Allianz für das Land: Airbnb-Fonds mit DTV stößt auf scharfe Kritik 

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Die Buchungsplattform Airbnb und der Deutsche Tourismusverband (DTV) wollen mit einem gemeinsamen Fonds die Tourimusprojekt in ländlichen Regionen unterstützen. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, werden insgesamt eine Million Euro bereitgestellt, um Projekte abseits der Ballungszentren zu fördern. Während die Initiatoren von einer notwendigen Stärkung strukturschwacher Gebiete sprechen, warnt ein führender Repräsentant der deutschen Hotelbranche vor einer strategischen Einflussnahme des US-Konzerns.

Fokus auf ländliche Räume und Naturtourismus

Laut Airbnb-Mitgründer Nathan Blecharczyk verlagert sich die Nachfrage zunehmend in die Natur. Mittlerweile entfallen nach Unternehmensangaben 60 Prozent aller europäischen Buchungen auf Regionen außerhalb der Städte. Der neue Fonds soll Tourismus-Organisationen und lokale Betriebe mit bis zu 100.000 Euro pro Vorhaben unterstützen. Bewerbungen sind von Juni bis Mitte September möglich.

Blecharczyk begründet das Engagement mit Defiziten in der Infrastruktur: In vielen ländlichen Gegenden mangele es an Hotels, weshalb Gemeinden aktiv auf die Plattform zukämen. Ähnliche Programme wurden bereits in Spanien, Frankreich und Großbritannien gestartet. Neben Kapital verspricht Airbnb, Erfahrungen im Umgang mit Regulierungen einzubringen, um eine verhältnismäßige Entwicklung zu fördern.

Kritik von Branchenvertreter Marco Nussbaum

Trotz der angekündigten Investitionen stößt die Kooperation auf Widerstand in der organisierten Hotellerie. Der Unternehmer Marco Nussbaum, der sowohl im Vorstand des Hotelverbandes Deutschland (IHA) als auch im Präsidium des DEHOGA Bundesverbandes sitzt, meldete sich auf dem Netzwerk Linkedin mit einer deutlichen Warnung zu Wort.

Nussbaum bezeichnete die Zusammenarbeit als „grotesk“. Nach seiner Einschätzung handele es sich bei der Fördersumme angesichts der Milliardenbewertung von Airbnb nicht um ein klassisches Hilfsprogramm, sondern um ein Instrument zur Einflussnahme auf die deutsche Tourismuspolitik. Er warnt davor, dass der Konzern versuche, über solche Partnerschaften politische Beziehungen aufzubauen und das öffentliche Narrativ zu seinen Gunsten zu verschieben. Laut Nussbaum investierten Plattformen grundsätzlich nie ohne Eigeninteresse.

„Der Wolf kommt nicht im Schafspelz daher. Er bringt jetzt auch nich Föderfondes mit. Natürlich brauchen ländliche Regionen Tourismus und vor allem eine professionellere und effizientere Arbeitsweise. Schaut man sich das an, ist das oftmals abenteuerlich, wie dort gearbeitet wird und für was man als touristischer Anbieter überhaupt eine Tourismusabgabe zahlt. Das passt schon lange nicht mehr. Aber wenn Plattformkonzerne anfangen, touristische Strukturen finanziell mitzugestalten, sollten bei uns allen die Alarmglocken angehen.“, so Nussbaum.

Kontroverse um Airbnb-Fonds: Branchenführer werfen DTV Naivität vor

Die Ankündigung einer Kooperation zwischen der Buchungsplattform Airbnb und dem Deutschen Tourismusverband (DTV) zur Förderung ländlicher Regionen hat eine Welle scharfer Kritik unter den Spitzenvertretern der deutschen Hotellerie ausgelöst. In einer Debatte auf dem Netzwerk Linkedin äußerten sich zahlreiche namhafte Branchenexperten skeptisch bis entsetzt über das gemeinsame Vorhaben. Im Zentrum der Kritik steht der Vorwurf, der DTV lasse sich für Lobbyzwecke instrumentalisieren, während die Hotels mit ungleichen Wettbewerbsbedingungen kämpfen.

