reisewarnung bei mehr als 60 Prozent. Anfänglich bevorzugten Urlauber dem DRV zufolge Ziele im westlichen Mittelmeerraum. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen die Klassiker, die Balearen und die Kanaren. Allerdings sind die Buchungen für die Balearen in den vergangenen zwei Wochen deutlich zurückgegangen.

Die Balearenregierung hatte Mitte des Monats eine besonders strenge Maskenpflicht für Mallorca und die anderen Inseln erlassen. Illegale Partys unter anderem am «Ballermann» auf Mallorca, auf denen Hunderte ohne Sicherheitsabstand und ohne Schutzmaske feierten, hatten für Aufsehen gesorgt.

Seit zwei Wochen liegen die Reiseländer im östlichen Mittelmeerraum in der Gunst der Urlauber aus Deutschland den Angaben zufolge leicht vorn - allen voran Griechenland. Die Nachfrage nach Trips in die Türkei stürzte nach Verlängerung der Reisewarnung dagegen ab. «Alle Länder außerhalb Europas gleichzusetzen, macht keinen Sinn und wird der unterschiedlichen Situation in den einzelnen Ländern schlicht nicht gerecht», bekräftigte Fiebig Forderungen des DRV nach einer individuellen Beurteilung einzelner Staaten.

Der Tourismus zählt zu den Branchen, die von der Corona-Krise besonders hart getroffen sind. Die Bilanz weist dem DRV zufolge bislang einen Umsatzrückgang in der deutschen Reisewirtschaft von rund 20 Milliarden Euro bis Ende August aus. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer feiert 2026 sein 40-jähriges Jubiläum. Mittendrin in diesem so wichtigen Lebensraum liegen die sieben Ostfriesischen Inseln. Und das frisch rezertifiziert als Partner der Nationalparkverwaltung.

Kerosin kostet infolge des Iran-Kriegs viel mehr. Das geht auch an Urlaubern nicht spurlos vorbei, denn es hat Auswirkungen auf die Reisepreise. Auch nachträgliche Erhöhungen können rechtens sein.

Das Kabinenpersonal von Deutschlands größter Airline ist zum Streik aufgerufen. Welche Flüge betroffen sein können und welche Rechte betroffene Reisende haben - der Überblick.

Die griechische Hotelgruppe Domes Resorts hat eine Mehrheitsbeteiligung an Casa Collective erworben. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde eine entsprechende Vereinbarung mit Goldman Sachs geschlossen. Casa Collective ist die Plattform hinter den Hotelmarken Cook’s Club und Casa Cook.

Die Urlaubsinsel Capri führt eine «Anti-Belästigungs-Verordnung» ein: Aufdringliches Ansprechen von Touristen, Flyer oder Lockangebote in Restaurants werden jetzt mit bis zu 500 Euro Strafe geahndet.

Flusskreuzfahrten als Impuls für Hamburgs City: Neue Anleger mit guter Anbindung für Touristen, die Geld in Restaurants und Läden lassen sollen. Rot-Grün will Flusskreuzfahrten für die Stadt nutzen.

Venedig kostet seit letztem Freitag wieder Eintritt: zehn Euro pro Tag. An insgesamt 60 Terminen bis Ende Juli werden Kurzbesucher in der italienischen Lagunenstadt dieses Jahr erneut zur Kasse gebeten.

Krisen wie im Nahen Osten bringen Urlaubspläne ins Wanken: Laut einer Umfrage ändern 16 Prozent der Deutschen mit Plänen für Ostern oder die kommenden drei Monate ihre Reise – einige verzichten ganz.

Die Lufthansa bekennt sich endlich zu ihrer vollständigen Geschichte. Doch zum 100. Jahrestag des Erstflugs steht das Unternehmen nicht allzu glänzend da. Neue Turbulenzen zeichnen sich ab.

Wer an Nord- oder Ostsee einen Strandkorb mieten will, muss je nach Ort und Saison unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Wo sich Preise kaum ändern – und wo es teurer wird.