Ferien auf dem Bauernhof: Gutshofbesitzer setzen auf Tourismus

| Tourismus Tourismus

Sie sehen prächtig aus mit ihren Herrenhäusern, Scheunen und Ställen. Doch um die großen Gutshöfe in Schleswig-Holstein zu erhalten, sind starke Wirtschaftsbetriebe nötig. Wo Land- und Forstwirtschaft nicht reichen, setzen die Gutsherren und -frauen auf Weihnachtsmärkte und Veranstaltungen. Einige Gutshöfe haben sich in den vergangenen Jahren außerdem zu Hotels entwickelt oder vermieten Ferienwohnungen und nehmen eine besondere Stellung im schleswig-holsteinischen Tourismus ein.

Das Gut Panker (Kreis Plön) im Besitz der Landgrafen von Hessen ist ein eigenes Dorf mit Kapelle und Wohnhäusern, Trakehnerzucht und Geschäften. Im Hotel-Restaurant «Ole-Liese» stehen Übernachtungsgästen 23 Zimmer zur Verfügung.

Grundbesitz sei neben guten Mitarbeitern das wertvollste Kapital der Güterverwaltung Hessische Hausstiftung, sagt Verwalter Achaz von Wintzingerode. «Land- und Forstwirtschaft sind seit bald 300 Jahren das Fundament dieses Betriebes, wie von vielen anderen auch.»

Ferien auf dem Bauernhof: Hotels und Restaurants sorgen für Touristen

Gut Panker sei vor allem durch das Hotel-Restaurant «Ole Liese» (ein Michelin-Stern im Restaurant «1797»), das Forsthaus Hessenstein und seine besonderen Läden, Kunstwerkstätten und Galerien ein beliebtes touristisches Ziel. «Alle Gebäude sind lebendig genutzt, und Panker bietet Wohnort und Arbeitsplatz für viele Menschen zugleich», sagt von Wintzingerode.

Für den Tourismus des Landes sind Gutshöfe nach Einschätzung der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein vor allem wegen ihrer Veranstaltungen, des kulinarischen Angebots und der Übernachtungsmöglichkeiten interessant. «So haben sich beispielsweise saisonale Märkte, insbesondere die Weihnachtsmärkte, auf vielen Gutshöfen zu Besuchermagneten entwickelt und eine Strahlkraft über das Land hinaus gewonnen», sagt Sprecherin Manuela Schütze.

Kulturveranstaltungen wie Konzerte des Schleswig-Holstein Musikfestivals, Gartenmessen und vieles mehr seien besonders für Tagestouristen interessant. «Gutshöfe sind Teil der Geschichte des Landes und mit ihrer Öffnung und ihrem Angebot für Gäste tragen sie zum Image der Destination Schleswig-Holstein bei», sagt Schütze.

Immenhof in Malente nun ein Hotel

Eines der bekanntesten Güter des Landes ist der aus Heimatfilmen der 50er Jahre bekannte Immenhof im ostholsteinischen Malente. Nach langer Restaurierung eröffnete im vergangenen Herbst ein Hotel mit 50 Zimmern, sechs Ferienwohnungen, zwei Restaurants und Reitanlage direkt am Kellersee. Einen eigentlichen Gutsbetrieb gibt es nicht mehr (Tageskarte berichtete).

Die Startbedingungen seien wegen Corona nicht einfach gewesen, sagt Hoteldirektor Thilo Mühl, Hotel und Restaurants würden aber sehr gut angenommen. Die Gäste kommen hauptsächlich aus dem Hamburger und Berliner Raum, aus Niedersachsen, aber auch aus Nordrhein-Westfalen. Der Immenhof ist frei zugänglich und soll auch Ostholstein-Urlaubern und Einheimischen als Ausflugsziel dienen. «Das Thema Immenhof ist emotional besetzt», sagt Pressesprecherin Julia Brinckman.

Restaurierungsarbeiten und Planungen seien aufwendig gewesen, sagt Mühl. Die Anlage stehe unter Denkmal- und Ensembleschutz. Aber das Ergebnis kann sich laut dem Hoteldirektor sehen lassen. «Alle Zimmer sind individuell gestaltet», sagt Mühl. Aus den Fenstern haben die Gäste Ausblicke auf den Kellersee, die Gutsanlage mit Reitplatz oder in die hügelige und waldreiche Landschaft. Die beiden Restaurants legen Wert auf Regionalität und Saisonalität. «Alles kommt von Höfen aus der Umgebung - soweit verfügbar», sagt Mühl.

