Ferienkorridor: Tourismusbranche macht Druck bei Kalender für Sommerferien

| Tourismus Tourismus

Die schönste Zeit des Jahres gehört fast schon traditionell zu den größten Streitthemen in der Bildungspolitik. Wann darf welches Bundesland in die Sommerferien - jedes Mal wenn die neue Langfristplanung für ganz Deutschland festgezurrt werden muss, wird es haarig zwischen den Ländern. Demnächst soll die Entscheidung über den Sommerferienplan von 2025 bis 2030 fallen.

THEMA IMMER WIEDER VERTAGT

Bis 2024 stehen die Sommerferien in Deutschland fest. Im geltenden Langzeitplan von 2018 bis 2024 erstrecken sie sich im Schnitt jeweils über einen Zeitraum von 82 Tagen. Je nach Jahr und Bundesland liegt der Beginn frühestens am 20. Juni und das Ferienende spätestens am 13. September. Seit mittlerweile zwei Jahren beraten die Länder über den Folge-Ferienplan von 2025 bis 2030, konnten sich bisher aber nicht einigen. Ein einstimmiger Beschluss in der Kultusministerkonferenz (KMK) ist nötig. Mehrmals wurde das Thema vertagt. Im Dezember sollen die Termine nun festgelegt werden, sagte ein KMK-Sprecher auf Anfrage. Die KMK tagt am 9. Dezember.

WARNUNG VOR ÜBERFÜLLTEN STRÄNDEN

In bisherigen Entwürfen für die neue Ferienplanung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, erstrecken sich die Sommerferien über durchschnittlich 79 Tage. Die Tourismusbranche kritisiert das: «Leidtragende eines zu eng bemessenen Korridors sind Familien mit schulpflichtigen Kindern. Es ballt sich in den Sommerferien der Hin- und Rückreiseverkehr an einzelnen Tagen - überfüllte Flughäfen und steigende Preise sind die Folge», sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, der dpa. Er forderte, den möglichen Zeitraum zwischen 20. Juni und 15. September voll auszuschöpfen.

Auch der Deutsche Tourismusverband (DTV) warnte vor einem zu engen Korridor: «Wenn sich die Sommerferien auf noch weniger Tage zusammenziehen, sind volle Straßen und Bahnen sowie mancherorts überfüllte Urlaubsorte und Strände vorprogrammiert», sagte Geschäftsführer Norbert Kunz. Jeder nicht genutzte Ferientag hätte nach DTV-Einschätzung Umsatzeinbußen von bis zu 120 Millionen Euro zur Folge - mit entsprechend geringeren Steuereinnahmen. Die Tourismuswirtschaft und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an die KMK gewandt und fordern darin eine «Entzerrung».

DAS GROSSE PUZZLE SOMMERFERIEN

Der Sommerferienplan ist ein großes Puzzle: Nach dem sogenannten Hamburger Abkommen von 1964 und Nachfolgevereinbarungen zwischen den Ländern sollen die Sommerferien regional gestaffelt werden, etwa um Staus oder knappe Unterkünfte zu vermeiden. Eingeteilt sind die Länder in fünf Gruppen. Die Gruppen «rollieren»: Jede startet mal früher und mal später in die Ferien. Laut einer Ländervereinbarung vom vergangenen Jahr darf grundsätzlich ein Zeitraum zwischen dem 20. Juni und dem 15. September ausgeschöpft werden.

Aber es müssen «pädagogische Gesichtspunkte» berücksichtigt werden: Die Zeitspanne nach Ostern und Pfingsten für Prüfungen und Vorbereitungen muss lang genug sein. Es soll möglichst sechswöchige zusammenhängende Unterrichtsphasen zwischen den Ferien geben und möglichst gleichlange Schulhalbjahre sowie gut übers Jahr verteilte Projekte, Klassenfahrten, Sportwettkämpfe. Dies alles muss nun noch mit den unterschiedlichen Interessen der Bundesländer und deren restlicher Ferienplanung, die sie selbst in der Hand haben, zusammengebracht werden.

