Europäer reisen wieder nach Deutschland

| Tourismus Tourismus

Unmittelbar, nachdem Mitte Juni die wegen der Corona-Pandemie erlassenen Reisebeschränkungen in zahlreichen europäischen Ländern schrittweise gelockert wurden, nutzten Touristen aus diesen Staaten die Möglichkeit, wieder nach Deutschland zu reisen. Allein aus den unmittelbaren Anrainerstaaten wurden im Juni wieder 1,08 Millionen Übernachtungen gezählt, 760.000 mehr als im Vormonat. Für den gesamten Incoming-Tourismus meldete das Statistische Bundesamt im Juni ein Minus von 79,6 Prozent im Vorjahresvergleich nach Verlusten von 93,1 beziehungsweise 91,0 Prozent in den Lockdown-Monaten April und Mai.

Nach vorab veröffentlichten Ergebnissen des Anholt-Ipsos Nation Brands Index (NBI) 2020 steht Deutschland an der Spitze von 20 Reiseländern, in denen sich internationale Touristen am wohlsten fühlen würden. Zugleich bescheinigen die 20.000 Umfrageteilnehmer Deutschland die Führungsposition unter dem Aspekt Krisenmanagement im Gesundheitssystem.

„Die ersten Ergebnisse des NBI bestätigen das über lange Zeit gewachsene hervorragende Image des Reiselandes Deutschland bei internationalen Gästen – auch in Krisenzeiten. Zugleich haben wir mit den Partnern im Deutschlandtourismus intensiv zusammengearbeitet, um das Interesse an unserem Produkt auf den internationalen Märkten wachzuhalten. Das gibt uns Grund für einen vorsichtigen Optimismus, mit gemeinsamen Anstrengungen aus dieser schweren Krise des weltweiten Tourismus mittelfristig herauszukommen,“ ordnet Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), die jüngste Entwicklung ein.

Zwischenbilanz: Lockdown trifft gesamte Tourismusbranche weltweit

Der Lockdown hat alle Quellregionen und Zielgebiete des weltweiten Tourismus gleichermaßen betroffen. Laut UNWTO-Tourismusbarometer vom 30. Juli 2020 fiel die Zahl der internationalen Ankünfte im Zeitraum Januar bis Mai 2020 im Vorjahresvergleich weltweit um 55,9 Prozent, in Europa um 57,9 Prozent. Für die Lockdown-Monate April und Mai berichtet die UNWTO Veränderungsraten von minus 96,9 bzw. minus 97,6 Prozent.

Die Ergebnisse der UNWTO-Analyse werden auch durch den Quarterly Report 2/2020 der European Travel Commission (ETC) gestützt: im Februar sinkende Nachfrage nach Flügen in Asien, wo die Pandemie zuerst ausbricht; im März mit dem Lockdown in immer mehr Ländern deutliche Rückgänge bis zum kompletten Einbruch im April weltweit.

Auch die Zwischenbilanz des deutschen Incoming-Tourismus für das erste Halbjahr 2020 ist deutlich von der Pandemie gezeichnet: 15,7 Millionen Ausländerübernachtungen registrierte das Statistische Bundesamt bis Ende Juni in Beherbergungsbetrieben mit mindestens zehn Betten, ein Rückgang um 60,6 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Die Analyse der Flugbuchungsdaten durch Forward Keys zeigt eine Belebung der Reiselust seit der Grenzöffnung. Mitte Juni lagen die Flugankünfte aus den 13 wichtigsten europäischen Quellmärkten für Deutschland noch bei rund 25 Prozent des Vorjahresvolumens, seit Mitte Juli wurden bereits Werte über 30 Prozent erreicht. Die ETC berichtet ebenfalls von einer leichten Entspannung: In den ersten beiden Juliwochen stiegen innereuropäische Flugbuchungen gegenüber dem Vormonat um sechs Prozent.

Perspektiven: differenzierte Entwicklung der Märkte und Marktsegmente

In der Recovery-Phase erwartet die DZT eine differenzierte Erholung in einzelnen Marktsegmenten. Grundlage dafür ist eine Studie von IPK International, die Auswirkungen von Covid-19 auf das Reiseverhalten im internationalen Tourismus darstellt. Als besonders niedrig bewerteten die Teilnehmer der Umfrage das Corona-Risiko bei Autoreisen, naturorientiertem Urlaub und individuelle Urlaubsformen.

