Auslandsgäste kehren langsam nach Hessen zurück

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Lichtblick für das schwer gebeutelte hessische Gastgewerbe: In Städten wie Frankfurt, Wiesbaden und Fulda kommt das Geschäft mit Tagungen und Kongressen nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie allmählich wieder in Gang, wie der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga Hessen, Julius Wagner, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ab etwa Ende Mai oder Anfang Juni, wenn einige größere Veranstaltungen anstehen, seien viele Hotels wieder sehr gut gebucht. Auch touristische Regionen wie der Edersee profitierten von der Rückkehr auch ausländischer Gäste, gerade aus den Niederlanden.

Hoffnung machen der Branche auch kulturelle Highlights wie die Weltkunstausstellung documenta fifteen in Kassel, die ab Mitte Juni für 100 Tage Gäste aus aller Welt anlocken dürfte. «Wir hoffen auf Erholung und sind bestens für die documenta gerüstet», sagte Birgit Kuchenreiter von der Kassel Marketing GmbH. Auch die Mai-Festspiele in Wiesbaden zögen ein internationales Publikum an, erklärt der Dehoga.

Noch mau sei allerdings der Zuspruch von Gästen aus den USA und Asien, bei denen beispielsweise Rüdesheim am Rhein zu den beliebten Zielen gehört. Dies könne durch Inlandsgäste aber teilweise etwas aufgefangen werden, sagt Wagner. Zumal viele Menschen jetzt nachholten, was wegen der Pandemie verschoben werden musste: Selbst in sonst weniger stark frequentierten Regionen wie der Wetterau hätten derzeit viele Betriebe alle Hände voll mit Familienfeiern zu tun. «Es wird gehochzeitet, dass sich die Balken biegen», sagte Wagner.

Von einer positiven Entwicklung der Besucherzahlen berichtet die Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH aus Oestrich-Winkel - wobei die Anzahl der Führungen im April immer noch um 30 Prozent und die der Besucher um die Hälfte unter dem Niveau von 2019 gelegen hätten. Der Löwenanteil der Gäste stamme mit 95 Prozent aus Deutschland, vor allem aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Die Flusskreuzfahrten hätten wieder begonnen, aber das Aufkommen vor allem amerikanischer Gäste liege noch weit hinter Vor-Covid-Zeiten. «Asiatische Gäste haben wir so gut keine aktuell», erklärte eine Sprecherin. Der schon vor der Pandemie bestehende Trend, Urlaub und Kurzurlaub zu Hause zu machen, setze sich fort. Die Buchungszahlen im Hotel seien gut, zudem profitierten auch im Rheingau die Betriebe vom Nachholen privater Feiern.

Auch in Frankfurt sieht man «den Tourismus wieder langsam aufblühen», wie Ines Philipp bestätigt, Sprecherin der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH. «Die Gäste kommen zurück: Auf dem Römerberg sind wieder Touristengruppen auszumachen, die Frequenz in unseren Tourist-Informationen steigt, die Nachfrage nach Stadtrundgängen und Hotelübernachtungen nimmt spürbar zu.»

«Die Stadt beginnt wieder zu summen», sagt Philipp. In Zahlen belegen können Frankfurts Tourismusmanager das aber erst in rund acht Wochen, wenn die statistischen Werte vorliegen. Im Januar und Februar zählte die Stadt zusammen knapp 700 000 Übernachtungen - 125 Prozent mehr als in den ersten beiden Monaten des Vorjahres. Knapp 500 000 Übernachtungsgäste kamen aus dem Ausland, wie Philipp berichtete. Das wichtigste Herkunftsland sind aktuell die USA. China, der ehemals zweitgrößte Markt für den Frankfurter Tourismus, war zu Beginn des Jahres nicht einmal mehr unter den Top Ten. Den größten Zuwachs gab es bei Brasilianern.

Die Leiterin des Stadt- und Tourismusmarketing Wiesbaden, Nina Cordt, freut sich über zuletzt deutlich gestiegene Gästezahlen aus dem In- und Ausland. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe das Plus im Januar und Februar 2022 insgesamt mehr als 100 Prozent betragen. Auch erste größere Veranstaltungen wie etwa Ärztekongresse fänden wieder statt. Vor allem Gäste aus den USA und den Beneluxstaaten kämen wieder vermehrt nach Wiesbaden, die Besucherzahlen aus Asien stiegen ebenfalls an, allerdings noch verhalten. Bei den Tagesgästen sei eine spürbare Zunahme zu verzeichnen, außerdem gebe es eine steigende Nachfrage nach Gruppenangeboten. «Fazit: Unsere Prognose für den Sommer ist positiv», so Cordt.

«Wir sind zufrieden und sehr optimistisch», sagte auch Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee Touristik. Der Start ins Jahr sei gut verlaufen, die Buchungssituation in den Betrieben entwickle sich sehr positiv. «Wir haben bereits viele Vorbuchungen für den Sommer und die Feiertage.» Die Urlaubsregion Waldeck-Frankenberg sei in den vergangenen zwei Jahren noch mit einem blauen Auge davon gekommen, weil der Urlaub innerhalb Deutschlands zugenommen habe.

In den Sommermonaten habe es teilweise mehr Buchungen gegeben als in den Jahren vor der Corona-Pandemie, sagte auch Klaus-Dieter Brandstetter, Geschäftsführer des Touristik-Service Waldeck-Ederbergland. Der Großteil der Gäste am Edersee stammt aus Deutschland. Günther sieht den Bekanntheitsgrad der Region durch diese Entwicklung gestärkt. «Wir hoffen, dass wir davon künftig profitieren.»

Mit der Auszeichnung der Mathildenhöhe zum Unesco-Welterbe gibt es seit vergangenen Sommer deutlich mehr Besucher in Darmstadt - mit weiter steigendem Trend. Im Sommer seien corona-bedingt überwiegend Tagesgäste aus der Region aber auch Reisegruppen gekommen. Die Gäste seien meist aus Deutschland, ausländische Touristen seien noch zurückhaltend. Bei den Übernachtungszahlen liege der Anteil ausländischer Gäste aktuell bei knapp 20 Prozent, teilte die Stadt mit. Vor Corona seien es zehn Prozent mehr gewesen. Sie kämen überwiegend aus den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich. (dpa)


 

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