STOLPERSTEIN 1: BAYERN UND BADEN-WÜRTTEMBERG «ROLLIEREN» NICHT

Streit gibt es immer wieder über die Sonderrolle von Bayern und Baden-Württemberg. Die beiden Südländer machen beim «rollierenden System» nicht mit, gehen grundsätzlich als letzte in die Ferien und wollen daran auch nichts ändern. Die Begründung war ursprünglich, dass die Schüler für die Ernte gebraucht würden. Außerdem haben die Südländer als Einzige ausgedehnte Pfingstferien, die manchmal erst Mitte Juni vorbei sind. Da mache es keinen Sinn gleich wieder in die Sommerferien zu starten, so das Argument.

«Wir bleiben bei unseren Ferienterminen. Das hat sich so bewährt, und das ist in der bayerischen Kultur fest verankert», sagte Bayerns Regierungschef Markus Söder (CSU) 2019, als die Debatte zum letzten Mal hochkochte. Den anderen Ländern bleibt nur, das Ganze zähneknirschend zu akzeptieren. DRV-Präsident Fiebig warf den Südländern eine «Blockadehaltung» vor. Bundesweit geltende Ferienabsprachen seien keine «Wünsch-Dir-was-Veranstaltungen».

STOLPERSTEIN 2: KÜSTE UND GROSSSTADT

Bei der Aufstellung des neuen Sommerferienplans hakt es nach dpa-Informationen aber vor allem zwischen den Ländern im Norden: Berlin und Hamburg sind schon länger dafür, dass die Ferien nicht mehr vor dem 1. Juli beginnen, damit die jährlichen Verschiebungen weniger groß ausfallen und genug Zeit für die Prüfungen ist. Die Küstenländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind aber gegen eine zu starke Verengung des Ferienkorridors, weil sie Einbrüche beim Tourismus befürchten. In dieser Ländergruppe bestehe noch Abstimmungsbedarf, hieß es zuletzt. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer feiert 2026 sein 40-jähriges Jubiläum. Mittendrin in diesem so wichtigen Lebensraum liegen die sieben Ostfriesischen Inseln. Und das frisch rezertifiziert als Partner der Nationalparkverwaltung.

Kerosin kostet infolge des Iran-Kriegs viel mehr. Das geht auch an Urlaubern nicht spurlos vorbei, denn es hat Auswirkungen auf die Reisepreise. Auch nachträgliche Erhöhungen können rechtens sein.

Das Kabinenpersonal von Deutschlands größter Airline ist zum Streik aufgerufen. Welche Flüge betroffen sein können und welche Rechte betroffene Reisende haben - der Überblick.

Die griechische Hotelgruppe Domes Resorts hat eine Mehrheitsbeteiligung an Casa Collective erworben. Wie das Unternehmen mitteilt, wurde eine entsprechende Vereinbarung mit Goldman Sachs geschlossen. Casa Collective ist die Plattform hinter den Hotelmarken Cook’s Club und Casa Cook.

Die Urlaubsinsel Capri führt eine «Anti-Belästigungs-Verordnung» ein: Aufdringliches Ansprechen von Touristen, Flyer oder Lockangebote in Restaurants werden jetzt mit bis zu 500 Euro Strafe geahndet.

Flusskreuzfahrten als Impuls für Hamburgs City: Neue Anleger mit guter Anbindung für Touristen, die Geld in Restaurants und Läden lassen sollen. Rot-Grün will Flusskreuzfahrten für die Stadt nutzen.

Venedig kostet seit letztem Freitag wieder Eintritt: zehn Euro pro Tag. An insgesamt 60 Terminen bis Ende Juli werden Kurzbesucher in der italienischen Lagunenstadt dieses Jahr erneut zur Kasse gebeten.

Krisen wie im Nahen Osten bringen Urlaubspläne ins Wanken: Laut einer Umfrage ändern 16 Prozent der Deutschen mit Plänen für Ostern oder die kommenden drei Monate ihre Reise – einige verzichten ganz.

Die Lufthansa bekennt sich endlich zu ihrer vollständigen Geschichte. Doch zum 100. Jahrestag des Erstflugs steht das Unternehmen nicht allzu glänzend da. Neue Turbulenzen zeichnen sich ab.

Wer an Nord- oder Ostsee einen Strandkorb mieten will, muss je nach Ort und Saison unterschiedlich tief in die Tasche greifen. Wo sich Preise kaum ändern – und wo es teurer wird.