Die DZT geht darauf mit einer flexiblen Kampagnenplanung und der Justierung ihrer Marketingaktivitäten auf europäische Märkte ein. So startete sie jetzt die Kampagne ‚#WanderlustGermany‘, die vor allem in den Nachbarländern um Natur- und Aktivreisende mit den Schwerpunkten Radfahren und Wandern wirbt.

Um die Attraktivität der Städte in Corona-Zeiten zu stützen, bewirbt die DZT derzeit die Grüngürtel der Städte, Außengastronomie wie Biergärten, Schlossparks und Gartenanlagen sowie Ausflugsziele im Umland der Metropolen.

In einer weiteren Studie (Juni 2020) untersuchte Tourism Economics den Einfluss der Pandemie auf die 15 wichtigsten Quellmärkte des Reiselandes Deutschland. Demnach ist im laufenden Jahr ein Minus von 45 Prozent bei den Übernachtungen aus Europa und von 64 Prozent aus Übersee zu erwarten. Überseemärkte erholen sich laut dieser Studie deutlich langsamer. Die Anrainerstaaten Dänemark, Belgien, die Niederlande, die Schweiz und Österreich bieten Potenzial für die schnellste Erholung. Weitere große europäische Quellmärkte für das Reiseland Deutschland, wie Frankreich, Schweden, Großbritannien, Spanien und Italien, folgen auf den Plätzen 6 bis 10.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Griechenland bleibt trotz Krisen Magnet für Urlauber, während Zypern um Vertrauen wirbt. Was die geopolitische Lage für Ihre Sommerpläne bedeutet – und wo es Hoffnung auf Erholung gibt.

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer feiert 2026 sein 40-jähriges Jubiläum. Mittendrin in diesem so wichtigen Lebensraum liegen die sieben Ostfriesischen Inseln. Und das frisch rezertifiziert als Partner der Nationalparkverwaltung.

Kerosin kostet infolge des Iran-Kriegs viel mehr. Das geht auch an Urlaubern nicht spurlos vorbei, denn es hat Auswirkungen auf die Reisepreise. Auch nachträgliche Erhöhungen können rechtens sein.

Das Kabinenpersonal von Deutschlands größter Airline ist zum Streik aufgerufen. Welche Flüge betroffen sein können und welche Rechte betroffene Reisende haben - der Überblick.

Die griechische Hotelgruppe Domes Resorts hat eine Mehrheitsbeteiligung an Casa Collective erworben. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde eine entsprechende Vereinbarung mit Goldman Sachs geschlossen. Casa Collective ist die Plattform hinter den Hotelmarken Cook’s Club und Casa Cook.

Die Urlaubsinsel Capri führt eine «Anti-Belästigungs-Verordnung» ein: Aufdringliches Ansprechen von Touristen, Flyer oder Lockangebote in Restaurants werden jetzt mit bis zu 500 Euro Strafe geahndet.

Flusskreuzfahrten als Impuls für Hamburgs City: Neue Anleger mit guter Anbindung für Touristen, die Geld in Restaurants und Läden lassen sollen. Rot-Grün will Flusskreuzfahrten für die Stadt nutzen.

Venedig kostet seit letztem Freitag wieder Eintritt: zehn Euro pro Tag. An insgesamt 60 Terminen bis Ende Juli werden Kurzbesucher in der italienischen Lagunenstadt dieses Jahr erneut zur Kasse gebeten.

Krisen wie im Nahen Osten bringen Urlaubspläne ins Wanken: Laut einer Umfrage ändern 16 Prozent der Deutschen mit Plänen für Ostern oder die kommenden drei Monate ihre Reise – einige verzichten ganz.

Die Lufthansa bekennt sich endlich zu ihrer vollständigen Geschichte. Doch zum 100. Jahrestag des Erstflugs steht das Unternehmen nicht allzu glänzend da. Neue Turbulenzen zeichnen sich ab.