Debatte über Reisen in Zeiten von Corona: Minister rät nicht pauschal von Norditalien ab

| Tourismus Tourismus

Wegen des neuartigen Coronavirus rät Sozialminister Manne Lucha (Grüne) Reisenden zwar nicht pauschal von Fahrten in die norditalienischen Risikogebiete ab. Er empfiehlt aber ausdrücklich, Fahrten zu verschieben, wenn die Urlaubsplanung auch die Teilnahme an größeren gesellschaftlichen Ereignissen vorsieht. «Da muss man individuell entscheiden, was man selbst aushält», sagte der Minister der Deutschen Presse-Agentur.

Er halte eine Reise für vertretbar, wenn man sich zum Beispiel in seiner Ferienwohnung aufhalte oder in der Natur, etwa bei einer Skitour in Südtirol. «Aber ich würde allen raten zu überlegen, ob sie das, was sie zum Beispiel in den Risikogebieten in der Lombardei tun, selbst steuern und überblicken können.» Komme man dann zum Ergebnis, der Urlaub sei zu sehr eingeschränkt, solle man eher abwarten, «bis sich das Geschehen normalisiert hat».

20 Fälle in Baden-Württemberg

In Italien ist das Virus inzwischen bei Hunderten Menschen nachgewiesen worden. In Baden-Württemberg waren bis zum späten Sonntagabend 20 bestätigte Fälle bekannt. Innenminister Thomas Strobl (CDU) warnte aber, trotz aller Anstrengungen würden sich weitere Infektionen zunächst nicht verhindern lassen. «Wir müssen uns bewusst sein, dass weitere Krankheitsfälle auftreten werden», sagte Strobl der dpa.

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Lucha gibt sich dennoch zuversichtlich, die Lage im Südwesten zu kontrollieren. «Wir haben nach wie vor keinen kursierenden Erreger», sagte er am Wochenende. Es gebe einen Überblick über die meisten Kontaktketten.

Zusätzliche Absicherung zum Ferienende

Mit dem Ende der Ferien sichern sich Behörden, Schulen, Kindertagesstätten und auch die Polizei seit diesem Montag zusätzlich ab, um das Risiko von Ansteckungen zu verringern. Kinder, Schüler, Lehrer und viele Beamte sowie Polizisten wurden aufgefordert, von Montag an vorsorglich zu Hause zu bleiben, wenn sie in den vergangenen Tagen aus einem Risikogebiet für das Coronavirus zurückgekehrt sind. Dies gelte unabhängig von eigenen Krankheitssymptomen, wie aus einem internen Schreiben des Innenministeriums hervorgeht. «Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, um die Ausbreitung bestmöglich zu verhindern», sagte Strobl. «Wer Symptome zeigt, soll sich telefonisch an seinen Hausarzt wenden.»

Als Risikogebiete nennt das Robert Koch-Institut in Berlin die norditalienische Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua (Region Venetien) sowie Teile Chinas, des Irans und Südkoreas.

Zuvor hatte bereits das Kultusministerium eine ähnliche Vorgabe für Kindertagesstätten und Schulen herausgegeben. Auch mehrere Städte wie Konstanz, Heilbronn und Böblingen setzen die Empfehlungen für ihre Beamten seit Montag um.

(dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die dänische Hauptstadt will nachhaltigen Tourismus fördern. Dafür wurde das Programm CopenPay entwickelt, das es nach zwei Sommerdurchläufen künftig ganzjährig gibt. Wie kann man profitieren?

Kaum öffnet Terminal 3 am Frankfurter Flughafen, schließt Terminal 2. Der Bereich wird grundlegend erneuert und bleibt für einige Jahre außer Betrieb. Für Passagiere soll sich dann viel ändern.

Der Merian Verlag hat in München erstmals seine neuen Branchenpreise an sieben ausgewählte Destinationen, Hotels und Akteure der internationalen Tourismuswirtschaft verliehen. Unter den Preisträgern befinden sich unter anderem die Stadt Göteborg, das Brenners Park-Hotel und die MSC Group.

Eine Umfrage zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Generationen bei der Bewertung der Flugetikette. Während jüngere Passagiere bei Körperhygiene und Smartphone-Nutzung an Bord weitaus toleranter sind, weisen ältere Reisende eine wesentlich geringere Akzeptanz für dieses Verhalten auf.

Eine Auswertung der Gästebefragung T-MONA zeigt, wer im Sommer nach Österreich reist, wie hoch die Ausgaben ausfallen und welche Faktoren bei der Wahl von Reiseziel und Unterkunft eine Rolle spielen.

Schöne Marineschiffe, tolle Flugzeuge, imposanter Zug? Schnell ein Foto gemacht - und dann klicken die Handschellen? Warum Touristen Verbotsschilder im Urlaub unbedingt erst nehmen sollten.

Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen deutliche Unterschiede bei den Kosten für Restaurant- und Hoteldienstleistungen in Europa. Besonders in mehreren südeuropäischen Ländern liegt das Preisniveau deutlich unter dem deutschen Vergleichswert.

Brandgeruch im Tower, Nachtflugverbot ausgesetzt: Am Flughafen München brauchen Reisende zum Ende der Pfingstferien Geduld.

Die Kreuzfahrt ist ein Massengeschäft geworden, auch dank der Rostocker Reederei Aida Cruises. Die Passagierzahlen steigen und steigen. Gleichzeitig setzen neue Auflagen die Branche unter Druck.

UN Tourism registrierte im ersten Quartal 2026 weltweit 307 Millionen internationale Touristenankünfte. Gleichzeitig erwartet die Organisation aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Reisekosten eine Abschwächung des Wachstums im weiteren Jahresverlauf.