Landwirtschaft und Ferienwohnungen

Ganz anders ist die Situation des Guts Nehmten am Großen Plöner See. Christoph Freiherr von Fürstenberg-Plessen betreibt zusammen mit seiner Frau neben Land-, Forst- und Energiewirtschaft momentan drei Ferienwohnungen. «Wir müssen uns sehr breit aufstellen, da gehört Tourismus in unserer Lage auch dazu», sagt er. Immerhin rund zehn Prozent trage der Tourismus zum Geschäft bei.

Caspar Graf zu Rantzau betreibt auf dem Gut Pronstorf am Wardersee im Kreis Segeberg noch umfangreich Acker- und Forstwirtschaft. Der Weihnachtsmarkt und andere Veranstaltungen ziehen viele Besucher an. Im großen Torhaus können Gäste übernachten. «Das Hotel ist entstanden, weil wir das Gebäude erhalten wollten», sagt er. Nach einigen Jahren in Eigenregie sei das Hotel mit 21 Zimmern seit 2019 verpachtet. Es wird hauptsächlich für Hochzeiten und Tagungen genutzt und sei kein touristisches Unternehmen. Es leiste einen wirtschaftlichen Beitrag, «aber es ist keine Cash-Cow».

Die absolute Spitze des Gutshoftourismus in Schleswig-Holstein bildet das Ressort Weissenhaus in Wangels (Kreis Ostholstein). Küchenchef Christian Scharrer erkochte mit seinem Team im Gourmetrestaurant «Courtier» zwei Michelin-Sterne. In Weissenhaus wird im Mai die internationale Politik Station machen: Die Außenminister der sieben großen westlichen Industrienationen (G7) treffen sich in dem Resort (Tageskarte berichtete). (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Camping gewinnt in Deutschland weiter an Bedeutung. Laut einer aktuellen Umfrage des ADAC zählt inzwischen jeder Vierte ab 16 Jahren zur Camping-Zielgruppe. Besonders stark gewachsen ist der Anteil in der Altersgruppe der 16- bis 39-Jährigen.

TUI will im Geschäft mit günstigeren Reisen wachsen und setzt dafür auf die neue Low-Cost-Marke Sundeals. Das Angebot ist zunächst auf Großbritannien ausgerichtet und wird ausschließlich online vertrieben. Beim Aufbau greift der Reisekonzern auf Erfahrungen von l’tur zurück.

Früher war der Sommerurlaub immer auch eine Selbstvergewisserung - im Ausland lief vieles nicht so gut wie zu Hause. Heute ist das oft anders. Ein Experte sieht sogar eine Gefahr für die Demokratie.

Im aktuellen PiNCAMP-Ranking für 2026 rücken deutsche Campingplätze stärker in den Fokus der Nutzer. Mit 39 Anlagen in den Top 100 stellt Deutschland die meisten Standorte im europäischen Vergleich.

Während der Branchenverband bundesweit von sinkenden Umsätzen berichtet, ziehen Freizeit- und Erlebnisparks im Norden eine positivere Zwischenbilanz des Sommers. Sie nennen dafür auch Gründe.

Urlaub kann manchmal hektisch werden. Deshalb setzen viele Reisende inzwischen auf Slow Travel. Das bedeutet, dass du weniger Orte bereist, aber dafür mehr Zeit an jedem einzelnen verbringst. Wir stellen dir das Konzept im Folgenden vor.

Die Zahl der Gäste und der Übernachtungen in Rheinland-Pfalz war im ersten Halbjahr so hoch wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Wirtschaftsminister Michael Ebling sieht sogar einen Boom.

Dänemark erlebt einen Urlauber-Ansturm: Im ersten Halbjahr gab es einen neuen Übernachtungsrekord. Besonders Deutsche zieht es ins Nachbarland – 7,5 Millionen Übernachtungen gingen auf ihr Konto.

Reisende sind der Tourismusbranche beim Einsatz Künstlicher Intelligenz nach Darstellung einer neuen Studie zwei Jahre voraus. Während 54 Prozent der befragten US-Reisenden KI bereits für die Reiseplanung genutzt haben, bieten 22 Prozent der befragten Destination Marketing Organizations entsprechende Funktionen auf ihren Internetseiten an.

Der dritte European Travel Trend Report der Dertour Group belegt das wachsende Interesse an Slow Travel, digitalen Auszeiten und Solo-Reisen. Besonders in Deutschland gewinnen entschleunigte Reiseformen und Alleinreisen stark an Bedeutung.