Coronavirus: Wohin kann ich noch reisen?

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Wenn schon diejenigen, die Reisen verkaufen, nicht mehr reisen wollen - warum sollten Urlauber es dann noch tun? Diese Frage stellt sich, nachdem wegen des neuartigen Coronavirus die weltgrößte Reisemesse ITB in Berlin abgesagt worden ist. Natürlich, in den Messehallen sollten Menschen aus aller Welt auf engem Raum zusammenkommen - ein erhöhtes Risiko für die Virusverbreitung. Doch gilt das nicht auch für jeden größeren Flughafen?

Sars-CoV-2 trifft die Tourismusbranche hart und verunsichert viele Reisende, die sich nun fragen: Wo kann ich in diesem Jahr überhaupt noch Urlaub machen, wenn sich das neue Coronavirus überall ausbreitet, zum Beispiel in Italien und jetzt auch in Deutschland?

Viele Urlauber warten erst einmal ab

«Es wird eine abwartende Haltung in den nächsten Wochen geben, und das halte ich auch für sehr vernünftig», sagt der Tourismusforscher Prof. Martin Lohmann. «Aller Wahrscheinlichkeit werden wir aber einen ganz normalen Sommer haben, in dem man wunderschön verreisen kann.» «Viele haben schon ihren Urlaub gebucht und werden das erstmal nicht wieder rückgängig machen», erwartet der Experte vom NIT Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa in Kiel.

Doch was, wenn ich noch keinen Urlaub gebucht habe? Im Prinzip haben Reisende drei Möglichkeiten. Erstens: Sie bleiben zu Hause. Zweitens: Sie planen ihren Urlaub in einem Land, aus dem noch keine Infektionen gemeldet wurden - und hoffen, dass das auch so bleibt. Drittens: Sie reisen in eine Region oder ein Land mit Corona-Infizierten und minimieren dort das persönliche Risiko einer Ansteckung.

Variante 1: Urlaub auf Balkonien?

«Rein medizinisch gibt es überhaupt keinen Grund, nicht zu verreisen», sagt Prof. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Berlin. Die Fallzahlen seien bezogen auf die Gesamtbevölkerung immer noch sehr niedrig. Auch in Norditalien sei das Risiko gering, sich mit dem Coronavirus zu infizieren.

Prof. Lohmann sieht das ähnlich: «Ob ich nun in Hamburg oder in Turin mit einem städtischen Linienbus fahre, macht eigentlich keinen großen Unterschied.» Also ist es nicht sinnvoll, ein Land oder eine Region zu meiden, weil es dort Covid-19-Erkrankte gibt? «Da müsste man in der Heimat bleiben, aber da kann es ja genauso Fälle geben.»

Variante 2: Urlaub in einem Land ohne Coronavirus?

Das neue Coronavirus wurde bisher in mehr als 60 Ländern festgestellt. Weltweit ist derzeit neben dem Ursprungsland China Südkorea am stärksten betroffen. Auch in Iran gibt es viele Fälle. In Europa ist im Moment Italien das am stärksten betroffene Land.

Das heißt wiederum: Es gibt weiterhin viele Länder ohne gemeldete Fälle - jedenfalls noch. «Wir wissen einfach nicht, wo in zwei Wochen Fälle gemeldet werden. Das ist nicht vorherzusagen», gibt Jelinek zu bedenken. Und genau das verunsichert womöglich auch viele Urlauber.

Die großen Reiseveranstalter haben darauf reagiert - und zeigen sich kulant. Wer in den kommenden Wochen einen Urlaub neu bucht, kann bis 14 Tage vor Abreise kostenlos umbuchen oder wieder stornieren. Diese Regelung gilt zum Beispiel bei Tui, DER Touristik und Alltours. Tritt in den kommenden Wochen Corona in einem Land erstmals auf, können die betroffenen Urlauber also recht kurzzeitig einen Rückzieher machen.

