Einigung zur EU-Pauschalreiserichtlinie: DRV sieht wesentliche Forderungen erfüllt

| Tourismus Tourismus

Der Deutsche Reiseverband (DRV) bewertet die erzielte Einigung im Trilogverfahren zur EU-Pauschalreiserichtlinie als Teilerfolg. Nach einer ersten und vorläufigen Bewertung sind wesentliche Kritikpunkte der deutschen Reisewirtschaft berücksichtigt worden. Besonders positiv wird die Möglichkeit zur Vermittlung mehrerer Einzelleistungen hervorgehoben. Gleichzeitig ergeben sich neue Belastungen, etwa durch erweiterte Informationspflichten und die Beibehaltung kurzer Fristen für Reisepreiserstattungen.

Ende der verbundenen Reiseleistungen und klare Unterscheidung

Eine zentrale Änderung der neuen Richtlinie ist die Streichung der sogenannten Verbundenen Reiseleistungen. Nach der Einigung wird es künftig eine klarere Unterscheidung zwischen einer vorliegenden Pauschalreise und der Buchung von Einzelleistungen geben.

Der DRV-Präsident Albin Loidl zeigt sich erleichtert: „Wesentliche Kritikpunkte und Forderungen des Verbandes und damit der Reisewirtschaft sind berücksichtig worden“. Besonders für Reisemittler sei die folgende Regelung ein positives Signal: Vermittelt der Reisemittler dem Kunden mehrere individuell gewünschte Reiseleistungen, die nicht paketiert werden, muss er den Verbraucher lediglich darüber informieren, dass in diesem Fall keine Pauschalreise vorliegt. „So bleibt die Vermittlung mehrerer Einzelleistungen künftig möglich – das ist für die Reisemittler ein positives Signal“, präzisiert Loidl. Die politische Arbeit des DRV sei in diesem Zusammenhang erfolgreich gewesen, da „erhebliche Mehrbelastungen zu verhindern“ waren, so das erste Fazit des DRV-Präsidenten.

Ausweitung der Kriterien für Click-Through-Buchungen

Die Kriterien für eine sogenannte Click-Through-Buchung werden künftig ausgeweitet. Eine solche Buchung liegt dann vor, wenn ein erster Anbieter innerhalb von 24 Stunden einzelne persönliche Daten an einen zweiten Anbieter weiterleitet. Während nach der bisherigen Regelung die Übermittlung mehrerer Daten erforderlich war, reicht künftig bereits die Weitergabe eines einzigen der erweiterten Merkmale aus, um die Voraussetzungen für eine Click-Through-Buchung zu erfüllen.

Reisewarnungen bleiben wichtiges Indiz

Auch nach der neuen Richtlinie behalten Reisewarnungen ihre Rolle als wichtiges Indiz für das Vorliegen von unvermeidbaren außergewöhnlichen Umständen. Es wird klargestellt, dass die Umstände am Wohnort des Reisenden hierfür nicht maßgebend sind. Ausschlaggebend bleiben die Umstände im Zielgebiet, am Abfahrtsort und während der Reise ins Zielgebiet. Es bleibt bei der Einzelfallbetrachtung, wann unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände gegeben sind.

Als positiv wird zudem bewertet, dass Regelungen zu Sanktionen und Anzahlungen dem nationalen Gesetzgeber vorbehalten bleiben.

Erweiterte Pflichten und Kurze Fristen

Die erste Bewertung des DRV offenbart aber auch Schattenseiten der Einigung. Demnach werden die Informationspflichten für die Reiseunternehmen ausgeweitet, was einen zusätzlichen Aufwand bedeutet. Nach aktueller Einschätzung sollen zudem Reiseveranstalter (wohl ausschließlich sie) künftig dazu verpflichtet sein, ein Beschwerdemanagementsystem einzurichten.

Aus Sicht des DRV wurden außerdem keine Lehren aus der Pandemie zum Vorteil der Reiseunternehmen gezogen: Reisepreiserstattungen müssen weiterhin innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Die Einigung sieht zudem keine verpflichtenden Gutscheine vor. Diese können Kunden zwar angeboten werden, müssen von diesen aber nicht akzeptiert werden.

