Deutsche kehren Mallorca den Rücken

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Trotz aller Proteste der Einheimischen klettern die Urlauberzahlen auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln ungebremst. Von Januar bis September besuchten 16,6 Millionen Menschen den spanischen Mittelmeer-Archipel - so viele wie noch nie zuvor. Der Rekord des Vorjahreszeitraumes wurde um 2,4 Prozent übertroffen. 

Doch die jüngste Bilanz der Statistikbehörde INE bietet eine große Überraschung: Die Zahl der deutschen Besucher ging dieses Jahr bisher um fast zwei Prozent zurück. Nicht wenige Deutsche kehren ihrem jahrzehntelangen Lieblingsreiseziel also ganz offenbar den Rücken. Warum?

Eine Rolle mögen die Proteste gegen Massentourismus gespielt haben, die seit zwei oder drei Jahren nicht nur auf Mallorca immer größer und lauter werden. Auch in anderen Touristenhochburgen Spaniens wie Málaga, Valencia oder Santiago wird der Unmut gegen die beklagte «Invasion» größer und größer. Um die Welt gingen unter anderem die Bilder von Demonstrantinnen, die in Barcelona mit Wasserpistolen auf in Cafés sitzenden Touristen «schossen».

Die einstige «Urlaubsinsel der Putzfrauen» wird immer teurer

Die Besucher bekommen den Verdruss natürlich auch auf Mallorca gelegentlich zu spüren. Aber wenn man sie fragt, nennen sie andere Hauptgründe für das Ende der «Lovestory». Ganz klar an Nummer eins: Die enorm gestiegenen Unterkunfts- und Gaststättenpreise. Mallorca galt lange als sehr preiswerte Destination, wurde deshalb einst als «Urlaubsinsel der Putzfrauen» verspottet.

«Wir waren bisher jedes Jahr hier. Aber nächstes Jahr geht es dann nach Griechenland. Die Insel kann sich keiner mehr leisten», sagte Andrea Franz aus Hanau Ende Juli dem «Mallorca Magazin». «Für das Hotel geben wir mittlerweile das doppelte wie früher aus.» Auch andere Deutsche klagten im Gespräch mit dem Blatt vor allem, «dass jetzt auf der Insel alles so auf Luxus getrimmt wird».

«Wir fühlen uns nicht mehr willkommen»

Auch Karl und Monika Finken aus Mönchengladbach gehören zu denen, die nach knapp 40 Jahre währender Treue zu Mallorca «basta!» sagen. Sie prangern ebenfalls Unterkunftspreise an, die sich in kurzer Zeit verdoppelt hätten. Doch sie vermissen auch das Ambiente früherer Jahre und kritisieren unter anderem den zunehmenden Sauftourismus am Ballermann. «Jetzt ist es ein endgültiger Abschied (...) In gewisser Weise fühlen wir uns nicht mehr willkommen», sagte Karl Finken im Sommer dem «Majorca Daily Bulletin».

Das Ehepaar räumte ein, dass die zunehmenden Proteste sie getroffen hätten. «Am Anfang war das nicht so, aber mit der Zeit fühlten wir uns immer unwohler», erzählte Karl Finken. Den Vorwurf, der Tourismus sei schuld, weisen sie zurück: «Das eigentliche Problem ist eine unfähige Politik. Seit Jahrzehnten passiert nichts - vor allem beim Wohnungsbau.» Auch die großen Hotelketten bekommen ihr Fett weg: «Sie verdienen hier Milliarden, aber sie tragen nichts zur Lösung bei. Nicht einmal für ihre Mitarbeiter bauen sie Wohnungen.»

Die Kassen klingeln - aber nicht alle profitieren davon

Trotz aller Kritik von Besuchern und Einheimischen boomt der Tourismus auf den Balearen wie nie zuvor. 2025 könnte erstmals die Marke von 20 Millionen Besuchern fallen. Schon 2024 kamen fast 19 Millionen. Allein Mallorca mit weniger als einer Million Einwohnern zählte 13,5 Millionen Touristen, darunter mehr als fünf Millionen Deutsche. Die Kassen klingeln: Insgesamt gaben Urlauber auf den Inseln rund 22,4 Milliarden Euro aus, zwölf Prozent mehr als 2023. Tourismus macht mehr als 40 Prozent der Wirtschaftsleistung Mallorcas aus.

Aus Sicht von Mieterverbänden, Umweltschutz- und anderen Gruppen gibt es aber neben Preiserhöhungen viele weitere negative Folgen: Lärm, Staus, Wohnungsnot, Verschmutzung und Umweltzerstörung. Sogar Jaume Bauzà, Tourismusminister der Balearen, warnte: «Wir haben ein Limit erreicht.»

Die Wut der Einheimischen

Zumal nicht alle profitieren. Jeder Fünfte gilt auf Mallorca als armutsgefährdet. Man sieht immer mehr Slums. «Elend auf Mallorca breitet sich rasant aus», schrieb das «Mallorca Magazin». Die «Mallorca Zeitung» titelte: «Arm trotz Arbeit: Auf Mallorca bleibt vielen Menschen kein Geld mehr fürs Essen.»

Vor Saisonbeginn veröffentlichten sieben Organisationen Mallorcas einen Brandbrief an Touristen. «Kommt nicht hierher!» und «Bleibt zu Hause», hieß es. Mallorca sei «nicht das Paradies, das man euch verkauft». Die Insel sei «völlig überfüllt», erlebe «einen Kollaps». «Die Einheimischen sind wütend und nicht mehr gastfreundlich, weil man das Land, das wir lieben, zerstört und weil viele Bewohner auswandern müssen, weil die Insel unbewohnbar geworden ist.» Erste Mallorca-Fans sind der Aufforderung offenbar bereits gefolgt. (dpa)


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