Der europäische Tourismussektor verzeichnete Ende 2025 eine stabile Nachfrage. Ein zentrales Merkmal dieser Entwicklung ist, dass die Ausgaben der Reisenden schneller ansteigen als die Zahl der tatsächlichen Ankünfte. Laut dem jüngsten Bericht der European Travel Commission rücken zunehmend Reisen außerhalb der Hauptsaison sowie alternative Reiseziele in den Fokus der Touristen.
Trendwende: Wertschöpfung schlägt reines Volumenwachstum
In den letzten Monaten des Jahres 2025 blieb die Performance des Sektors beständig. Trotz gestiegener Kosten priorisierten Konsumenten ihre Urlaubsreisen innerhalb Europas. Die internationalen Ankünfte stiegen im Jahresvergleich um 3,2 Prozent, während die Übernachtungen um 3,1 Prozent zunahmen. Dies stellt eine Verbesserung gegenüber dem vorangegangenen Quartal dar und belegt eine robuste Nachfrage im Herbst und Frühwinter.
Besonders auffällig ist die Entkoppelung von Volumen und Umsatz: Die Gesamtausgaben für Reisen in Europa erhöhten sich im Jahr 2025 schätzungsweise um 9,7 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass das Branchenwachstum verstärkt durch höhere Pro-Kopf-Ausgaben und wertorientierte Nachfrage getragen wird, anstatt rein durch eine Steigerung der Besucherzahlen.
Nord- und Osteuropa profitieren von der Suche nach Alternativen
Die Zuwächse verteilen sich unterschiedlich über den Kontinent. Vor allem Ziele in Nord- sowie Mittel- und Osteuropa verzeichneten teils deutliche Steigerungen bei den Einreisen. Zu den Spitzenreitern gehörten Finnland mit einem Plus von 14,1 Prozent, Norwegen mit 12,9 Prozent und Polen mit 12,0 Prozent. Auch Ungarn und die Slowakei meldeten Zuwächse im hohen einstelligen Bereich. Bei den Übernachtungen stach Litauen mit einem Anstieg von 22,8 Prozent hervor.
Diese Entwicklung spiegelt ein wachsendes Interesse an kühleren Klimazonen und weniger überlaufenen Orten abseits der klassischen Touristenpfade wider. Gleichzeitig blieben die etablierten Ziele in Süd- und Westeuropa stabil. Frankreich verzeichnete ein Plus von 8,2 Prozent bei den Ankünften, gefolgt von Griechenland mit 4,4 Prozent und Spanien mit 3,4 Prozent.
Inflation treibt Nachfrage in die Nebensaison
Das Reiseverhalten wird weiterhin maßgeblich durch das Preisniveau beeinflusst. Zwar schwächt sich die tourismusspezifische Inflation ab, doch die Kosten liegen weiterhin über dem Niveau von vor der Pandemie. In der Folge suchen Reisende verstärkt nach Angeboten in der Nebensaison. Daten von Tourism Economics belegen, dass 79 Prozent der Branchenexperten finanzielle Faktoren als derzeit größte Herausforderung ansehen.
Diese Verschiebung zeigt sich auch in den Luftverkehrszahlen. Die Passagierkilometer stiegen im Oktober um 6,7 Prozent und im November um 7,1 Prozent, womit sie die Wachstumsraten der Sommermonate Juli und August übertrafen. Im Beherbergungssektor stieg der Erlös pro verfügbarem Zimmer um 2,1 Prozent, wobei die Durchschnittsraten um 1,2 Prozent zulegten. In Spanien führte zudem eine strengere Regulierung von Kurzzeitmieten zu einem Rückgang des Angebots um durchschnittlich 7,1 Prozent pro Monat.
Asiatische Märkte werden zum Wachstumsmotor für 2026
Für das Jahr 2026 wird mit einem weiteren Anstieg der internationalen Ankünfte um 6,2 Prozent gerechnet. Dabei sollen Fernmärkte eine tragende Rolle spielen, für die ein Zuwachs von 9 Prozent prognostiziert wird. Besonders aus China und Indien werden deutliche Steigerungen erwartet (plus 28 Prozent beziehungsweise plus 9 Prozent im Vergleich zu 2025). Für den amerikanischen Markt wird aufgrund politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten ein moderateres Wachstum von 4,2 Prozent vorhergesagt.
Miguel Sanz, Präsident der European Travel Commission, kommentiert die Ergebnisse: „The continued resilience of travel demand into late 2025 is a positive signal for Europe’s tourism sector. Particularly encouraging is the fact that growth in traveller spending is outpacing that of arrivals, allowing destinations to focus more on value than volume. As interest in travelling beyond the peak summer months continues to grow, tourism can deliver more balanced benefits across regions, supporting local economies, jobs and communities throughout the year.“











