Deutsche Reisewarnung stellt Tirol und Vorarlberg vor massive Probleme im Winter

| Tourismus Tourismus

Abreisen und Stornierungen deutscher Urlauber machen dem Westen Österreichs große Sorgen. Die Reisewarnungen, die Deutschland vor einer Woche erst für das Bundesland Vorarlberg und dann für Tirol ausgesprochen hat, zeigten sofort Auswirkungen - Wirtschaftsvertreter warnen vor Existenznöten.

«Wir brauchen dringend den deutschen Markt. Ein Tourismus mit Reisewarnung wird nicht stattfinden können», sagte der Tourismusvertreter in der Tiroler Wirtschaftskammer (WKÖ), Mario Gerber, der Deutschen Presse-Agentur. «In sämtlichen Destinationen sind Abreisen da, in allen Betrieben, überall», sagte Vorarlbergs WKÖ-Tourismussprecher Markus Kegele. «Es gibt viele Orte, die haben null Infizierte, und trotzdem reisen die Gäste ab. Das ist eigentlich der Schaden.»

Für die beiden Bundesländer stellt sich mit der Reisewarnung eine Zwickmühle: Die Pandemie will nach den Massenansteckungen im Tiroler Skiort Ischgl niemand verharmlosen. Doch die Ansteckungen, die die Zahlen auf den für Deutschland kritischen Sieben-Tages-Schnitt von über 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner bringen, finden derzeit kaum in den ländlichen Regionen statt. Auch Hotels in Teilen von Tirol, die keine Fälle registriert hätten, berichteten ihm von 50 Prozent Stornierungen, sagte Gerber. «Das ist für uns ein ganz schwerer Schlag.»

Deutsche machen einen sehr großen Teil der Urlauber der beiden Bundesländer aus, die an den Bodensee und Bayern grenzen. In Tirol wird nach Angaben der Wirtschaftskammer jeder dritte Euro direkt oder indirekt mit dem Tourismus verdient. In der Wintersaison 2018/2019 kam die Hälfte aller Tirol-Besucher aus Deutschland, davon ein Drittel direkt über die Grenze aus Bayern. Auch in Vorarlberg machten Deutsche deutlich mehr als die Hälfte der Ankünfte aus, davon wiederum gut die Hälfte aus Baden-Württemberg und Bayern.

In beiden Ländern wird nun gehofft, dass sich die Ansteckungszahlen so weit erholen, dass die Reisewarnung rechtzeitig zur Wintersaison wieder fallen könnte. «Beim Winter merken wir eine extreme Nachfrage, aber keine Buchungen. Die Gäste rufen an, informieren sich, aber die Buchungen bleiben aus, weil zu viel Unsicherheit herrscht», beschrieb Gerber die Lage in Tirol.

Für Vorarlberg berichtete Kegler schon von Stornierungen für den Winter. Er hoffe auf eine Wirkung der Maßnahmen - sowohl der vom Land geplanten Sicherheitskonzepts für den Winter, als auch der in Vorarlberg, Tirol und Salzburg eingeführten Sperrstunde von 22 Uhr. Tatsächlich lag in Vorarlberg der Sieben-Tages-Durchschnitt der Infektionen nach Angaben der Landesregierung seit Montag wieder unter dem entscheidenden Wert von 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner. Auch in Tirol sank die Zahl der aktiven Fälle im Vergleich zu vor einer Woche etwas, dort galten rund 500 Menschen als aktiv erkrankt. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Schlösser, Natur, zweisprachiges Theater: Polnische Touristen haben Brandenburg als Urlaubsregion entdeckt. Welche Orte besonders gefragt sind und was sie dort anzieht.

Die deutsche Fluggesellschaft Condor ist auf der Suche nach neuen Eigentümern. Ihr Chef kann sich auch einen Verkauf an Airlines vom Golf vorstellen.

Mehr als 29.400 Beschwerden in nur sechs Monaten: Die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr meldet einen Rekord – vor allem Flugreisende fordern Entschädigung nach Ausfällen und Verspätungen.

Trotz inflationsbedingter Belastungen plant die Mehrheit der Hamburger eine Sommerreise, achtet dabei jedoch verstärkt auf Rabatte und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Der klassische Strandurlaub bleibt dabei die beliebteste Urlaubsform.

Mittelgebirge, Städte, Freizeitparks: Sachsen hat im Sommer viel für einen abwechslungsreichen Urlaub zu bieten. Die Tourismusbranche rechnet mit weiteren Buchungen in den kommenden Wochen.

Eine aktuelle Umfrage von SAP Concur zeigt, dass deutsche Geschäftsreisende touristische Hotspots zunehmend meiden. Hohe Kosten, überfüllte Innenstädte und eingeschränkte Verfügbarkeiten beeinflussen demnach die Reiseplanung.

Klinik und Bett statt Strand: Für ein Paar endete der Traumurlaub auf Mauritius schon auf dem Hinflug - mit gebrochenen Wirbeln und Schmerzen. Im Nachgang klagen sie gegen den Reiseveranstalter.

Bayerns Tourismusministerin Michaela Kaniber hat eine neue Initiative zur strategischen Neuausrichtung des Tourismus gestartet. Grundlage der kommenden Beratungen sind die Ergebnisse einer branchenweiten Umfrage mit über 1.100 Teilnehmern.

Zum Start der Sommerferien hat ECPAT Deutschland eine Kampagne gegen Kindesmissbrauch im Tourismus gestartet. Gemeinsam mit Behörden und Reiseveranstaltern sollen Reisende für Zivilcourage sensibilisiert werden.

Eine aktuelle Auswertung von Airbnb identifiziert die beliebtesten deutschen Strandorte für den Sommer 2026. Dabei dominieren vor allem Ziele an der Ostseeküste das Ranking der Suchanfragen.