Asten statt Alpen: Deutsche Mittelgebirge im Winterurlaubs-Check

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Winterurlaub in den deutschen Mittelgebirgen kommt für viele Skifahrer nicht wirklich in Frage. Wenig Pistenvielfalt, nicht schneesicher - und überhaupt: Gipfel, die allenfalls die 1000-Meter-Marke knacken? Langweilig!

Zugegeben, an manchen dieser Argumente ist etwas dran, andere aber sind leicht zu widerlegen, wie eine Umfrage in Wintersportregionen im Schwarzwald, im Hochsauerland, in der Rhön, im Erzgebirge und im Bayerischen Wald zeigt. Sie belegt zugleich, dass ein Winterurlaub im Mittelgebirge unbestritten auch seine Vorteile bietet.

Fünf Thesen, die einer kritischen Überprüfung bedürfen:

These 1: Die Pistenvielfalt ist mau

Skiresorts mit Hunderten Pistenkilometern suchen Wintersportler in den deutschen Mittelgebirgen zwar vergeblich. Verstecken müssen sich viele Gebiete aber auch nicht: Rund um den Feldberg im Hochschwarzwald erschließen 38 Lifte mehr als 60 Kilometer an Abfahrten. Das Skiliftkarussell Winterberg im Hochsauerland am Kahlen Asten - 842 Meter hoch - kommt auf eine ähnliche Kilometerzahl, die durchaus der eines mittleren Alpen-Skigebiets entspricht.

Am Fichtelberg bei Oberwiesenthal im Erzgebirge sind es 16 Kilometer Piste. Zählt man den benachbarten Keilberg (Klinovec) in Tschechien dazu, erschließt der Verbund zusammen immerhin 45 Pistenkilometer.

Bei der Mehrheit der Gebiete ist die Pistenübersicht aber deutlich rascher studiert. An der Wasserkuppe in der hessischen Rhön gibt es sechs Pisten mit insgesamt 4 Kilometern Länge. Am 1456 Meter hohen Großen Arber im Bayerischen Wald sind es nach Angaben der örtlichen Bergbahn insgesamt 14 Kilometer. Immerhin: Die Palette reicht auch hier von leichten blauen bis zu schwierigen schwarzen Pisten. Wer ambitioniert unterwegs ist, erkundet solch ein Gebiet jedoch binnen eines halben Skitags - und findet im Rest des Urlaubs nichts Neues.

These 2: Schneesicherheit gibt es nicht

Das ist so pauschal falsch - es kommt auf das Gebiet an. Die größeren Destinationen haben viel Geld in Beschneiungsanlagen investiert. Rund um Winterberg könnten knapp 500 Schneeerzeuger die Pisten in 48 bis 72 Stunden mit einer Schneedecke belegen, die rund 40 Zentimeter hoch ist, schätzt Tourismusdirektor Michael Beckmann.

Am Großen Arber misst ein spezielles System die Höhe der Schneedecke auf drei Zentimeter genau - so können die Betreiber bei Bedarf rasch reagieren und zum Beispiel Schnee verschieben. Damit sei das Skigebiet am höchsten Berg im Bayerischen Wald in den vergangenen Jahren durchschnittlich auf mehr als 100 Betriebstage gekommen.

Am Feldberg, wo Betreiberangaben zufolge rund 30 Prozent der Pisten beschneit werden können, läuft die reguläre Saison von Mitte Dezember bis Mitte April. In Winterberg sei in den vergangenen 15 Jahren fast jede Saison das Ziel von 80 bis 90 Betriebstagen erreicht oder gar deutlich überschritten worden, trotz schwankender Temperaturen im Winter, berichtet Beckmann.

Am Fichtelberg, dem mit 1215 Metern höchsten Gipfel Sachsens, kann von Anfang oder Mitte Dezember bis Ende März dank Beschneiung und eines zuverlässigen Anteils an Naturschnee der Skibetrieb gesichert werden, wie der örtliche Lift- und Seilbahnbetreiber angibt.