Umsetzungsfrist für die Nationalen Regierungen

Die nationalen Regierungen erhalten zur Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in das jeweilige nationale Reiserecht eine Frist von 28 Monaten. Zudem wird eine sechsmonatige Übergangsfrist gewährt, bevor die neuen Vorschriften angewendet werden müssen. Eine detailliertere Analyse mit den Folgen für die Reisewirtschaft steht noch aus und wird mit Vorliegen des Richtlinientextes erwartet.

Zurück

Vielleicht auch interessant

Nach dem Kriegsausbruch im Iran sitzen zehntausende deutsche Urlauber im Nahen Osten fest. Während die Bundesregierung Evakuierungen für vulnerable Gruppen vorbereitet und Reisekonzerne wie Tui erste Rückflüge planen, warnen Behörden vor logistischen Engpässen und betrügerischen Umbuchungs-Hotlines.

Die Deutschen buchen ihren Sommerurlaub 2026 so früh wie nie zuvor. Während die Türkei und das Mittelmeer boomen und die Pauschalreise als Sicherheitsgarant gefragt ist, müssen die USA deutliche Einbußen hinnehmen. Der DRV präsentiert zum Start der ITB Berlin die aktuellen Marktdaten.

Die ITB Berlin 2026 startet heute mit rund 6.000 Ausstellern aus über 160 Ländern. Im Mittelpunkt der dreitägigen Fachmesse stehen neben dem Gastland Angola die technologische Transformation durch Künstliche Intelligenz, strategische Wachstumsfelder wie Medical- und LGBTQ+-Tourism sowie ein international besetzter Fachkongress zur Zukunft der Branche.

Während der deutsche Reisemarkt insgesamt stagniert, boomt das Geschäft mit Fernreisen nach Asien. Neue Daten von YouGov und Sinus belegen ein Wachstum von zwölf Prozent für die Fernstrecke Ost und zeigen, welche Milieus den Trend antreiben.

Die deutsche Reisewirtschaft erreicht 2025 ein neues Rekordniveau: Fast 88 Milliarden Euro gaben die Bundesbürger für ihren Urlaub aus. Der Trend geht klar zur organisierten Veranstalterreise, während im Zielgebiet die Preissensibilität steigt. Besonders Kreuzfahrten bleiben ein massiver Wachstumstreiber der Branche.

Rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern sind von der Eskalation in der Golfregion betroffen - sie sitzen dort fest oder können nicht an den Flughafen-Drehkreuzen umsteigen.

Träumen Sie von einer frischen Meeresbrise, neuen Horizonten und einer entspannten Auszeit vom Alltag, haben aber nur wenig Zeit? Dann sind Minikreuzfahrten die perfekte Lösung. Diese kurzen Seereisen, die meist zwischen drei und fünf Tagen dauern, bieten eine ideale Möglichkeit, die Welt der Kreuzfahrten kennenzulernen, ohne gleich eine mehrwöchige Reise buchen zu müssen.

Die Lage in der Golfregion spitzt sich weiter zu: Nach einem mutmaßlichen Drohnenangriff auf das Luxushotel Burj Al Arab in Dubai und der Sperrung der Lufträume sitzen tausende deutsche Urlauber fest. Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für die Region ausgesprochen, während Kreuzfahrtanbieter wie Tui Cruises ihre Fahrten absagen.

Die DZT präsentiert ihre globale Strategie für 2026. Mit vier Hauptkampagnen und einem klaren Fokus auf Kulinarik, Stadtkultur und Nachhaltigkeit will die Organisation das Rekordniveau der touristischen Wertschöpfung von über 78 Milliarden Euro weiter sichern und ausbauen.

Eine Analyse von Fit Reisen identifiziert die führenden Hamams in Deutschland. Das Ranking liefert Einblicke in die Qualitätsstandards der Branche und zeigt, welche Betriebe durch authentische Rituale und Kundenzufriedenheit überzeugen.