BGH zu «Fahrt ins Blaue»: Programmpunkte nicht beliebig austauschbar

| Tourismus Tourismus

Wer eine «Fahrt ins Blaue» bucht, lässt dem Veranstalter bei der Reisegestaltung erst einmal freie Hand - sobald dieser das Programm bekanntgibt, hat er sich aber festgelegt. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von Mitte Februar hervor, das jetzt in Karlsruhe veröffentlicht wurde.

Der Kläger hatte über ein Reisebüro eine Busreise für elf Leute mit unbekanntem Ziel gebucht, die von 13. bis 15. März 2020 stattfinden sollte. Die Tour, die als «Fahrt ins Blaue» beworben wurde, kostete inklusive Hotelübernachtungen insgesamt 2138 Euro.

Bei der Abfahrt wurde das Reiseprogramm verteilt - es ging nach Hamburg. Dort waren eine Museumsführung und eine große Hafenrundfahrt geplant. Als Höhepunkt wurde ein Musical-Besuch angekündigt. Aber am Nachmittag wurde der Gruppe mitgeteilt, dass dieser Programmpunkt wegen der Corona-Pandemie ausfallen müsse. Stattdessen wurde kurzfristig eine dreistündige Stadtrundfahrt organisiert.

Der Kläger wollte deshalb einen Teil des Reisepreises zurück - und bekam in letzter Instanz Recht. Der Veranstalter habe sich zwar ein Leistungsbestimmungsrecht ausbedungen, entschieden die BGH-Richterinnen und -Richter. Durch Aushändigung des Reiseprogramms sei der Leistungsinhalt aber unwiderruflich konkretisiert worden. Nichts habe darauf hingewiesen, dass das Programm vorläufigen Charakter habe und einzelne Punkte noch austauschbar seien.

Dem höchstrichterlichen Urteil zufolge ist der Wegfall des Musical-Besuchs ein Reisemangel, der eine Minderung des Reisepreises rechtfertigt. Das Landgericht Osnabrück habe in der Vorinstanz zutreffend festgestellt, dass eine Stadtrundfahrt nicht gleichwertig sei. Dort war der Veranstalter zur Zahlung von 320 Euro verurteilt worden. Diese Entscheidung ist nun rechtskräftig. (Az. X ZR 18/22) (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Früher war der Sommerurlaub immer auch eine Selbstvergewisserung - im Ausland lief vieles nicht so gut wie zu Hause. Heute ist das oft anders. Ein Experte sieht sogar eine Gefahr für die Demokratie.

Im aktuellen PiNCAMP-Ranking für 2026 rücken deutsche Campingplätze stärker in den Fokus der Nutzer. Mit 39 Anlagen in den Top 100 stellt Deutschland die meisten Standorte im europäischen Vergleich.

Während der Branchenverband bundesweit von sinkenden Umsätzen berichtet, ziehen Freizeit- und Erlebnisparks im Norden eine positivere Zwischenbilanz des Sommers. Sie nennen dafür auch Gründe.

Urlaub kann manchmal hektisch werden. Deshalb setzen viele Reisende inzwischen auf Slow Travel. Das bedeutet, dass du weniger Orte bereist, aber dafür mehr Zeit an jedem einzelnen verbringst. Wir stellen dir das Konzept im Folgenden vor.

Die Zahl der Gäste und der Übernachtungen in Rheinland-Pfalz war im ersten Halbjahr so hoch wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Wirtschaftsminister Michael Ebling sieht sogar einen Boom.

Dänemark erlebt einen Urlauber-Ansturm: Im ersten Halbjahr gab es einen neuen Übernachtungsrekord. Besonders Deutsche zieht es ins Nachbarland – 7,5 Millionen Übernachtungen gingen auf ihr Konto.

Reisende sind der Tourismusbranche beim Einsatz Künstlicher Intelligenz nach Darstellung einer neuen Studie zwei Jahre voraus. Während 54 Prozent der befragten US-Reisenden KI bereits für die Reiseplanung genutzt haben, bieten 22 Prozent der befragten Destination Marketing Organizations entsprechende Funktionen auf ihren Internetseiten an.

Der dritte European Travel Trend Report der Dertour Group belegt das wachsende Interesse an Slow Travel, digitalen Auszeiten und Solo-Reisen. Besonders in Deutschland gewinnen entschleunigte Reiseformen und Alleinreisen stark an Bedeutung.

Manche sehen in der belgischen Stadt eine Stadt der Verlierer, doch Künstler machen aus der Not eine Tugend: Sie führen zu Lost Places und erschließen Kohlehalden als Wanderreviere.

In Österreich entfielen 2024 rund 36 Prozent aller Übernachtungen auf Gäste aus Deutschland – der höchste Anteil innerhalb der EU. Bei den absoluten Übernachtungszahlen deutscher Reisender lag dagegen Italien an der Spitze.