Auch an der Wasserkuppe sorgt Beschneiungstechnik für einen konstanten Betrieb, auch wenn der Schnee von oben ausbleibt, wie Susanne Möller von der Betreibergesellschaft Wiegand Erlebnisberge erklärt. Dank des künstlichen Schnees komme man auf rund 80 bis 100 Tage Winterbetrieb pro Saison - «ohne künstliche Beschneiung würden wir höchstens zwei Wochen im Jahr öffnen können.»

These 3: Die Nähe ist der große Trumpf

Das ist unbestritten ein Riesenvorteil. Der Weg von Berlin ins Erzgebirge, von Hamburg in Richtung Harz oder von Köln ins Sauerland ist sehr viel kürzer als die Strecke in die Alpen. Auch das Verkehrsaufkommen und die Staugefahr seien wesentlich geringer, erklärt Andreas Stadler von der Arber-Bergbahn. Das macht die Mittelgebirgsgebiete zum Ziel für Kurzurlaube und Wochenendausflüge.

These 4: Der Urlaub ist vergleichsweise günstig

Ein Argument, das in der Umfrage von fast allen Skigebieten genannt wurde. Verglichen mit alpinen Top-Skigebieten kostet der Skipass sicherlich weniger. Nach Angaben des Portals «Snowplaza.de» können Wintersportler in kleineren deutschen Gebieten bei anfallenden Posten wie Skischule, Unterkunft und Skiverleih teils mehr als 70 Prozent einsparen im Vergleich zu großen Skiresorts in Österreich.

Zwischen den einzelnen Liftbetreibern in den Mittelgebirgen sind die Preisunterschiede aber ebenfalls groß, zeigt ein stichprobenartiger Vergleich von Sechs-Tages-Skipässen: Hierfür zahlen Wintersportler im Liftverbund Feldberg im Schwarzwald 180 Euro (sechs aus acht Tagen), am Großen Arber 154 Euro und im Skiliftkarussell Winterberg 136 Euro. In der Ski- und Rodelarena Wasserkuppe gibt es Tageskarten für 17 Euro, während sie am Fichtelberg für Erwachsene 26 Euro kosten.

These 5: Für Familien sind die Gebiete ideal

Die Pisten sind kürzer, die Gebiete übersichtlicher: Wer mit kleineren Kinder in den Winterurlaub fährt, sieht das sicher als Vorteil. Und viele Betreiber betrachten Familien als wichtige Zielgruppe. Insofern steckt hinter dieser These viel Wahres.

So wartet zum Beispiel der Große Arber mit einem Kinderland mit vier Zauberteppichen auf - so werden die Laufbänder genannt, auf denen Skianfänger einfacher als mit Schlepp- und Sesselliften den Berg hinauf kommen. Außerdem befinden sich im Gebiet fünf Skischulen, für Kinder stehen Wärmeräume zur Verfügung. Die Fichtelberg-Schwebebahn verweist ebenfalls auf breite, familienfreundliche Pisten.

Meist geht es in den Gebieten auch nicht nur um Abfahrtski und Snowboard. Die Destinationen setzen auch auf Langläufer, Winterwanderer und Rodler, was sich im Angebot widerspiegelt. Am Feldberg etwa gibt es ein Netz von 120 Kilometer Loipen, rund um Winterberg sind es bis zu 150 Kilometer. Und im gesamten Bayerischen Wald sind es rund 2000 Kilometer, die Langläufer erkunden können.

Was alle fünf Destinationen gemeinsam haben: lange Rodelbahnen für Schlitten-Fans. Am Fichtelberg zum Beispiel misst sie 1,8 Kilometer.

Fazit: Für einen Winterurlaub im Mittelgebirge sprechen viele gute Gründe. Lange Abfahrten von hohen Bergen gibt es zwar nicht, dafür aber sind die Kosten vergleichsweise günstig und die Anreise ist in aller Regel wesentlich kürzer als in die Alpen. Verschiedene Gebiete bieten zudem solide Schneesicherheit und ordentliche Pistenvielfalt.

Von Tom Nebe, dpa


 

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