Bodensee Top, Stuttgart Flop - Tourismus im Südwesten erholt sich schleppend

| Tourismus Tourismus

Volle Häuser und Campingplätze am Bodensee, mühsames Heranrobben an das Vorkrisenniveau in Stuttgart und andernorts: Der Tourismus im Südwesten hat sich nur teilweise vom Corona-Einbruch erholt. Bei den Übernachtungszahlen lag die Branche im Land vergangenes Jahr erst wieder auf dem Stand von 2016, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag mitteilte. In den beliebten Urlaubsregionen könnte es aber auch dieses Jahr wieder voll werden, Branchenvertreter hoffen sogar auf ein Rekordjahr 2023.

Vor allem rund um den Bodensee und in Oberschwaben waren die Übernachtungen wieder annähernd auf dem Niveau von 2019. Im Schwarzwald kamen hingegen noch nicht alle Gäste zurück. Und die Region Stuttgart hing den Übernachtungszahlen vor der Pandemie noch um satte 19 Prozent hinterher. Insgesamt wurden 2022 rund 52 Millionen Übernachtungen in Baden-Württemberg gezählt. Das waren neun Prozent weniger als 2019, aber 47 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Trend zu Individualreisen zeichnete sich in den Zahlen ab: So wurde in Ferienhäusern oder -wohnungen im vergangenen Jahr rund 16 Prozent häufiger genächtigt als noch 2019, bei Campingplätzen betrug das Plus 8 Prozent. Hotels, die nach wie vor die mit Abstand meisten Übernachtungsgäste zählen, lagen hingegen noch 15 Prozent unter Vorkrisenniveau. Schon vor der Pandemie habe es einen Trend weg von den Pauschalreisen und hin zum autarken Reisen gegeben, sagte Tourismusstaatssekretär Patrick Rapp (CDU).

Vor allem die Auslandstouristen sind aber noch nicht zurückgekommen: Die Zahl der Übernachtungen von ausländischen Gästen lag im vergangenen Jahr noch 19 Prozent unter dem Wert von 2019. Wichtigstes Herkunftsland ist die Schweiz. Bei Gästen aus Deutschland, die den Großteil der Übernachtungen ausmachen, betrug das Minus noch rund sechs Prozent. Die Zurückhaltung aus dem Ausland könne auch mit der Berichterstattung über Zugausfälle oder den vergangenen Flughafenstreiks zu tun haben, so Rapp.

Für das Jahr 2023 erwarteten einige Regionen dennoch neue Besucherrekorde, sagte Jochen Alber, Geschäftsführer beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Baden-Württemberg. Er empfehle, rechtzeitig zu buchen. Der Trend zu immer kurzfristigeren Buchungen halte aber an. Früher habe der Vorlauf in der Regel vier Wochen betragen, heute sei es eher eine Woche. «Die Entscheidungen sind aus Verbrauchersicht kurzfristiger geworden. Man lässt sich Zeit, um notfalls ohne Stornokosten noch mal abspringen zu können.»

Für die Betriebe bedeute das zusätzliche Planungsunsicherheit, die vor allem kleineren Häusern zu schaffen mache. Ein Hotelier habe ihm zuletzt berichtet, dass er wisse, dass er in den kommenden Wochen ausgebucht sein werde - richtig sicher sei das aber immer erst ein paar Tage vorher. «Das war früher anders.»

Abseits der klassischen Tourismusregionen sehe es mit der Erholung von der Corona-Pandemie noch nicht ganz so rosig aus, sagte Alber. Bei Geschäftsreisen, aber auch im Zuge von Messen oder Veranstaltungen sei das Niveau von 2019 noch nicht erreicht - und könnte künftig eventuell auch nicht mehr erreicht werden. Es brauche daher neue Vermarktung. Da seien in der Vergangenheit Potenziale nicht ausgeschöpft worden - Stuttgart etwa könne seine Volksfeste oder Automobilmuseen noch mehr ins Schaufenster stellen.

Im Laufe der Corona-Jahre sind im Tourismus Rapp zufolge Zehntausende Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Zahl der rechnerischen Vollzeitstellen reduzierte sich demnach von 380 000 im Jahr 2019 auf 250 000 im Jahr 2021. Derzeit sei aber bemerkbar, dass viele verloren geglaubte Fachkräfte zurückkehrten, berichtete etwa Dehoga-Mann Alber. Hintergrund ist seiner Einschätzung nach auch, dass mit dem neuen Tarifvertrag für die Gastronomie nun auch höhere Löhne winken. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Unter dem Motto „Heritage meets innovation in the Green Heart of Germany“ lädt die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) vom 20. bis 23. September 2026 gemeinsam mit der Thüringer Tourismus GmbH zum Thuringia Travel Summit nach Erfurt.

Eine aktuelle Datenanalyse beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung deutscher Touristen für die Gastronomie und Hotellerie in europäischen Reisezielen im Sommer 2026.

Auf dem Tegernsee ist das erste elektrische Passagierschiff in Betrieb genommen worden. Die neue „Gmund“ bietet Platz für bis zu 180 Fahrgäste und verfügt laut dpa über eine Batteriekapazität für rund zehn Stunden Fahrbetrieb.

 

Der Tourismus in Sachsen kommt nach neu berechneten Daten auf einen Bruttoumsatz von 9,8 Milliarden Euro und eine Wertschöpfung von rund 4,6 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen zudem Gästeankünfte und Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Schiefe Turm von Bad Frankenhausen ist mittlerweile schiefer als der Turm von Pisa und nach einer Sicherung und dem Ausbau als Besucherzentrum für Gäste eröffnet worden. Das Projekt kostete rund 14,5 Millionen Euro und soll die touristische Entwicklung der Kyffhäuserregion stärken.

Uber bietet im September erstmals Tagesausflüge mit dem sogenannten Weintaxi von Frankfurt in den Rheingau an. An vier Wochenenden stehen täglich vier Fahrzeuge für Touren zu Weingütern im Rheingau zur Verfügung.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat Booking.com verklagt. Streitpunkt ist die Weiterleitung bei „Flug + Hotel“-Angeboten zu lastminute.com der COMVEL GmbH, die nach Auffassung der Verbraucherschützer nicht ausreichend deutlich gemacht wird.

Erstmals seit der Flutkatastrophe im Himalaya-Gebirge im Grenzgebiet zu Nepal haben chinesische Behörden Details zu den auf ihrer Seite vermissten Ausländern bekanntgegeben. Unter den 261 Vermissten sind auch drei Deutsche.

Camping gewinnt in Deutschland weiter an Bedeutung. Laut einer aktuellen Umfrage des ADAC zählt inzwischen jeder Vierte ab 16 Jahren zur Camping-Zielgruppe. Besonders stark gewachsen ist der Anteil in der Altersgruppe der 16- bis 39-Jährigen.

TUI will im Geschäft mit günstigeren Reisen wachsen und setzt dafür auf die neue Low-Cost-Marke Sundeals. Das Angebot ist zunächst auf Großbritannien ausgerichtet und wird ausschließlich online vertrieben. Beim Aufbau greift der Reisekonzern auf Erfahrungen von l’tur zurück.