Deutsche setzen beim Reisen auf kleinere Nachhaltigkeitsmaßnahmen

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Während Umwelt- und Klimaschutz in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit hinter Themen wie Einwanderung, Wirtschaft und Sicherheit zurücktreten, vollzieht sich im deutschen Reiseverhalten ein bemerkenswerter Wandel: Nachhaltigkeit gewinnt als praktisches Handlungsprinzip an Bedeutung, ohne dass Reisende dafür auf ihre Urlaubsträume verzichten wollen.

Eine Erhebung im MobilitätsMonitor von YouGov unter mehr als 20.000 Personen in Deutschland im Herbst 2025 belegt, dass sich das Verständnis von nachhaltigem Reisen verändert. Anstatt auf Reiseverzicht zu setzen, bevorzugen Reisende zunehmend nachhaltigere Alternativen innerhalb ihrer Reiseplanung. Die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Angebote wächst, Nachhaltigkeitssiegel gewinnen an Bedeutung und die Mehrheit achtet auf nachhaltiges Verhalten vor Ort. Gleichzeitig verlieren klassische Verzichtsstrategien an Einfluss auf die Reiseentscheidungen.

Gestiegene Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Angebote

Die auffälligste Entwicklung ist die gestiegene Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Angebote. Der Anteil der Reisenden, die für umweltfreundliche Verkehrsmittel oder nachhaltige Angebote am Reiseziel mehr Geld ausgeben würden, steigt von Herbst 2024 bis Herbst 2025 von 24 auf 31 Prozent – ein Plus von 7 Prozentpunkten.

Gleichzeitig verlieren Maßnahmen, die auf Verzicht basieren, leicht an Zustimmung. So geben nur noch 32 Prozent an, Flugreisen zur Verringerung des CO₂-Ausstoßes zu vermeiden (−2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2024). Auch der bewusste Verzicht auf Kreuzfahrten geht leicht zurück (−1 Prozentpunkt). Dies spricht dafür, dass Nachhaltigkeit für viele Reisende zwar wichtig bleibt, aber nicht zwingend mit dem Verzicht auf bestimmte Reiseformen verbunden wird.

Die Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeitslabels und Zertifizierungen bei Unterkünften nimmt wiederum zu. Mit einem Anstieg von 25 auf 28 Prozent (+3 Prozentpunkte) gewinnen Orientierungshilfen für nachhaltige Reiseentscheidungen weiter an Bedeutung. Zudem ist im Jahr 2025 die Bereitschaft zur freiwilligen CO₂-Kompensation bei einer Klimaschutzorganisation leicht gestiegen (von 8 auf 10 Prozent). Obwohl das Niveau insgesamt niedrig bleibt, zeigt die Entwicklung eine wachsende Offenheit für klimabezogene Ausgleichsmaßnahmen.

Nachhaltiges Verhalten am Urlaubsort fest etabliert

Besonders hohe Zustimmungswerte erreichen Maßnahmen, die Reisende direkt am Urlaubsort umsetzen können. So kaufen 54 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben lokale Produkte, um das Klima zu schonen. Noch mehr, nämlich 59 Prozent, besuchen am Reiseziel bewusst Restaurants, Unterkünfte oder Shops, die von Einheimischen betrieben werden, um die regionale Wirtschaft zu unterstützen. Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) finden es wichtig, dass die lokale Bevölkerung bei der touristischen Weiterentwicklung einer Region aktiv einbezogen wird. Noch verbreiteter ist der Verzicht auf den täglichen Hotelservice: 68 Prozent nehmen frische Bettwäsche und Handtücher nicht mehr jeden Tag in Anspruch. Mit 77 Prozent erreicht der respektvolle Umgang mit den Kulturen, Lebensweisen und Perspektiven vor Ort den höchsten Zustimmungswert.

Jung, urban, weiblich: Wer treibt nachhaltiges Reisen voran?

Die Ergebnisse zeigen deutliche soziodemographische Unterschiede: Besonders die jüngere Generation treibt den Nachhaltigkeitstrend im Tourismus voran. Junge Reisende achten häufiger auf Nachhaltigkeitsaspekte, berücksichtigen Klimafolgen stärker bei ihrer Reiseplanung und zeigen eine überdurchschnittliche Bereitschaft, ihr Reiseverhalten anzupassen.

Auch Frauen weisen insgesamt eine höhere Nachhaltigkeitsorientierung auf als Männer. Sie achten stärker auf faire Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeitskriterien und umweltfreundliches Verhalten am Urlaubsort.

Deutlich wird zudem der Einfluss des sozialen Status: Personen aus höheren sozialen Schichten sind eher bereit, für nachhaltige Angebote zusätzliche Kosten zu tragen.

“Die Ergebnisse aus unserem MobilitätsMonitor zeigen: Nachhaltigkeit spielt beim Reisen durchaus eine Rolle – doch damit sie gelebt werden kann, müssen Barrieren abgebaut werden", erklärt Ramona Ottmann, Consultant bei YouGov. „Es braucht niedrigschwellige Ansätze, die begeistern statt einschränken. Verbote führen nicht zum Ziel. Stattdessen müssen Reisenden Alternativen angeboten werden, die einen erkennbaren Nutzen haben und sich leicht umsetzen lassen – ohne dass es sich nach Verzicht anfühlt. Darin liegt die große Chance für die Tourismusbranche."


 

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