«Die Veranstalter bieten das jetzt an, um den Kunden mehr Sicherheit zu geben und die Angst zu nehmen», erklärt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV). Der Branchenvertreter sieht hier einen Vorteil der Pauschalreise: «Diese Kunden sind deutlich besser abgesichert und haben jederzeit einen Ansprechpartner.»

Wer nicht über einen Reiseveranstalter bucht, kann auf Hotelportalen im Internet meist Unterkünfte mit einer kurzfristigen Storno-Option buchen. So lässt sich der Aufenthalt recht kurzfristig ohne Kosten wieder absagen. Das Zimmer kostet dann in der Regel zwar etwas mehr, aber Urlauber bleiben im Zweifelsfall nicht auf ihrem Geld sitzen.

Variante 3: Egal wohin - Hauptsache vorsichtig sein?

Es gibt derzeit nur sehr wenige Länder, die man unbedingt meiden sollte - allen voran China. Das Auswärtige Amt (AA) rät nach wie vor von nicht notwendigen Reisen in das Land mit Ausnahme von Hongkong und Macau ab. Vor Reisen in die Provinz Hubei wird sogar gewarnt.

In Italien rät das AA lediglich dringend von nicht erforderlichen Reisen in die Provinz Lodi in der Lombardei sowie nach Vò Euganeo in der Provinz Padua in Venetien ab. Von Einschränkungen zum Beispiel in Rom, der Toskana oder auf Sardinien ist aktuell keine Rede.

«Ich würde nicht dazu aufrufen, jetzt nicht nach Venedig zu fahren», sagt Reisemediziner Jelinek. «Aber wenn man sehr vorsichtig sein möchte, dann geht man vielleicht eher in Norditalien irgendwo wandern.» Die Entscheidung, wohin genau man fährt, sei eine Abwägung von Wahrscheinlichkeiten: «Wenn Sie an Orten sind, wo Menschen aus vielen Ländern zusammenkommen, steigt das Risiko.»

Gesundheitliche Risiken und praktische Probleme

Dem Experten zufolge sollten Urlauber aber zwischen zwei Risiken unterscheiden. Zum einen ist da die Gefahr, sich das Coronavirus einzufangen - diese sei meist gering. «Man muss das Virus erst einmal bekommen», sagt Jelinek. Und dann werde es nur gefährlich, wenn die Erkrankung einen schweren Verlauf nehme.

Zur Einordnung: Das Virus Sars-CoV-2 kann die Erkrankung Covid-19 verursachen. Die meisten Infizierten haben eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken allerdings laut dem Robert Koch-Institut (RKI) schwer. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Betroffen sind vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen. Vereinzelt kommt es zu Todesfällen.

Das zweite Risiko für Reisende ist eher praktischer Natur: Es kann zu Einschränkungen am Reiseziel kommen. Wenn wie in Paris der Louvre geschlossen wird, ist das vielleicht noch zu verschmerzen. Doch im schlimmsten Fall droht eine Quarantäne wie in einem Hotel auf Teneriffa, in dem auch deutsche Urlauber festgesetzt wurden. «Wenn Sie eine Behörde haben, die kurzfristig alles absperrt, dann können Sie nichts tun», sagt Jelinek.

Ein Restrisiko bleibt fast überall

Also lieber in ein Ferienhaus im Nirgendwo als in ein Massenhotel mit 500 Zimmern und internationaler Gästeschar? Das schützt auch nicht sicher, denn Urlauber müssen ja immer noch die Anreise bewältigen - und die führt häufig über Bahnhöfe und Flughäfen.

Reisemediziner Jelinek sagt: «Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass es dieses Virus gibt, dass es sich verbreitet und auch Menschen daran sterben.» Das gelte im übrigen auch sonst für Menschen mit Vorerkrankungen. Sie sollten zwar alle gängigen Impfungen zum Beispiel gegen Grippe haben. Aber: «Wenn Sie alt und krank sind, haben Sie auf Reisen immer ein höheres Risiko, das gilt unabhängig von Corona und ist Teil des Daseins», sagt Jelinek.

(dpa)


 

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