„Strategisches Einflussbudget“ statt echter Förderung

Für viele Branchenkenner ist die Summe von einer Million Euro angesichts der wirtschaftlichen Kraft des Plattformkonzerns verschwindend gering. Zeev Rosenberg, General Manager des Hotels Das Stue, bezeichnete den Betrag als reines „Marketingbudget“ beziehungsweise „Einflussbudget“. Er kritisierte, dass Plattformstrategen aus dem Silicon Valley nun am Tisch der deutschen Tourismuspolitik säßen, während hiesige Hotels Steuern zahlten, Arbeitsplätze schafften und durch ein „Dickicht aus Regulierung“ gesteuert würden.

Auch Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA), merkte an, dass dem Betrag „noch einige Nullen“ fehlten, um die durch das Geschäftsmodell verursachten Schäden an der Allgemeinheit auch nur annähernd zu kompensieren. Er verwies in diesem Kontext auf Einträge im Lobbyregister, die die finanziellen Aufwendungen von Airbnb zur Interessenvertretung dokumentieren.

Massive Kritik am Deutschen Tourismusverband

Besonderes Unverständnis herrscht über die Rolle des DTV. Otto Lindner, Präsident der IHA, nannte es „unglaublich“, dass der Bundesverband sich „bezahlen lasse“, während Kommunen täglich gegen die negativen Folgen des Airbnb-Geschäftsmodells kämpften. Gereon Haumann, Präsident des DEHOGA Rheinland-Pfalz, forderte, der DTV solle sich lieber für gleiche Wettbewerbsbedingungen einsetzen, statt sich als Partner zu präsentieren. Er warnte vor einer zunehmenden Käuflichkeit der Institutionen.

André Witschi, Ex-Accor und Ex-Steigenberger-Chef, sieht die Ursache auch in der chronischen Unterfinanzierung des Tourismus durch den Bund, hält die Annahme der Mittel jedoch für falsch. Thomas Edelkamp, Vorstandsvorsitzender der Romantik Hotels & Restaurants AG, bezeichnete die Situation als „grotesk“ und wertete sie als Weckruf an die Politik, die den Tourismus seit Jahren vernachlässige.

Gegenstimmen: Forderung nach Innovation und Offenheit

Trotz der überwiegend negativen Resonanz gab es vereinzelt Stimmen, die zur Sachlichkeit und Modernisierung mahnten. Der Strategie-Experte Detlef Schmidt warf der Hotellerie vor, den digitalen Wandel „verschlafen“ zu haben. Er betonte, dass man Innovationen nicht durch Protektionismus aufhalten könne. Ähnlich äußerte sich der Digital-Experte Prof. Dr. Klemens Skibicki, der die aktuelle Entwicklung als Ergebnis einer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ der Branche bezeichnete und zur Nutzung neuer Chancen wie der Künstlichen Intelligenz aufrief.

Alexander Kirschke, Experte für Serviced Apartments, plädierte dafür, Investitionen nicht grundsätzlich zu verteufeln, sondern klare Vorgaben und Visionen zu formulieren, die der Gesellschaft nützen und deren Einhaltung kontrolliert werden müsse. Auch aus der Praxis kam Zustimmung: Denis Davydov, Hotel-Manager aus Quedlinburg, bezeichnete interessenbasierte Investitionen als vernünftig, sofern sie Arbeitsplätze in demografisch schwachen Regionen schaffen.

Disput um Wohnraum und Wettbewerbsgerechtigkeit

Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Auswirkung auf den Wohnungsmarkt. Während Airbnb-Chef Blecharczyk betont, dass ländliche Regionen den Tourismus als wirtschaftliche Chance begrüßen und keine Wohnraumverknappung wie in Städten drohe, sieht Nussbaum eine gefährliche Entwicklung. Er verwies darauf, dass Städte weltweit bereits mit Zweckentfremdung und steigenden Mieten kämpfen, die mit der Kurzzeitvermietung korrelieren.

Zudem betonte der Verbandsvertreter die ungleichen Wettbewerbsbedingungen: Während Hotels strengste Auflagen erfüllen müssten, kauften sich Plattformen durch Förderprogramme gesellschaftliche Akzeptanz. Es stelle sich die grundlegende Frage, ob künftig lokale Akteure und Kommunen oder globale Konzerne die touristische Ausrichtung in Deutschland bestimmen werden. Der DTV verteidigt den Schritt hingegen als Möglichkeit, Besucherströme besser auszubalancieren und neue wirtschaftliche Impulse in der Fläche zu setzen.


 

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