Deutsche geben 88 Milliarden Euro für Urlaubsreisen aus

| Tourismus Tourismus

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Reisebereitschaft der Bundesbürger ungebrochen. Wie der Deutsche Reiseverband (DRV) zum Auftakt der Fachmesse ITB Berlin bekannt gab, stiegen die Ausgaben für vorab gebuchte Urlaubsreisen im Jahr 2025 auf den neuen Höchstwert von 87,9 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während das Ausgabenniveau stieg, blieb die Anzahl der Reisenden stabil, wobei die Gesamtzahl der Reisen um knapp ein Prozent leicht zurückging.

Organisierte Reisen gewinnen Marktanteile gegenüber Individualurlaub

Ein zentrales Ergebnis der von YouGov erhobenen Daten ist die Verschiebung hin zur Veranstalterreise. Das Segment der Pauschal- und Bausteinreisen wuchs überproportional um 9,3 Prozent auf 43,4 Milliarden Euro. Damit entfällt inzwischen fast die Hälfte des Gesamtumsatzes auf organisierte Reiseformen. Im Gegensatz dazu verzeichnete der Individualmarkt einen Rückgang: Bei selbst organisierten Auslandsreisen sanken die Buchungen um fünf Prozent, bei Inlandsreisen um drei Prozent. Besonders das Sommergeschäft war im individuellen Bereich mit einem Minus von acht Prozent betroffen.

„Pauschal- und Bausteinreisen gewinnen weiter Marktanteile. Viele Kunden setzen bewusst auf verlässliche Angebote und professionelle Betreuung – und damit auf Sicherheit“, betonte DRV-Präsident Albin Loidl. Diese Entwicklung wird durch die starke Nachfrage nach Fernreisen und Flugpauschalreisen in das östliche Mittelmeer gestützt, die klassischerweise über Veranstalter gebucht werden.

Steigende Preissensibilität führt zu verändertem Ausgabeverhalten

Obwohl die Deutschen für die Kernleistung ihres Urlaubs so viel Geld wie nie zuvor ausgeben, zeigen sich im Zielgebiet deutliche Spareffekte. Die Gesamtausgaben inklusive Nebenkosten stiegen zwar auf 119 Milliarden Euro, doch die variablen Kosten vor Ort sanken. So investierten Urlauber fünf Prozent weniger in Restaurantbesuche und reduzierten die Ausgaben für lokale Aktivitäten wie Ausflüge um ein Prozent.

Um die Budgets stabil zu halten, wichen viele Konsumenten auf die Nebensaison aus oder wählten günstigere Reiseziele. Zudem hat sich das Buchungsverhalten verändert: Mehr als jede vierte Reise wurde mindestens sechs Monate im Voraus reserviert. Laut Loidl versprechen sich die Kunden durch Frühbucher-Angebote bessere Preise und eine höhere Planungssicherheit. Auch Alles-Inklusive-Leistungen wurden verstärkt nachgefragt, um die Kosten kalkulierbar zu halten.

Kreuzfahrtmarkt als stabiler Wachstumsmotor

Das Segment der Kreuzfahrten festigte seine Rolle als Umsatztreiber. Die Ausgaben für Hochsee- und Flusskreuzfahrten stiegen um acht Prozent auf insgesamt 6,7 Milliarden Euro.

In der Hochseekreuzfahrt verteilten sich die Marktanteile wie folgt:

  • Nordsee: 37 Prozent

  • Westliches Mittelmeer: 20 Prozent

  • Atlantik (inkl. Kanaren, Madeira, Azoren): 14 Prozent

  • Ostsee und Baltikum: 7 Prozent

  • Östliches Mittelmeer: 5 Prozent

  • Karibik, Mittel- und Südamerika: Über 6 Prozent

Bei den Flusskreuzfahrten dominierten europäische Wasserwege das Geschäft. Der Rhein und seine Nebenflüsse machten 44 Prozent der Reisen aus, gefolgt von der Donau mit 22 Prozent. Auf französische Flüsse entfielen 14 Prozent, während der Nil einen Anteil von neun Prozent erreichte.

Umsatz im stationären Vertrieb und im Geschäftsreise-Sektor

Der stationäre Vertrieb über die rund 8.000 Reisebüros in Deutschland generierte nach DRV-Hochrechnungen einen Umsatz von 21 Milliarden Euro (Vorjahr: 22 Milliarden Euro). Davon entfielen 14,3 Milliarden Euro auf das Privatkundengeschäft. Der Bereich der Geschäftsreisen steuerte 6,7 Milliarden Euro zum Gesamtergebnis bei.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Airbnb führt in zehn europäischen Ländern einen sogenannten „Wetterschutz“ ein. Die Versicherung greift, wenn der Niederschlag am Standort der Unterkunft eine festgelegte Schwelle erreicht oder überschreitet.

Für den Wettbewerb „NaturMomente“ von Airbnb und dem Deutschen Tourismusverband sind 521 gültige Bewerbungen eingegangen, mehr als die Hälfte davon aus Ostdeutschland. Insgesamt steht eine Million Euro zur Unterstützung ländlicher Tourismusprojekte bereit.

Ryanair will ab April 2027 alle Bremen-Flüge einstellen und im Winter 2026 sein Sitzplatzangebot in Berlin halbieren. Insgesamt kündigt die Fluggesellschaft für Deutschland 700.000 Sitzplätze weniger als im Vorjahreswinter an.

Tagesgäste trugen 2025 einer dwif-Studie zufolge rund 2,72 Milliarden Euro und damit etwa die Hälfte zum touristischen Bruttoumsatz in Brandenburg bei. Insgesamt erzielte die Tourismus- und Freizeitwirtschaft des Landes 5,46 Milliarden Euro.

Soziale Medien beeinflussen die Reiseplanung der Deutschen zunehmend. Gleichzeitig posten sie seltener beschönigende Beiträge und verzichten im Urlaub häufiger vollständig auf soziale Netzwerke als Reisende in den übrigen untersuchten Ländern.

Reisepässe und Personalausweise haben persönliche Informationen nicht nur aufgedruckt, sondern auch auf einem Chip gespeichert. Manche Reisende machen sich Sorgen, ob genau dieser Chip nicht heimlich ausgelesen werden könnte.

Airbnb hat die Entwicklung der Suchanfragen nach naturnahen Reisezielen in Deutschland für den Herbst 2026 ausgewertet. Besonders stark gestiegen ist das Interesse an Orten im Schwarzwald, in der Eifel und an der Ostseeküste.

Der Flughafen Münster/Osnabrück führt 2026 das deutsche Flughafen-Ranking von Fit Reisen an. Auch im europäischen Vergleich schneiden kleinere Airports vielfach besser ab als große Drehkreuze.

Das Erstarken der AfD nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat Folgen für das Urlaubsland. Das zeigen Rückmeldungen von Gästen. Wie Touristiker darauf reagieren.

Die Nordseeküste meldet stabile Nachfrage, Usedom eine gute bis sehr gute Buchungslage. Im Harz fällt die Nachfrage regional schwächer aus. Nach Angaben der von dpa befragten Touristiker sind weiterhin Unterkünfte verfügbar.